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Politikwissenschaftlerin Elvira Rosert will "kein rumdoktern mehr". bild: screenshot ard

"Hart aber fair": Politikwissenschaftlerin sieht schwarz für den Sommer

Launisch leitet Frank Plasberg seine Sendung ein: "April, April, war wohl nichts mit Lockerungen an Ostern. Aber Sarkasmus hilft nicht weiter."

Die Ministerpräsidenten haben mit der Kanzlerin schon seit Nachmittag über den weiteren Corona-Plan konferiert und tun das auch noch lange über Plasbergs Sendezeit hinaus. Völlig umsonst steht ARD-Reporterin Julie Kurz vor dem Kanzleramt und wird auch zweimal zugeschaltet. Sie sagt nur: "Wir wissen gar nicht, wie es weitergeht." Denn die große Runde der Ministerpräsidenten pausiert seit Stunden, diskutiert wird im kleinen Kreis. Und so spricht Frank Plasberg über das Thema "Der verschobene Frühling – dritter Lockdown statt weiter lockern?" mit folgenden Gästen:

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Karin Maag, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, findet die Impfquote nicht so schlecht. bild: screenshot ard

Es sei nicht leicht, Regierungsvertreter zu finden, die in die Sendung kommen wollen, stellt Frank Plasberg fest. Und so hat die Redaktion wohl eine Weile gesucht, bis sie Karin Maag, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, überreden konnte. Aber eigentlich hätte man sich diese Einladung auch sparen können. Maag kommt selten zu Wort und wenn, ist es wenig erhellend. "9 Prozent haben die erste Impfung, das ist doch schonmal ein guter Wert", beurteilt sie die deutsche Impfquote. Und die Reisewarnung für Mallorca aufzuheben sei "juristisch korrekt", aber nicht alles was, korrekt sei, sei auch angebracht und sinnvoll. Geschenkt.

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Volker Wissing schießt gegen die Bundesregierung. bild: screenshot ard

FDP-Generalsekretär Volker Wissing befindet sich schon voll im Wahlkampfmodus und schießt gegen die Bundesregierung. Die nächtlichen Ausgangssperren, die das Kanzleramt in seinem Beschlusspapier erwägt, seien "eine echte Zumutung". Er findet: "Sie gängeln Menschen, auch wo sie gar keinen Effekt haben." Er zum Beispiel wohne auf dem Land und treffe dort nachts auf der Straße niemanden. "Wir sind erwachsene Menschen in einem freien Land."

Dann rattert er die Regierungskritik rhetorisch nicht ungeschickt herunter: "Freiheitsbeschränkungen klappen, Masken bestellen nicht. Als Bürger keine Masken tragen: 50 Euro – als Gesundheitsminister keine Impfstoffe oder Tests besorgen: kein Problem." Falls man keinen Urlaub in einer Ferienwohnung machen dürfe: "Das ist doch ein Popanz" – ob man zu Hause oder in einer Ferienwohnung übernachte, mache doch keinen Unterschied. "Der Staat will hier alles an sich ziehen und verhebt sich im Detail."

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Elvira Rosert will die Inzidenz möglichst weit nach unten bringen. bild: screenshot ard

Auch wenn Politikwissenschaftlerin Elvira Rosert das sicherlich anders formulieren würde, sieht sie es ähnlich. "Ich wünsche mir eine echte Strategie, kein 'rumdoktern' mehr. Probleme klar benennen und nicht immer nur unrealistische Versprechungen." Als Mitautorin des NoCovid-Papiers will sie die Inzidenz möglichst weit senken, allerdings ist sie keine einseitige Lockdown-Befürworterin. Die Regierung solle auf die realen Bedürfnisse der Menschen achten: "Was braucht eigentlich die Bevölkerung, um diesen Lockdown durchzustehen? Und ich meine Ressourcen, nicht nur Durchhalteparolen." Denn die Corona-Ausnahmesituation, die nun schon ein Jahr andauert, wird ihrer Einschätzung nach auch noch eine Weile fortdauern.

