König Viserys I. (Paddy Considine) gießt mit jeder seiner Entscheidungen mehr Öl ins Feuer.
König Viserys I. (Paddy Considine) gießt mit jeder seiner Entscheidungen mehr Öl ins Feuer. bild: screenshot "house of the dragon"
Analyse

"House of the Dragon" versöhnt Fans mit schwächster Szene aus "Game of Thrones"

06.09.2022, 18:0806.09.2022, 18:09
Paul Seiler
Paul Seiler
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Achtung, es folgen Spoiler zur neuen Folge von "House of the Dragon"! Wer die Episode mit dem Originaltitel "Second of His Name" noch nicht gesehen hat, sollte also vorsichtig sein.

George R. R. Martin, der Autor der Buchvorlage zu "Game of Thrones" sprach vor einigen Jahren einmal über seine "ungeliebteste Szene":

"Die Szene von der gesamten Serie, von allen acht Staffeln, die ich am wenigsten mag, ist die, in der König Robert auf die Jagd geht. Vier Typen, die zu Fuß durch den Wald laufen und Speere tragen, und Robert piesackt Renly."

Bei einer richtigen königlichen Jagd, sagte der Autor, gebe es hunderte von Menschen: Jäger, riesige Pavillons, Jagdhunde, Hornbläser, Gefolge, andere Ritter und Jäger. Nicht nur ein Kerl und drei seiner Freunde im Wald.

Ein Großteil der dritten Folge des "Game of Thrones"-Prequels "House of the Dragon" spielt im Königswald und erfüllt dem Erfinder der Welt von Eis und Feuer endlich seinen Wunsch: Wir bekommen eine königliche Jagd in aller Herrlichkeit.

Ein königlicher Ausflug

Diese Folge spiegelt die missglückte Jagd von König Robert I. Baratheon auf mehr als eine Art – zeigt sie doch gekonnt die Unterschiede nicht nur zwischen "House of the Dragon" und "Game of Thrones", sondern auch zwischen den verschiedenen Königen und Anwärtern auf den Eisernen Thron auf.

Wir erinnern uns: In der sechsten Folge der ersten Staffel von "Game of Thrones" – Originaltitel: "A Golden Crown" – ist König Robert I. Baratheon in ebendiesem Königswald auf der Jagd. Statt des von ihm verfolgten weißen Hirschen findet er lediglich einen wilden Eber, der ihm (der sich seit Beginn seiner Regentschaft nur besäuft) schwere Wunden zufügt, an denen er eine Folge später stirbt. Der Tod des Königs tritt schließlich den "Krieg der fünf Könige" los, der einen guten Teil der Handlung von "Game of Thrones" bestimmt.

König Viserys I.: Trottel vom Dienst

Genau wie der mehr als hundert Jahre später lebende König Robert I. Baratheon ist Viserys I. also auf der Jagd nach einem weißen Hirschen. Wie die Hand des Königs und Kleinfinger-Verschnitts Otto Hightower bemerkt, ist dieses Tier ein Symbol für Herrschaftlichkeit, für Würde und nicht zuletzt auch die Gunst der Götter. Im Übrigen eine Tradition, die sich bereits im Parzival findet.

Beide Könige ähneln sich in dieser Folge stark: Beide besaufen sich, um ihrer Trauer über ihre verstorbene Liebe zu entkommen. Beide sind bis zu einem gewissen Grad selbstsüchtige Herrscher und überlassen die wahre Herrschaft anderen. Robert aus Gleichgültigkeit gegen die Krone, Viserys dagegen aus Gefallsucht.

Beiden Königen entkommt der weiße Hirsch und damit auch das Symbol königlicher Herrschaft.

Nur lässt sich Viserys I. von seinen Beratern dazu breit schlagen, den weit weniger beeindruckenden und gewöhnlichen Hirsch zu erlegen, den seine Jäger gefangen haben. Wobei er ihn eher in mehreren Anläufen absticht, nachdem seine Handlanger ihn bereits eingefangen und auf einem Silbertablett präsentiert haben. Und selbst das gelingt ihm nur mit einiger Anleitung.

Die heißblütige Prinzessin

Rhaenyra dagegen ergeht es ganz anders. Auch sie flieht vor ihrer königlichen Rolle – in ihrem Fall einem Heiratsantrag des schleimigen Lord Jason Lannister. Im Gegensatz zu den Königen begegnet ihr bei ihrem Ausritt aber der weiße Hirsch.

Rhaenyras Entscheidung, den weißen Hirschen zu verschonen, hat noch eine weitere Bedeutung: Sie hält Ser Criston Cole, ihren Leibwächter, davon ab, ein weißhaariges, männliches Tier zu töten, das sehr explizit als Symbol für Königtum genannt wird. Genau so, wie sie kurz zuvor über sein Angebot, Lord Jason Lannister zu töten, gelacht hat. Die Show deutet damit dezent an, dass sie im Konflikt der Targaryens um die Krone ehrenvoll handeln wird.

