Claus Kleber, Gundula Gause

Claus Kleber moderiert noch bis Ende 2021 das "heute-jorunal". Hier zusammen mit Gundula Gause. Bild: ZDF / Klaus Weddig

Nach Abschied von Claus Kleber: ZDF und ARD laufen die Nachrichten-Moderatoren weg – Experte erklärt, woran das liegen könnte

Das ZDF verliert mit Claus Kleber sein absolutes Aushängeschild, wenn es um das Nachrichtengeschehen geht. Zum Ende des Jahres hört der Hauptmoderator des "heute-journals" auf und geht in den Ruhestand – nach 19 Jahren bei der Nachrichtensendung. Für das ZDF dürfte das ein herber Schlag sein. Vergangenes Jahr habe man den 65-Jährigen noch von einer erneuten Vertragsverlängerung überzeugen können, eine weitere Verlängerung habe nun "nicht zur Diskussion" gestanden, wie das ZDF gegenüber watson mitteilte.

Doch Kleber ist nicht das einzige wichtige Nachrichten-Gesicht, das die Öffentlich-Rechtlichen verlässt. Zuvor musste vor allem die ARD mit Jan Hofer, Pinar Atalay und Linda Zervakis einige Abgänge hinnehmen. Während sich Jan Hofer eigentlich genau wie Kleber in den Ruhestand verabschieden wollte, heuerte er dann überraschend doch nochmal bei einem anderen Sender an. Nach seiner Teilnahme bei "Let's Dance" bekommt er nun ein eigenes Nachrichtenformat zur Primetime bei RTL.

Linda Zervakis freut sich über mehr Prestige

Pinar Atalay ist ebenfalls künftig bei dem Kölner Sender zu sehen. Linda Zervakis wechselte von der ARD hingegen zu ProSieben, wo sie zusammen mit Matthias Opdenhövel die eigene Sendung "Zervakis & Opdenhövel. Live" bekommt – ebenfalls im Nachrichtensektor. Warum den Öffentlich-Rechtlichen ihre Nachrichten-Stars abhandenkommen, ist nicht ganz klar. Es könnte allerdings zum einen an der Bezahlung und zum anderen an fehlenden Weiterentwicklungsmöglichkeiten liegen.

Das neue Journal

Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel sind künftig gemeinsam bei ProSieben auf Sendung. Bild: dpa / ProSieben

So freute sich beispielsweise Zervakis nach ihrem Wechsel zu ProSieben ganz offen: "Jetzt steht mein Name drauf. Das hatte ich vorher noch nicht." In ihrem neuen Format wird die Journalistin viel freier agieren können, als sie es bei der "Tagesschau" tun konnte.

Marc Bator, der bereits vor acht Jahren von der "Tagesschau" zu Sat.1 wechselte und dort Chefmoderator der Nachrichten wurde, kritisierte kürzlich im Gespräch mit dem "RND": "Bei allem Respekt, muss sich die ARD auch mal hinterfragen, ob ihre Bezahlung und die Flexibilität in der Ausgestaltung der Dienstverträge noch zeitgemäß sind."

In eine ähnliche Kerbe schlug nun auch Ex-"Tagesschau"-Sprecherin Dagmar Berghoff. "RTL und Sat.1 zahlen natürlich viel mehr als die ARD. Das ist gar kein Vergleich", so die 78-Jährige im Interview mit dem "RND". Und sie wurde noch konkreter: "Wenn man überlegt, dass man für eine 20-Uhr-Ausgabe 257,35 Euro bekommt, ist das schon wenig Geld."

Besseres Gehalt als Grund für Wechsel?

Auch für Christian Schicha, Professor für Medienethik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, liegt der Schluss nahe, dass die Abgänge etwas mit den Gehältern zutun haben könnten. Er sagt gegenüber watson: "Die Vermutung liegt nahe, dass der finanzielle Anreiz für die Moderatoren und Moderatorinnen eine Rolle spielen wird. Die ehemalige Tagesschausprecherin Laura Dünnwald wechselte bereits 2011 zu ProSieben. Marc Bator war von 2000 bis 2013 Sprecher der 'Tagesschau', bevor er die Sat.1-Nachrichten bis heute präsentierte."

Marc Bator wechselte 2013 von der ARD zu Sat.1. Bild: SAT.1 / Claudius Pflug

Doch ob es nun das Geld ist oder die neue Freiheit, das Programm mehr mitgestalten zu können oder ggf. sogar seinen eigenen Namen im Sendungstitel zu haben – nach außen dürfte die Wechselwelle in jedem Fall ein schlechtes Licht auf die Öffentlich-Rechtlichen werfen. Schicha erklärt weiter:

"Die privat-kommerziellen Anbieter möchten offensichtlich die Bekanntheit und hohe Reputation öffentlich-rechtlicher Nachrichtensprecher und -Sprecherinnen nutzen, um die Seriosität ihres Informationsprogramms zu erhöhen. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass die ARD nicht in der Lage ist, prominente Journalistinnen wie Pinar Atalay und Linda Zervakis beim Sender halten zu können. Petra Gerster (ZDF) und Jan Hofer (ARD) hatten das Rentenalter erreicht. Gleichwohl ist es überraschend, dass Hofer nun bei RTL eingestiegen ist."

Christian Sievers als Kleber-Nachfolger eine "angemessene" Wahl

Während sich die Privatsender nun also mit erfahrenen und angesehenen Nachrichten-Gesichtern des ZDF und der ARD schmücken können, werden die Öffentlich-Rechtlichen erst einmal schauen müssen, wie sie die Abgänge kompensieren und wer möglicherweise künftig mehr in den Fokus rückt.

Claus Kleber

Bald mit anderem Moderator im Studio: Claus Kleber geht. Bild: ZDF / Klaus Weddig

Im Falle von Claus Kleber sollte das, auch wenn es auf den ersten Blick ein schwerer Verlust für das ZDF zu sein scheint, durchaus möglich sein. So könnte nach Meinung des Medienethikers Christian Sievers eine "angemessene" Wahl sein. "Es bleibt aber abzuwarten, ob Kleber ebenfalls bei einem Privatsender einsteigt", gibt er zu bedenken. Doch nicht nur ein Wechsel ins Privatfernsehen wäre möglich. "Beim 'heute-journal' gab es 2010 bereits einen prominenten Abgang durch Steffen Seibert, der danach Regierungssprecher wurde", erinnert Schicha.

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