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AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel macht es Markus Lanz schwer, Antworten zu bekommen. bild: screenshot zdf

Markus Lanz grillt FDP-Mann – Alice Weidel macht es ihm schon schwerer

dirk krampitz

Eigentlich meiden Politiker aller übrigen Parteien penibel jegliche inhaltliche oder räumliche Nähe zur AfD. Die FDP wird da immer mehr zur Ausnahme. Im Februar 2020, kurz vor Corona, sorgte der FDP-Mann Thomas Kemmerich für ein politisches Erdbeben, als er sich mit den Stimmen von AfD und CDU zum Thüringischen Ministerpräsidenten wählen ließ. Der Protest war groß, der Schaden für die FDP ebenso. Kemmerich trat wieder ab.

Markus Lanz hat nun FDP-Generalsekretär Volker Wissing und AfD-Fraktionschefin Alice Weidel in seine Sendung geladen. Im Studio sitzen sie direkt nebeneinander, sprechen allerdings nur nacheinander. Aber über dieselben Themen mit ähnlichen Ansichten. Es geht natürlich um die Verfassungsbeschwerden beider Parteien gegen die Bundesnotbremse, über Corona, Bürgerrechte und rechte Bürger. Mit folgenden Gästen:

Für FDP-Generalsekretär Volker Wissing verstößt die Ausgangssperre in der Bundesnotbremse klar gegen das Grundgesetz.

"In einem Verfassungsstaat heiligt der Zweck nicht die Mittel. Es gilt auch in der Pandemie, dass das Grundgesetz eingehalten werden muss."

Volker Wissing

Die Ausgangssperre sei eine zu große Freiheitsbeschränkung. Es gebe intelligentere Maßnahmen, Tests zum Beispiel. "Testen ist fast eine Art Fetisch geworden. Sie erwecken manchmal fast den Eindruck, man könne das Virus wegtesten", stichelt Lanz. Aber Wissing lässt sich nicht beirren. Die Ausgangssperre sein eine "holzschnittartige Maßnahme" und unverhältnismäßig.

Aber das denkt Lanz offenbar auch von Wissings Auftritt. Denn dem Moderator platzt ein bisschen der Kragen und er schaltet in den Grill-Modus: "Das ist wahnsinnig durchschaubar, was Sie da machen. Ein Jahr lang hat man das alles nicht von ihnen gehört. Aber wenn Leute nachts nicht durch die Gegend laufen können, geht die Welt unter – das ist doch nicht ihr Ernst!", herrscht der Moderator seinen Gast an. Und als Vize-Ministerpräsident der Landesregierung von Rheinland-Pfalz habe Wissing doch den politischen Verlauf der Pandemie mitbestimmt. Es entspannt sich ein Dialog wie aus einer Slapstick-Komödie von Luis de Funès zwischen Wissing und Lanz: „Nein!“ „Doch!“ „Nein!“ Die FDP habe sich enthalten, sagt Wissing schließlich. "Bitte, Herr Lanz, Sie wissen, wie Regierungen funktionieren."

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FDP-Generalsekretär Volker Wissing ärgert sich über fehlenden Impfstoff. bild: screenshot zdf

Dann macht er den mangelnden Impfstoff für die aktuelle Situation verantwortlich. Und es wird deutlich, dass es einfacher ist, Kritik zu üben, als Lösungen anzubieten: Lanz versucht, Wissing festzunageln, ob er die europäische Bestellung des Impfstoffs für einen Fehler halte. Der eiert herum und sagt, dass die europäische Lösung zwar die beste Variante sei. Aber: "Die Bundeskanzlerin hat sich nicht in ausreichendem Maße um eine schnelle Bestellung von Impfstoff gekümmert."

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AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel findet Masken durchaus sinnvoll. bild: screenshot zdf

Wissing hat Lanz ziemlich mit Erfolg gegrillt. Mit Alice Weidel hat er Ähnliches vor. Am Anfang der Sendung hat er sie "herzlich willkommen" geheißen. Das sorgt – wie schon die Einladung an sich – auf Twitter für einen Zornessturm.

Wie auch die FDP haben einige Abgeordnete der AfD Verfassungsbeschwerde gegen die Bundesnotbremse eingereicht. Und auch die AfD hat keine Lust, den Unternehmen verpflichtende Corona-Tests aufzubürden. Weidel setzt, wie zuvor auch Wissing, auf Eigenverantwortung. Weil "den Bürgern, den Unternehmen, dem Mittelstand sowie schon viel zu viel zugemutet wird".

In der Pandemie war es politisch relativ still um die Partei. Wenn es Schlagzeilen gab, dann meist wegen Ablehnung von Masken oder Maßnahmen. Doch nun bekennt Alice Weidel auf Nachfrage von Lanz, dass die Maskenpflicht in geschlossenen Räumen "doch durchaus Sinn" mache. Nur draußen sei sie so sinnlos wie die Ausgangssperre. Zurückgehende Infektionszahlen in Gebieten mit Ausgangssperre, etwas in Hamburg, hält sie für eine "Scheinkorrelation". "Grundsätzlich haben wir ein Zahlen, Daten, Faktenproblem", sagt sie und kritisiert, dass es kaum Erkenntnisse über die Orte der Ansteckung gebe.

