Melissa musste sich im

Melissa musste sich im "Bachelorette"-Finale zwischen Daniel und Leander entscheiden. Bild: TVNow

Analyse

"Bachelorette"-Finale: Was Trash-TV-Shows von Melissa und ihren Männern lernen können

Im großen Finale von "Die Bachelorette" am Mittwochabend musste sich Melissa zwischen zwei Männern entscheiden, die sie beide sehr ins Herz geschlossen hatte: Leander und Daniel. Spätestens, wenn Kuppelshows in ihre heiße Phase eintreten, wird es oft ziemlich emotional – und damit verbunden manchmal sogar richtig hässlich.

Eifersucht, Machtspielchen oder sogar offene Verachtung zwischen den Teilnehmern sind bei Sendungen wie der "Bachelorette" absolut keine Seltenheit. Nicht wenige Zuschauer werden erst durch solche Dramen zum Einschalten motiviert. Die jüngste Staffel mit Melissa setzt dazu einen angenehmen Kontrapunkt.

"Bachelorette" als gemäßigtes Trash-TV

Daniel aus Wien durfte sich vor der Vergabe der letzten Rose durchaus als leichter Favorit um Melissas Herz wähnen. Auch für ihn selbst fühlte es sich so an, wie er im Gespräch mit watson nach dem Finale zugibt: "Klar rechnet man sich Chancen aus, wenn man sich unter den letzten zwei verbliebenen Kandidaten befindet. Wenn ich nicht davon überzeugt gewesen wäre, dass ich die letzte Rose überreicht bekomme, hätte ich nicht in dieser Position sein dürfen."

Der Bachelorette wiederum fiel die Entscheidung sichtlich schwer und es flossen folgerichtig Tränen. Am Ende haben die Gefühle für Daniel nicht gereicht, doch obwohl er viel Herzblut investiert hatte, bewahrte er in diesem niederschmetternden Moment die Fassung:

"Du kannst nichts dafür. Du musst die Entscheidung treffen, dass du glücklich bist. Alles gut."

Melissa hat sich nicht für Daniel entschieden.

Melissa hat keine Rose für Daniel. Bild: TVNow

"Ich muss es nicht verstehen. Ich werde es auch nicht verstehen wahrscheinlich" sind die Worte, die er kurze Zeit später auf dem Rücksitz in der Limousine äußert. Das klingt natürlich alles andere als positiv, von bösem Blut gegen irgendjemandem ist aber auch jetzt nichts zu spüren. Auch nicht gegen seinen Konkurrenten Leander, der als Sieger hervorging.

Ein "Verlierer" in einer Reality-Show, der anderen ihr Glück einfach mal gönnt? Das ist denkbar langweilig, aber im allerbesten Sinne. Diese Form von Menschlichkeit erleben wir im Fernsehen nämlich viel zu selten. Würden speziell Trash-TV-Formate sich öfter von dieser Seite zeigen, könnte das Publikum zur Abwechslung mit einem guten Gewissen zuschauen. Aber will es das überhaupt? Das ist freilich noch mal ein ganz anderes Thema.

Zugegeben: Auch in dieser "Bachelorette"-Staffel gab es Augenblicke, die weniger angenehm waren. Denken wir nur an Adriano, der sich vor Wut das Mikro herunter riss, als er keine Rose erhielt. Oder natürlich Pick-up-Artist Ioannis, der Melissa mit seinem Besitzanspruch immer mehr einengte.

Diese Kandidaten schafften es aber aus gutem Grund gerade nicht ins Finale. Dort standen mit Leander und Daniel vielmehr die zwei Männer mit der anscheinend besten Kinderstube. Allein durch jene Auswahl hat Melissa eigentlich fast schon ein Statement gesetzt. Sie selbst verletzte Daniel dann auch nicht, weil sie es wollte, sondern, weil sie es "musste".

Die Melissa-Staffel im Vergleich

An der Stelle bietet sich ein Blick auf Melissas "Bachelorette"-Vorgängerin Gerda an, die sich irgendwann in einer misslichen Lage wiederfand. Direkt vor dem Finale der Gerda-Staffel schmiss einer der zwei verbliebenen Anwärter hin, womit sich die letzte Sendung eigentlich erübrigt hatte.

Diese Gelegenheit nutzte RTL, um das Konzept der Show ein wenig zu verschieben. Auf einmal ging es nicht mehr darum, wer der passende Mann ist. Die Frage lautete nun: den übrigen Teilnehmer Keno wählen oder vielleicht doch lieber Single bleiben? Ziemlich absurd für eine Kuppelshow.

Gerda und Keno lernten sich 2019 beim

Das "Bachelorette"-Paar Gerda und Keno. Bild: RTL

Das Problem war außerdem: RTL hatte schon vorab gespoilert, dass jemand die letzte Rose erhalten würde. Damit war die Entscheidung eigentlich klar. Dennoch ließ der Sender keine Chance aus, um künstliche Dramatik zu erzeugen und die Geschichte aufzuplustern.

Äußerst beliebt bei so manchem Reality-TV-Star ist daneben das Nachtreten. Dafür liefert die aktuelle Staffel von "Bauer sucht Frau" ein gutes Beispiel. Hier drohte der Bademeister Till nach seinem Ausscheiden dem Kandidaten Sascha via Instagram-Story: "Sascha, Schweinchen. Ich habe gehört, Du willst Stress von mir, dann bring auf jeden Fall deine ganzen Freunde mit. Ich komm auch alleine." Die Bäuerin Denise hatte Till zuvor vom Hof geschickt und sich für Sascha entschieden.

Derartige Aktionen sind von dem "Bachelorette"-Zweitplatzierten Daniel zum Glück praktisch undenkbar. Dank ihm, Leander und Melissa war die Show in den letzten Wochen ein wunderbares Plädoyer für gemäßigtes Trash-TV.

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