Ein Fan bezeichnet sie daher bereits als "The true queen" – die wahre Königin.

Nicht nur das: Wie König Robert begegnet auch Rhaenyra einem wilden Eber. Als sie mit Ser Criston am Lagerfeuer sitzt, überrascht das Tier die beiden, reißt die Königswache von den Füßen und stürmt auf die Prinzessin zu. Wo Robert aber zu betrunken und seine Entourage zu unfähig war, den Eber zu töten, gelingt es Rhaenyra nach einigem Ringen und dank der Hilfe ihres Leibwächters am Ende doch.

Natürlich kehrt sie stilecht wie eine Targaryen zur Jagdgesellschaft zurück: blutbesudelt, mit der Beute im Schlepptau.

Daemon Targaryen – ein Prinz in Nöten

Neben all der Charakterentwicklung und dem schweren Symbolismus kommen aber auch Fans kleinerer Details und epischer Schlachten auf ihre Kosten. Die Folge endet aber mit einem Knall und erinnert uns mit Wucht daran, dass es mehr als einen Drachen in Westeros gibt. Und mehr als einen Drachenreiter.

Daemon Targaryens ergeht es schlecht in seinem Krieg auf den "Stepstones", einem Archipel zwischen Westeros und Essos, einem großen Kontinent im Osten und Herkunftsort der Targaryens und ihrer Drachen. Er und Corlys Velaryon haben zu wenig Essen, zu wenig Schiffe und zu wenig Männer, um einen Sieg zu erringen.

Um sich nicht auf die Hilfe des Königs verlassen zu müssen, schmieden sie einen riskanten Plan: Prinz Daemon soll sich in das Versteck der Feinde begeben und sie ins Freie locken, da sie sich gekonnt vor seinem Drachen und der Flotte seiner Verbündeten verstecken.

Natürlich geht dabei einiges schief. Der Prinz wird von Bogenschützen umzingelt und verletzt. Mit Mühe schleift er sich in ein Schiffswrack, wo er sich von hunderten Piraten umzingelt sieht. Tapfer zieht er sein Schwert aus valyrischem Stahl, bereit zum letzten Gefecht und ...

... wird von einem uns unbekannten, weißen Drachen mit einem Feuerschwall gerettet.

Der mysteriöse dritte Drachenreiter

Einige Zuschauende waren von diesem plötzlichen Auftauchen eines bis dahin unbekannten Drachen überrascht. Diese Rettung eines wichtigen Charakters durch die fliegenden Ungetüme ist natürlich nicht neu. Fans nennen dieses Phänomen liebevoll "Dragon ex Machina".

Wer genau hinsieht, erkennt neben der dunklen Hautfarbe und den jugendlichen Gesichtszügen aber auch einen Schopf silberweißer Dreadlocks. Diese gehören ganz unzweifelhaft zu Laenor Velaryon, dem einzigen Charakter, auf den diese Beschreibung passt.

Wir kennen ihn bereits, auch wenn er bislang nur eine Nebenrolle spielte: In der ersten Folge "The Heirs of the Dragon" sehen wir, wie sich seine ältere Schwester, die in der zweiten Folge mit dem König verlobt werden soll, ängstlich beim Turnier an ihn klammert. Und in der aktuellen Folge ist er derjenige, der vorschlägt, Daemon Targaryen als Köder zu benutzen.

Aber sagte Corlys Velaryon nicht erst in der vorherigen Folge, seine Familie sei keine von "Drachenlords" und "Drachenreitern" gewesen?

Es stimmt zwar, dass Haus Velaryon ein niederes Haus ist, das selbst über keine Drachen verfügt. Dieser scheinbare Widerspruch löst sich aber rasch auf. Laenors Mutter ist bekanntlich Rhaenys Targaryen, ihres Zeichen die "Königin, die niemals war", Cousine von König Viserys I. und in ihrer Jugend selbst Drachenreiterin. Laenor hat daher das Blut einer Targaryen in sich.

Die Vorlage verrät uns auch den Namen des Drachen, den Laenor da reitet: Seasmoke [dt: Meeresrauch]. Eine gelungene Anspielung auf seine Abstammung einer niederen Familie des alten Valyria, aus dem auch die Targaryens stammen. Deren Motto ist bekanntlich "Feuer und Blut", während es bei den Velaryons eben bisher nur für etwas Rauch reicht.

Es bleibt abzuwarten, wie der junge Drachenreiter und Prinz Daemon auf lange Sicht miteinander auskommen, schließlich ist Laenor erst der dritte Drachenreiter dieser Serie. Außerdem bleibt es spannend, wann der versprochene "Dance of Dragons" endlich heiß wird.

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