Heike Makatsch war auch bei #allesdichtmachen dabei, hat ihr Video aber mittlerweile gelöscht.
Heike Makatsch war auch bei #allesdichtmachen dabei, hat ihr Video aber mittlerweile gelöscht.
Bild: imago images/ future image
Analyse

Medienexperte nach #allesdichtmachen: "Der Schuss ging nach hinten los"

23.04.2021, 17:1224.04.2021, 08:16

Über 50 Schauspieler haben mit einer Internetaktion für einen lauten Aufschrei gesorgt. Unter dem Hashtag #allesdichtmachen veröffentlichten Künstler wie Ulrike Folkerts, Ulrich Tukur, Jan Josef Liefers, Heike Makatsch, Volker Bruch oder Meret Becker am Donnerstag im Netz ironisch-satirische Videos mit eigenen Statements zur Coronapolitik der Bundesregierung. Die Hashtags #allesdichtmachen, #niewiederaufmachen und #lockdownfürimmer trendeten innerhalb von kürzester Zeit bei Twitter.

Liefers bedankte sich beispielsweise mit Ironie "bei allen Medien unseres Landes, die seit über einem Jahr unermüdlich verantwortungsvoll und mit klarer Haltung dafür sorgen, dass der Alarm genau da bleibt, wo er hingehört, nämlich ganz, ganz oben."

Heike Makatsch sagte in einem Clip: "Es hat geklingelt, aber ich mache nicht auf. Vielleicht ist es Lieferando, vielleicht Amazon, DHL. Egal, ich mache nicht auf, weil ich Verantwortung übernehme für dieses Land und es macht mir große Sorgen, dass es da draußen egoistische Leute gibt, die aufmachen wollen – gerade jetzt, wo es besonders wichtig ist, dass wir alle nicht aufmachen." PR- und Medienexperte Ferris Bühler sieht die Aktion sehr problematisch, wie er watson erklärt.

Hier sind die teilnehmenden Schauspieler während ihrer Videoaufnahmen zu sehen.
Hier sind die teilnehmenden Schauspieler während ihrer Videoaufnahmen zu sehen.
Bild: Internetaktion #allesdichtmachen

Warum die Aktion nach hinten losging

Ob sich die Künstler mit ihren Statements zur Coronapolitik mehr geschadet, als vielmehr ein Zeichen gesetzt zu haben, sieht Bühler so: "Die Aktion war sicherlich nicht böse gemeint, allerdings ist der Einsatz von Ironie, Satire oder Zynismus als Kommunikationsmittel in Krisenzeiten extrem heikel. Wenn man sich nun damit an ein derart heikles Thema wie Corona wagt, kann man eigentlich nur verlieren. Mit der Aktion haben sich daher die Künstler leider nur selbst geschadet, als dass es ihnen gelungen wäre, ein Zeichen zu setzen. Kurz: Der Schuss ging nach hinten los."

Ferris Bühler ist PR- und Medienexperte.
Ferris Bühler ist PR- und Medienexperte.
Bild: Thomas Buchwalder

Grundsätzlich zweifelt er den Nutzen dieser Aktion an. Der Medienexperte meint: "Es ist nachvollziehbar, dass die Künstler mit der Aktion auf die Härte der Krise aufmerksam machen wollten. Doch schafft man das mit einem 'allesdichtmachen'-Hashtag? Statt sich ironisch über die Covid-Maßnahmen lustig zu machen, hätten die Initianten der Öffentlichkeit besser eine motivierende Botschaft überbracht."

Eine gelungene Alternative hätte laut Bühler folgendermaßen aussehen können: "Zum Beispiel hätten sie in den Videos auf kreative Art und Weise aufzeigen können, wie sehr sie die Bühne und das Publikum vermissen und darauf brennen, bald wieder auftreten zu dürfen. In der Krise sind 'good vibes' gefragt, da können die Menschen mit Zynismus nichts anfangen." Andere Schauspielkollegen wie Tobias Schlegl, Christian Ulmen, Nora Tschirner oder Marcus Mittermeier meldeten sich ebenfalls zu Wort und kritisierten die Aktion im Netz. Letzterer meinte:

"Niemand hat mich gefragt, ob ich bei #allesdichtmachen mitmachen will. Gott sei Dank!"

Über die Reaktion vonseiten anderer Künstler sagt Ferris: "Dass es postwendend Kritik von namhaften Personen aus demselben Berufsstand gab, nimmt den Initianten die ganze Glaubwürdigkeit ihrer Aktion weg. Hier sieht man auch die Grundproblematik der Aktion: 50 teilnehmende Schauspieler einer so großen Branche sind einfach zu wenig, um viel bewirken zu können und glaubwürdig aufzutreten."

Auch das Image der Stars könnte dadurch nun beschädigt werden. "Dass Heike Makatschs Video so schnell wieder vom Netz entfernt wurde und sie öffentlich um Verzeihung gebeten hat, deutet auf Schadensbegrenzung hin. Die Aktion dürfte sicherlich am Image der teilnehmenden Prominenten gekratzt haben und kurzfristig Spuren hinterlassen. Wenn sich nun vor allem Corona-Ignoranten und Verschwörungstheoretiker zu dieser Grundaussage positionieren, so hat die Aktion ihren Zweck verfehlt", so Bühler.

"Schere im Kopf": Oliver Pocher sieht sich auf der Bühne eingeschränkt

Oliver Pocher ist immer wieder für kontroverse Ansagen zu haben. So nahm er jüngst bei Instagram zum Beispiel Cathy Hummels aufs Korn, als die wiederum verkündete, künftig genderneutrale Sprache anzuwenden. Im "Bild"-Talk "Viertel nach acht" ging es nun explizit auch um Political Correctness, wozu der Comedian deutliche Worte fand. Daneben wurde aber auch noch ein ganz anderes Thema angesprochen: Die Rente des 43-Jährigen.

"Was darf Comedy heutzutage eigentlich noch?", fragt sich Pocher in der …

Artikel lesen
Link zum Artikel