Verwirrung rund ums Boostern – wer soll jetzt eigentlich wann dran sein? Nur ein Problem der Woche, laut der heute-show.
Verwirrung rund ums Boostern – wer soll jetzt eigentlich wann dran sein? Nur ein Problem der Woche, laut der heute-show.Bild: screenshot/zdf / heute-show

"Wir sind eindeutig zu doof!": "heute-show" kann nicht fassen, dass das Corona-Problem zurück ist

Jürgen Winzer
Jedes Jahr das Gleiche: Der Herbst kommt und mit ihm das Corona-Comeback. Die "heute-show" (ZDF) fühlt sich in einer Zeitschleife und sieht Deutschland vor Problemen: Das Impfen klappt nicht, das Boostern schon gar nicht. Aber keine Panik: Die FDP lässt trotzdem jubeln!
06.11.2021, 13:57

"Alle Maßnahmen enden spätestens mit Frühlingsbeginn am 20. März 2022." Also sprach Marco Buschmann, seines Zeichens FDP-Fraktionsgeschäftsführer. Für Oliver Welke von der "heute-show" (ZDF) war das die "Wohlfühlmeldung" der Woche. "Am 20. März ist also Freedom Day. Hurra! Ich hoffe bloß, das Virus kriegt das Memo."

Denn – so sicher wie Nebel und Mistwetter im Herbst – das Corona-Virus ist zurück. Für Welke keine Überraschung ("War doch klar, wie sich die gewaltige Impflücke auswirken würde."), für die Verantwortlichen wohl schon. Wie anders hätten die meisten Impfstationen zum 1. Oktober dichtgemacht werden können. Welke mutmaßte: "Wir sind eindeutig zu doof." Denn so – doof – müsse man es nennen, wenn ein Land immer wieder denselben Fehler begeht. Nachdem man Testen und Impfen verschlafen habe, sei nun Boostern an der Reihe. "Bei der dritten Impfung blickt keine Sau mehr durch", meinte Welke angesichts der "Kakofonie zwischen STIKO und Bund und Ländern" und der sich widersprechenden Aussagen zum Thema Boostern. "Geboostert werden alle erwachsenen Minderjährigen über 70", brachte Welke den Meinungsmix auf einen skurrilen Nenner.

Hartes Urteil über die Deutschen und ihre Corona-Lage.
Hartes Urteil über die Deutschen und ihre Corona-Lage.Bild: screenshot/zdf/heute-show

Welke im Klartext-Modus: "Nicht impfen lassen ist asozial!"

In anderen Ländern gebe es Erfolge. Israel habe die vierte Welle durchs Boostern gebrochen. Österreich und Italien erzielten durch konsequentere Maßnahmen bessere Impfquoten. Dafür gebe es in Italien andere Auffälligkeiten. Dort wurde gerade ein auf den Namen Adolf Hitler ausgestellter Impf-QR-Code als korrekt eingestuft. Welke meinte süffisant, dass diese Nachricht die Nazis in ein Dilemma stürze: "Einerseits: Wie schön, der Führer lebt. Andererseits: Er ist geimpft!"

Das kann man hierzulande aktuell von 3,2 Millionen über 60-Jährigen nicht sagen. Und viele von ihnen und anderen Ungeimpften meinten immer noch, es sei reine Privatsache, ob sie sich impfen lassen oder nicht. "Ich kann's nicht mehr hören", echauffierte sich Welke und spielte den Erklär-Bär: "Wenn ich mir ein Hodenpiercing mache, das ist Privatsache." Denn, egal wie dumm und schmerzhaft und leicht entzündlich das sei, "damit schade ich keinem anderen". Wenn aber eine Impfweigerung dazu beitrage, dass auf der Intensivstation Geimpften die Betten weggenommen oder OPs verschoben werden müssten, dann sei das, so Welke, "keine Privatsache, sondern irgendwie asozial!"