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Infektionsepidemiologe Timo Ulrichs denkt sich: "Na prost!" und hat passenderweise auch ein Bier neben sich stehen. bild: screenshot zdf

Infektionsepidemiologe Timo Ulrichs hat an diesem Abend die Rolle des wissenschaftlichen Sachverständigen. Mehrfach ruft ihn Markus Lanz an, wenn ihm im Gespräch Zweifel kommen. Und Ulrichs legt da im Dialog mit Alice Weidel auch keine falsche Verbindlichkeit an den Tag. Die AfD arbeitet mit "verzerrte Darstellung von Zusammenhängen". Er erklärt Alice Weidel nochmal in aller Ruhe den Inzidenzwert und die Auswirkung von Zahl der Infizierten auf Anzahl der ernsthaft Erkrankten. Außerdem stellt er klar, dass es bei der Ausgangssperre nicht darum gehe, dass sich niemand draußen ansteckt, sondern "dass die Leute, die rausgehen, woanders wieder reingehen". Also nachts Freunde treffen.

Aber auch FDP-Generalsekretär Volker Wissing kommt in Ulrichs trockener Betrachtung nicht viel besser weg wegen des Pandemie-Schlingerkurses. "Ich bin tief beeindruckt von beiden Parteivertretenr, wie sie so eine Volte hinbekommen." Im Klartext denkt er vermutlich: "Na prost!". Jedenfalls hat er, während alle anderen typisches Talkshowwasser trinken, als einziger ein Bier neben sich stehen in der Sendung.

Doch schöntrinken kann man sich das eigentlich nicht. Als Markus Lanz Weidel fragt, ob die AfD "der politische Arm" der Querdenker sei, lacht sie. "Das weise ich weit von mir."

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Ann-Katrin Müller sieht enge Verbindungen zwischen AfD und Querdenkern. bild: screenshot zdf

Ann-Katrin Müller, AfD-Spezialistin beim "Spiegel", sieht jedoch ein sehr enges Verhältnis. "Da wird nicht nur gefischt, da wird richtig geschmust." Und es sei "immer schon Strategie der AfD gewesen, Bewegung von der Straße mitzunehmen." Müller und Weidel liefern sich im Laufe der Sendung einige Wort-Scharmützel, die aber oft auch nur aus wechselseitigem "Darf ich mal ausreden" bestehen.

Weidel besteht jedenfalls darauf: "Wir haben als Fraktion und auch als Partei mit den Querdenkern gar nichts zu tun." Warum der AfD-Abgeordnete Karsten Hilse mit einem Querdenker-Shirt im Bundestag gesprochen hat? Und 40 AfD-Abgeordnete bei der Querdenker-Demo am Brandenburger Tor waren? Weidel hat eine ganz einfache Erklärung: "Wir haben einen Mandatsauftrag, den nehmen wir ernst und erkunden die Belange der Bürger." Die AfD-Abgeordneten also Volkes Stimme auf der Spur bei der Demo. Doch Lanz gibt nicht auf beim Erforschen der Haltung zu den Querdenkern. Er spielt ein Handy-Video ein aus Schmalkalden in Thüringen ein, wo jüngst Teilnehmer einer Corona-Demo Polizisten angegriffen haben. Nach einigen versuchten Ablenkungen sagt Weidel schließlich doch:

"Solche Wirrköpfe und Extremisten – das geht natürlich überhaupt nicht. So etwas ist nicht verteidigungsfähig, wenn man die Ordnungshüter angreift."

Alice Weidel

Und dann setzt sie nach: Aber eine Demokratie müsse auch Wirrköpfe aushalten. Und so ist es dann leider oft: Weidel legt sich nicht fest, flüchtet ins Juristische, Allgemeine oder Ironische. Aber man muss ihr auch zugestehen, dass es wirklich nicht leicht ist, den Kopf hinzuhalten für das Verhalten einiger AfD-Abgeordneter. Thomas Seitz zum Beispiel wurde zum Beispiel bekannt, als er mit der orangefarbenen Netzmaske in den Bundestag kam und danach an Corona erkrankte, wie auch einige Fraktionsmitglieder. Weidel sagt nach viel beharrlichem Hin und Her durch Lanz, sie habe damals gedacht: "Hoffentlich wurde niemand angesteckt – ich kann das nicht verstehen."

Als im August über die erste Neufassung des Infektionsschutzgesetzes abgestimmt wurde, hatte die AfD Gäste in den Bundestag eingeschleust, die dann in einer Störaktion zum Beispiel Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bedrängten. Wie sie das finde, will Lanz wissen. Erst einmal wendet sie sich gegen den Begriff "eingeschleust" und spricht davon, dass die Gäste "eingeladen" wurden. Über das Bedrängen von Peter Altmaier sagt sie schließlich kurz wegwischend: "Sowas geht doch gar nicht."

Für die Abgeordneten, die eingeladen hatten, gab es mehrere Wochen Redeverbot und Auftrittsverbot bei Bürgerdialogen. "Wir regeln sowas intern." Impfen lassen will sich Weidel möglicherweise. "Irgendwann denke ich darüber nach." Wichtig sei ihr aber die Freiwilligkeit. Aber es gebe ja eine "de facto Impfplicht". Als sie das zum zweiten Mal sagt, wird Lanz ganz fuchsig: Es gebe keine Impfplicht. "Es war eben schon falsch", korrigiert er sie. So entstünde das Narrativ vom bösen Staat, das müsse man korrigieren.

Zum Ende fragt Lanz sie noch zu ihren politischen Plänen. Und sie erklärt, nur wenige Sekunden vor Sendungsschluss, dass sie und Tino Chrupalla AfD-Spitzenkandidaten werden wollen. Lanz scheint nach einer ganzen Sendung mühevollen Nachbohrens und ausweichender Antworten überrascht angesichts einer so konkreten Aussagen und fragt nochmal nach. "Ja, werde ich wohl machen", sagt sie. Perplex verabschiedet sich Lanz so freundlich wie er sie begrüßt hat: "Frau Weidel, ich danke Ihnen sehr."

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