"Wir reden hier nicht von drei Monaten, wir reden von 6 Monaten oder vielleicht von 12 Monaten oder Jahren."

Elvira Rosert

Letzteres aber nur, wenn sich impfresistente Varianten entwickeln. Doch für sie steht fest: "Dass wir ab Juni wieder einen Sommer wie im vergangenen Jahr haben, das wird nicht passieren." Plasberg reagiert etwas schnippisch. "Wie stellen Sie sich NoCovid vor? Wir schließen uns alle zwei Wochen ein und ernähren uns von Zimmerpflanzen?"

Aber die Politikwissenschaftlerin lässt sich nicht provozieren. "Niedrige Inzidenzen sind das Ziel. Aktuell haben wir die schlechteste aller Welten. Irgendwie mit dem Virus leben funktioniert nicht. Wir müssen dafür sorgen, dass dieser Lockdown der letzte ist."

Auch wenn sie der Talkmaster im Laufe der Sendung noch öfter unterbricht, platziert sie ihre Themen: Sie beobachte eine "unfassbare Leugnung, was in den Schulen passiert". Da gebe es viele Infektionen, eine Impfung für Kinder sei nicht in Sicht und Luftfilter, die Schulen aus Eigeninitiative angeschafft haben, dürften dann teilweise nicht eingesetzt werden. "Nicht nur ist der Staat selbst an Handlungsgrenzen geraten, er sabotiert auch noch die Akteure, die handeln wollen." Doch Plasberg hat daran leider wenig Interesse und bügelt sie immer wieder ab.

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Die Ärztin Sibylle Katzenstein setzt auf Impfungen, Masken und das Lüften. bild: screenshot ard

Die Berliner Allgemeinmedizinerin Sibylle Katzenstein ist das Gegenstück zur NoCovid-Vertreterin. "Auch wenn die Inzidenzen hoch sind, bedeutet das ja nicht das Ende der Welt", findet sie. Die Impfungen seien der "Silberstreif am Horizont". Man brauche auch andere Parameter als die Inzidenz zur Beurteilung der Lage. Nach der Impfung vieler Heimbewohner gelte: "Geschützt sind diejenigen, die sich nicht wehren konnten." Und der Rest könne sich ganz einfach selbst schützen: Drinnen FFP2-Maske tragen und lüften. Sie hätte in ihrer Berliner Praxis 2700 Covid-Patienten betreut und von ihren 15 Mitarbeitern habe sich dabei niemand angesteckt. "Eigenverantwortung an die Leute zurück geben" und bei den Impfungen an die Hausärzte einbinden – das ist ihr Wunsch: "Wenn man seine Patienten kennt, wird man schon dafür sorgen dass die Gefährdetsten zuerst geimpft werden. Das macht jeder Arzt."

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Journalist Georg Mascolo hofft auf Geschwindigkeit. bild: screenshot ard

Je mehr, Ärzte impfen, desto schneller geht es voran, das glaubt auch Journalist Georg Mascolo. "Das Problem ist, dass wir Geschwindigkeit nicht mehr können. In der Krise ist Geschwindigkeit aber die wichtigste Währung." Und so hofft er auf eine Rückkehr von alten Tugenden: "Was wir verloren haben ist manchmal ein Stück Pragmatismus und manchmal auch ein Stück gesunder Menschenverstand."

ARD schneidet Szenen mit Jan Josef Liefers aus "Tatort" – nun reagiert der WDR

Am Sonntag zeigte die ARD eine neue "Tatort"-Episode aus Münster. Wie immer mit von der Partie war auch Jan Josef Liefers als Gerichtsmediziner Prof. Boerne. Dass die ARD so kurz nach dem Eklat um die Aktion #allesdichtmachen, an der auch Jan Josef Liefers beteiligt war, ausgerechnet einen "Tatort" mit ihm zeigt, war vielleicht nicht die cleverste Idee. Auf Twitter häuften sich zumindest die Kommentare derer, die Filme mit Liefers nicht weiter unterstützen wollen.

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