Der Deutsche und sein SUV: eine unsterbliche Liebe

Anderes "heute-show"-Thema, ähnliche Fragestellung: Wie sozial ist es, SUV zu fahren? Auf jeden Fall ist es nicht gut fürs Klima und für die Verkehrsballung in den Citys. Aber der Deutsche, so Welke, pflege eine "unsterbliche Liebe" zum SUV, dem "direkten Nachfahren der Spähpanzer, mit denen unsere Großväter einst durch Europa cruisten". Man fahre darin eben auch super bequem: "Wenn Sie mit einem SUV über einen mittelgroßen Hund drübermöllern, gibt's da nur ein kaum wahrnehmbares Ruckeln." Der Deutsche liebe eben nicht nur seinen SUV, sondern das Auto generell. 48 Millionen seien in Deutschland angemeldet, und die bräuchten halt Platz. Da passe es, so Welke, dass sich deutsche Städteplaner seit Jahrzehnten an den Interessen der Autofahrer orientierten. Anderswo werde umgedacht.

Es würden Autoparkplätze zugunsten von Radwegen gestrichen (Paris), City-Mauts erlassen (London, Stockholm) und mit Erfolg (40 Prozent weniger Unfalltote) auf Tempo 30 in der Innenstadt (Brüssel) umgeschaltet. Aber das sei in Deutschland nicht machbar. "Das verhindert die Autolobby." Mit gutem Recht, witzelte Welke zynisch: "Opas, die mitten in der Stadt ohne Todesangst Kaffee trinken können – das kann doch keiner wollen!"

Ausgerechnet Klima-Trödlerin Merkel fordert "Dekade des Handelns"

Es könne also auch mit den deutschen Klimazielen eng werden. Global steuere man ohnehin auf eine 2,7-Grad-Erderwärmung zu. Und obwohl beim G20-Gipfel und anschließend beim Klima-Gipfel in Glasgow drastische Worte gewählt wurden, klafft die Worte-Taten-Schere weit auseinander. Nicht nur in China, das erst im Jahr 2060 klimaneutral werden wolle, obwohl es für 31 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich sei. Sondern auch bei der Noch-Kanzlerin Angela Merkel. Ausgerechnet sie, die Klima-Trödlerin, habe bei ihrer Abschiedstour in der letzten Rede in Glasgow eine "Dekade des Handelns" angemahnt. Welke böse: "Ausgerechnet jetzt, wo sie geht, soll endlich mal gehandelt werden?"

Auch Angela Merkel bekommt ihr Fett weg.
Auch Angela Merkel bekommt ihr Fett weg.Bild: screenshot/zdf/heute-show

Der scheidenden Kanzlerin stellte er klimamäßig kein gutes Zeugnis aus: "Ihren Klimaplan hat das Bundesverfassungsgericht jedenfalls zerrissen." Zum Klima sprach auch Queen Elizabeth von England (Welke: "Die kann sich noch persönlich an die letzte Eiszeit erinnern"), und zwar mahnende Worte. Welke übertrug die Rede per Google-Übersetzer aus dem Englischen ins Deutsche, ein kleiner Gag. Demnach forderte sie die in Glasgow versammelten politischen Honoratioren angeblich auf: "Kriegt endlich den Arsch hoch, ihr Pisser, und rettet die verf...te Erde." Das hätte nicht mal Greta schöner sagen können.

Lauterbach mit klaren Worten bei "Anne Will": "Können keine Rücksicht auf Querdenker nehmen"

Wie gewohnt gibt sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bei Anne Will selbstbewusst in seinem Pandemie-Management: Bayern habe schon früh harte Maßnahmen beschlossen und die Inzidenz sinke sogar bereits leicht. Überraschenderweise spricht sich Söder dann aber für SPD-Politiker Karl Lauterbach als Gesundheitsminister aus. Der wiederum wird besonders deutlich, als es um die Impfpflicht geht: Ohne sie wird es nicht gehen – und der Staat dürfe sich dabei nicht von Querdenkern unter Druck setzen lassen.

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