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CDU-Chef Armin Laschet hat einen schweren Stand bei Markus Lanz. bild: screenshot zdf

Markus Lanz bringt Armin Laschet in Bedrängnis – sogar Böhmermann hat Mitleid

Dirk Krampitz

Es ist keine gute Zeit für den CDU-Parteivorsitzenden Armin Laschet, der auch Kanzlerkandidat der Union werden will. Die CDU ächzt unter der Maskenaffäre, er steht wegen seines Corona-Managements in der Kritik und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte ihn am Sonntag im Interview mit Anne Will ungewöhnlich deutlich kritisiert. Nun Laschet bei "Markus Lanz". Und die anderen Gäste werden mehr oder minder zu Statisten.

Nach einem kurzem Warmtalken über die neuen Sorgen mit dem Impfstoff von Astrazeneca (Laschet: "Das erhöht auch nicht das Vertrauen.") kommt Lanz dann auch sofort auf die Merkel-Äußerung zu sprechen. Anne Will hatte die Kanzlerin zu einer Aussage gedrängt, ob Armin Laschet als NRW-Ministerpräsident gegen die beschlossene Corona-Notbremse verstößt. "Ja, aber er ist nicht der Einzige", war die Antwort der Kanzlerin. Laschet bemüht sich, die Wucht dieser Aussage herunterzureden. Anne Will habe "sehr geschickt dreimal nachgefragt" und es dann auf den Punkt gebracht, das sei "journalistisch ok".

Das steht außer Frage. Aber war das auch politisch ok von der Kanzlerin? Laschet bemüht sich nach der Einspielung dieses Ausschnitts darum, nicht den Eindruck eines Risses im Verhältnis zur Kanzlerin entstehen zu lassen. Er habe mit Angela Merkel noch am Sonntag gesprochen und auch danach wieder, aber über die Inhalte von Telefonaten verrate er nichts. "Ich kenne sie so gut, wir haben ein Vertrauensverhältnis, ich bin sicher, sie wollte damit keinen Schaden auslösen."

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Armin Laschet wirkt nervös bei "Markus Lanz". bild: screenshot zdf

Was Laschet sagt, klingt im reinen Wortlaut souveräner, als es aussieht. Er wirkt nervös, versteckt sich hinter einem Lächeln, bis ihm das Gesicht verärgert entgleitet, als Lanz penetrant nachhakt. Immer wieder greift er zum Wasserglas, trinkt seine Karaffe leer, so dass sie zwischendurch irgendwann aufgefüllt wird, während alle anderen Gäste noch beim ersten Glas sind.

Was es bedeute, wenn die Kanzlerin sage "Armin so nicht", will Lanz wissen. Laschet antwortet etwas angezickt: "Das hat sie nicht gesagt." Warum die Kanzlerin denn ausgerechnet NRW als Beispiel für die nicht erfolgte Notbremse erwähnt habe. "In der Sekunde fällt ihr vielleicht NRW ein", ist seine wenig überzeugende Erklärung. Als Lanz zu weiteren Fragen über die Kanzlerin ansetzt, wird Laschet ein bisschen pampig: "Sie hätten sie ja einladen können, Herr Lanz, es ist noch ein Stuhl frei." Aber Lanz lässt nicht locker. "Sie beschädigt Sie." Laschet: "Ich empfinde das nicht so."

Nachgetreten hatte auch Kanzlerkandidaten-Konkurrent Markus Söder, indem er gesagt hat, ein Verschieben der Notbremse, wie es einige Bundesländer handhaben, bringe nichts. "Das sagt er doch auch nicht zufällig", hakt Markus Lanz nach und Laschet gibt kurz angebunden zu. "Das ist wahr." Indirekt kritisiert er dann Markus Söders Verhalten im Kanzlerduell.

"Dass man einen Punkt macht, indem man einen Kollegen kritisiert – mein Stil ist es nicht. Ich werde mich an Sticheleien nicht beteiligen."

Armin Laschet

Und als Lanz nachhakt, macht Laschet dicht: "Glauben sie, ich antworte jetzt auf jede dieser Sticheleien und Treffer?"

Es ist ein unangenehmes Gespräch. Markus Lanz gibt den freundlich lächelnden Terrier, der sich verbeißt. Auch die Zuschauern beobachten das Gespräch mit einer Mischung aus Faszination und Scham:

Sogar TV-Moderator Jan Böhmermann meldet sich zu Wort mit einer Mischung aus Mitgefühl und Mitleiden.

Dann geht es noch um die Schulen, die Laschet offen halten wollte, obwohl die Städte Duisburg und Dortmund sie schließen wollten wegen zu hoher Inzidenzen. Doch bei den Schulen allgemein scheint es offenbar einen Gesinnungswandel gegeben zu haben. "Ich kann stand heute nicht sagen, dass sie nach den Ferien wieder aufmachen." Aber dafür brauche man eine "deutschlandweite Regelung", sagt Laschet. Treffen will er diese Entscheidung bei einer realen Ministerpräsidentenrunde und nicht wie bisher bei einer Videokonferenz.

