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Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar verkündet schlechte Nachrichten. bild: screenshot ARD

Ranga Yogeshwar über Corona: "Im Moment ist eine Lockerung fahrlässig"

dirk Krampitz

Publikum gibt es nicht im Studio. "Und nachher auch kein Zusammensein mit Getränken", sagt Moderatorin Bettina Böttinger. Auch der "Kölner Treff" im WDR sieht in Zeiten von Corona am Dienstagabend anders aus. Und so klatschen sich die Talk-Gäste bei der Vorstellungsrunde gegenseitig Beifall, damit es nicht ganz so gespenstisch ruhig ist.

Diesmal sind dabei:

Der sonst so zurückhaltende Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar nennt Sars-CoV-2 "dieses Scheißvirus". Aus den wissenschaftlichen Daten sehe man: "Dieses Ding brennt immer noch."

Yogeshwar sieht noch lange kein Ende der Pandemie

In diesen Tagen, da viel über Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen diskutiert wird, glaubt er, dass die Politiker eigentlich schon längst wüssten, dass die Beschränkungen noch aufrecht erhalten werden müssten. "Im Moment traut sich niemand, dieses Ding anzufassen. Wenn man schlechte Nachrichten überbringt, bekommt man oft Prügel."

Er ist "eindeutig" dagegen, die Beschränkungen jetzt aufzuheben. "Die Pandemie wächst und wächst und wächst." Ein Vertrauen auf die sogenannte "Herdenimmunität" hätte auch zur Folge, dass selbst bei mildem Verlauf allein in Deutschland rund 400.000 Menschen daran sterben würden. Und das obwohl wir "in Deutschland unglaublich gut aufgestellt sind im Vergleich zum Rest der Welt".

"Großbritannien hat sich am Anfang total idiotisch verhalten."

Ranga Yogeshwar

Er habe einer seiner Töchter, die in London studiere, autoritär befohlen: "Celina, du kommst jetzt nach Hause". Großbritannien versuchte sich zunächst am Konzept der "Herdenimmunität", also die gewollte Ansteckung großer Bevölkerungsteile, damit diese Immunität gegen das Virus aufbauen können. Als die Zahlen zu stark anstiegen, schwank die britische Regierung um.

Schlimm an Deutschland in der Coronakrise findet Yogeshwar hingegen den Informationsfluss der Gesundheitsämter. "Da wird noch mit Fax gearbeitet – im Jahr 2020! Wir laufen den Zahlen hinterher, und das macht es schwer zu steuern." Auch bei Tests dauere es zu lange – manchmal eine Woche bis zum Ergebnis.

"Das Wichtigste ist, ehrlich zu sein, den Menschen zu sagen, wo wir stehen."

Ranga Yogeshwar

Würde man es so weiter machen wie bisher, so ist er sich nach Gesprächen mit Wissenschaftlern, der Lektüre von Fachpapieren und dem Studieren von Simulationen sicher, würde die Situation "satt bis ins nächste Jahr" andauern. Seine Empfehlung: Mit einer App als Zusatz hätten wir eine "Chance innerhalb von 2 bis 3 Monaten" auf Lockerung. "Im Moment ist Lockerung aber fahrlässig", fasst er nochmal eindringlich zusammen und schiebt entschuldigend hinterher: "Ich würde gern etwas Positives sagen."

"Kölner Treff": Eckes berichtet, wie es ihr in der Krise ergeht

Das übernimmt RTL-Moderatorin Nazan Eckes für ihn.

"Corona hat bei mir vor allem Demut ausgelöst. Ich weiß mehr denn je zu schätzen, frei zu leben."

Nazan Eckes

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Nazan Eckes kann Corona auch etwas Positives abgewinnen. bild: screenshot ARD

Mit Freunden etwas trinken zu gehen, zu verreisen – das sei ja alles nicht möglich. "Für uns alle zum ersten Mal so, dass wir fremdbestimmt sind." Zuerst sei es ein komisches Gefühl gewesen, als alle ihre Termine gestrichen wurden. Mittlerweile merkt sie: "Ich hatte noch nie so viel Zeit für meine Kinder wie jetzt."

Ihr Fazit: "Corona hat für mich auch Positives bewirkt." Nämlich eine Besinnung aufs Wesentliche und auf Nächstenliebe. "Ich sehe das ein bisschen auch als Lektion für uns alle."

Lohmeyer klatscht auf dem Balkon

Schauspieler Peter Lohmeyer ist einer von jenen, die jeden Abend Medizinern und Pflegern von den Balkonen in Hamburg applaudieren. Er sieht es auch als Ritual für sich selbst und alle anderen Menschen ,"dass man gemeinsam was macht" in Zeiten der Distanzierung. "Ich bekomme jedes Mal Gänsepelle", gesteht er.

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Peter Lohmeyer malt in der Krise. bild: screenshot ARD

Der Schauspieler will das "so lang weitermachen, bis der Scheiß vorbei ist". Übrigens flieht er tagsüber aus der gemeinsamen Wohnung mit seiner Freundin. Die ist Journalistin im Homeoffice. Er hat sich ein Atelier bei einem Freund gesucht und "Papier und Ölkreide" geschnappt – jetzt malt er während der Krise.

Calmund hat 36 Kilo verloren

Dragqueen Catherrine Leclery erzählt dann nur kurz vor Corona. Interessanter: ihre Jugend. Die sei nicht einfach gewesen. "Schwarz, schwul und arm" sei er als Junge gewesen, als er noch André hieß, und eigentlich sei er das auch noch immer.

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Dragqueen Catherrine Leclery ließ sich bei der Namenswahl von ihrer Oma inspirieren. screenshot ARD

Sein Vater wandte sich ab, seine Mutter tolerierte ihn irgendwie. Unterstützung gab es vor allem von seiner Oma, von der sie sich zu ihrem Dragnamen inspirieren ließ. Bittere Geschichte: Einer ihrer Lebensgefährten habe sich nach 17 Jahren von ihr aus einem seltsamen Grund getrennt: "Er wollte mich nie ungeschminkt sehen."

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Reiner Calmund will weiter abnehmen. null / screenshot ARD

Reiner Calmund, der Ex-Fußballmanager, hat sich einen Magen-Bypass legen lassen und so von 177 Kilogramm schon 36 verloren. Auf 100 Kilo will er noch runter bis Ende des Jahres.

Er könne aber schon jetzt mit seiner neunjährigen Adoptivtochter Federball im Garten spielen. "Vor drei Monaten hätte ich nach zehn Sekunden Schnappatmung bekommen."

Den Abschluss macht die Comedienne Helene Bochhorst. Ihr Programm "Die fabelhafte Welt der Therapie" dreht sich vor allem um private Probleme. "Recherche liegt mir offensichtlich nicht", sagt sie gut gelaunt. "Anscheinend sind Depressionen und mittelmäßiger Sex die Themen, mit denen ich mich auskenne." Auch heute sei sie noch in Therapie. "Man kann erfolgreich sein und trotzdem Baustellen haben", stellt sie klar.

Es gibt eben auch noch andere Probleme als Corona.

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