Ebenso real will er sich zwischen Ostern und Pfingsten will in er in einem Gespräch mit Markus Söder entscheiden, wer denn nun der Kanzlerkandidat der Union wird. "Was muss passieren, damit Sie verzichten?", stichelt Lanz. "Ach Herr Lanz …"

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"FAZ"-Redakteurin Helene Bubrowski sieht "Krieg" in der Union. bild: screenshot zdf

Laschet kann einem schon fast leid tun, als auch die "FAZ"-Redakteurin Helene Bubrowski einstimmt. "Es wird jetzt schmutzig" beurteilt sie den Stand ums Kanzler-Rennen. Auch Bubrowski findet, dass Merkel bei "Anne Will" gegen Laschet geschossen hat und nicht gegen Söder. "Ihm gelingt in Bayern auch nicht alles, aber das wird von der Kanzlerin nicht thematisiert." Es herrsche derzeit "Krieg" innerhalb der Union und das sei "ein Stück weit verantwortungslos", so Bubrowski.

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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer berichtet von seinen Erfahrungen als Modellstadt. bild: screenshot zdf

"Die fehlende Solidarität hat mich schockiert", bekundet auch Boris Palmer seine Solidarität mit Laschet angesichts des Verhaltens der Kanzlerin. Aber sie habe nicht Laschet selbst angegriffen, sondern die Bundesländer, sagt er weiter. In seiner Eigenschaft als NRWs Ministerpräsident dürfte für Laschet der Unterschied aber marginal sein.

Palmer hingegen fürchtet vermutlich um seine Autarkie. Der Tübinger Oberbürgermeister kocht ja gern sein eigenes Süppchen. So auch mit seinem Versuch einer Corona-Modellstadt. Er berichtet er davon, wie es funktioniert, für tagesaktuell Getestete ein weitgehend normales Leben zu ermöglichen.

Sie hätten bei einer Inzidenz unter 35 mit dem Versuch begonnen, gerade hätten sie eine Inzidenz von 76, die auch daher komme, dass Tübingen "10 mal besser getestet" sei als der Bundesschnitt. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte höhere Zahlen genannt, die seien aber falsch, sagt Palmer. Mit ihren vielen Tests hätten sie "echte Superspreader-Potentiale" herausgetestet, insgesamt rund 30 Leute, die völlig überrascht von ihrer Infektion und sehr ansteckend waren. Die Methode sei teuer und aufwendig. Aber: "Die Daten, die ich bisher sehe, stimmen mich hoffnungsvoll." In zwei Wochen könne man mit einem Ergebnis rechnen.

In Tübingen stehen die Leute teilweise zwei Stunden für einen Test an, um dann Shoppen zu gehen oder ins Restaurant. "Mit Speck fängt man Mäuse", weiß Palmer.

Und er weiß auch, wie man Leute von etwas abhält: "5 Tage Quarantäne im Hotel am Flughafen" empfiehlt er, um die Deutschen vom Reisen nach Mallorca ohne Verbot abzuhalten.

"Es ist besser, eine kluge Regel zu machen, als zu erwarten, dass die Menschen freiwillig Verzicht üben."

Boris Palmer

Der Ärztin Carola Holzner scheint während der Diskussionen mehrfach fast der Kragen zu platzen. Kanzlerkandidatur statt Corona, Tests für Lockerungen statt Lockdown und dann auch noch Mallorca. Sie bemerkt bei der Arbeit, dass die Intensivstationen schon wieder volllaufen. "Wir müssen gerade gucken, dass wir nicht untergehen."

Und da findet auch Laschet zurück ins Gespräch. "Ich bin auch dafür, es darf jetzt nichts geöffnet werden." Er und die anderen Ministerpräsidenten wären ja auch offen für weitere Maßnahmen, die die Fallzahlen senken. "Es gibt nur diese Idee nicht, was es sein soll." Das ist es wohl, was man nicht Strategie nennt.

Markus Lanz verabschiedet sich mit nett gemeinten Worten an Armin Laschet. "Sie haben eine Menge vor – bald Kanzlerkandidat. Läuft." Wie er allerdings auf diese Idee ausgerechnet nach diesem Gespräch kommt, bleibt absolut rätselhaft.

"Jetzt übertreiben Sie es, Herr Lanz": Wolfgang Schäuble weist Moderator in seine Schranken

Chaos bei den Corona-Maßnahmen, der sogenannte Maskenskandal und nun auch noch eine Kanzlerin, die ihren Partei-Chef öffentlich demontiert – keine Frage, die CDU steckt in einer Krise. Wolfgang Schäuble, Bundestagspräsident und früherer CDU-Finanzminister, wollte davon am Mittwochabend bei "Markus Lanz" nichts wissen.

Rhetorisch gekonnt wich er den Fragen von Moderator Markus Lanz immer wieder aus – doch der ließ nicht locker.

Und auch die zweite Politikerin in der Runde, Linken-Chefin Susanne …

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