Karl Lauterbach sorgt bei "Hart aber fair" für Klarheit bei der Verwirrung um Astrazeneca.
Karl Lauterbach sorgt bei "Hart aber fair" für Klarheit bei der Verwirrung um Astrazeneca.
bild: screenshot ard

Lauterbach bei "Hart aber fair": "Wenn Astra ausfiele, wäre das eine Katastrophe"

16.03.2021, 06:2516.03.2021, 08:34
Dirk krampitz

Nach anderen europäischen Ländern setzt nun auch Deutschland Corona-Impfungen mit Astrazeneca vorsorglich aus. Das teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag mit. Das Paul-Ehrlich-Institut hatte diesen Schritt empfohlen. Der Grund: Nach 1,6 Millionen Impfungen kam es bei sieben Fällen – sechs Frauen und einem Mann im Alter zwischen 24 und 58 Jahren – zu einer seltenen Thrombose in den Hirnvenen. Drei der Patienten sind gestorben. "Wie ein Nackenschlag" treffe das nun die Corona-Strategie, sagt Moderator Frank Plasberg. "Die Auswirkungen auf das ohnehin holprige Impfprogramm werden enorm sein", prognostiziert er.

Enorm war auch die Wirkung auf seine Sendung. Eigentlich sollte es im Nachgang der Landtagswahlen um "Wahlen in Zeiten von Corona: Wem vertrauen die Bürger?" gehen. Um 16 Uhr änderte die Redaktion das Thema, lud Gäste wie Paul Ziemiak (CDU) und Kevin Kühnert (SPD) wieder aus. Das Thema hieß nun "Stopp für Astrazeneca: Impfplan gescheitert?" und es diskutierten:

  • Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte
  • Ranga Yogeshwar, Wissenschafts-Journalist
  • Dr. Andreas Gassen, Orthopäde und Unfallchirurg sowie Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung
  • Robin Alexander, stellv. Chefredakteur "Welt" und "Welt am Sonntag“

Journalist Robin Alexander kritisiert das Aussetzen des Impfstoffs und das generelle Hin und Her, das es bisher schon um Astrazeneca gegeben hat: "Es ist eine fatale Entscheidung, weil sie die Kommunikation beschädigt. Bei den Leuten entsteht das Gefühl, die Politiker wissen selber nicht Bescheid. Politisch ist ein Grundvertrauen erschüttert worden."

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gibt zu, man könne "durchaus unterschiedlicher Meinung sein", aber auch für ihn stehe fest, dass er das Pausieren falsch findet: "Ich hätte es nicht getan." Natürlich müsse man den Impfstoff prüfen, aber man hätte durchaus weiterimpfen können. Das Risiko sei gering. So gut wie fest stehe für ihn aber auch, dass die Erkrankungen in Zusammenhang mit den Impfungen stehen. Normalerweise gebe es 50 solcher Fälle im Jahr in Deutschland, dass es nun 7 Fälle unter 1,6 Millionen Geimpften gebe, sei "überwältigend hoch".

"Die Wahrscheinlichkeit, dass es nichts mit dem Impfstoff zu tun hat, ist sehr gering."
Karl Lauterbach

Er hätte trotzdem weiter geimpft. "Weil der Nutzen im Vergleich zum Schaden wahrscheinlich gut vertretbar ist.“

Es ist ein hochemotionales Thema. "Unser Gästebuch ist explodiert", sagt Plasberg. Und so beantwortet Lauterbach einige der Zuschauerfragen aus dem Internet in der Sendung:

Wann treten welche Nebenwirkungen auf?

"Von sehr schnell nach der Impfung bis zu einer Woche. Kleine Punkte, Einblutungen, Hautveränderungen, starke Kopfschmerzen." Damit sollte man sofort zum Arzt gehen.

Gibt es eine Thrombose-Prophylaxe?

Lauterbach: "Gegen diese spezifische Komplikation kann man keine einsetzen."

Helfen Blutverdünner?

"Wahrscheinlich nicht."

Wer haftet?

"Der Impfstoff ist regulär zugelassen – da ist das Unternehmen in der Haftung."

Kann man sich jetzt trotzdem mit Astrazeneca impfen lassen?

Das wird wohl kein Arzt auf sich nehmen. Lauterbach: "Nein. Ein Arzt der sich jetzt über die Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts hinwegsetzt, geht ins Risiko."

Geht das: Die erste Dosis von Astrazeneca, die zweite von Biontech?

Eine große britische Studie untersuche gerade, ob das möglich sei, sagt Lauterbach. "Ergebnisse sind in wenigen Wochen zu erwarten, wahrscheinlich wird sie zeigen, dass auch Biontech funktioniert, aber das ist noch nicht sicher."

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) will am Donnerstag über weitere Schritte entscheiden, Lauterbach rechnet damit, dass der Impfstoff weiter eingesetzt wird und dass die Impfungen in einer Woche wieder anlaufen. Und wenn nicht? "Wenn Astra ausfiele, wäre das eine Katastrophe", sagt Lauterbach. "Wir gehen in eine fulminante dritte Welle hinein, die wir nicht bremsen können."

Jetzt schnell die Produktionskapazitäten anderer Impfstoffe zu erhöhen sei "leider unmöglich", das hätte man früher machen müssen. Umso wichtiger sei es, schon jetzt damit anzufangen für später, denn Lauterbach rechnet immer wieder mit nötigen Neu-Impfungen, ähnlich wie bei der Grippe. Die aktuellen Corona-Impfstoffe haben keine lange Wirksamkeit, zudem müssten sie auf Mutanten wie etwa die aus Südamerika angepasst werden. "Das wird so schnell gehen, bis wir vor der nächsten Impfung stehen."

"Impfung braucht Vertrauen"

Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar findet die Pause richtig.
Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar findet die Pause richtig.
bild: screenshot ard

Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar geht zwar auch davon aus, dass der Impfstoff von Astrazeneca wieder zum Einsatz kommt, aber im Gegensatz zu Lauterbach findet er den Impfstop sehr richtig. "Es ist ein kleines Risiko, aber weil es sich um eine Impfung handelt, muss man da nachfassen", sagt Yogeshwar. 50000 Leute weniger werden nun pro Tag geimpft, also 350000 pro Woche. "Langfristig ist das der korrekte Schritt. Die Impfung braucht Vertrauen."

Der Mediziner Andreas Gassen wurde schon mit Astrazeneca geimpft.
Der Mediziner Andreas Gassen wurde schon mit Astrazeneca geimpft.
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Andreas Gassen ist Orthopäde und Unfallchirurg sowie Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung. Auch er findet die Aussetzung richtig. Man wisse noch zu wenig. "Wir können nicht impfen, wissend, dass da ein Risiko ist. Man kriegt hier die Kurve nur mit Transparenz." Es sei auch nicht klar, ob die Erkrankungen am Impfstoff generell oder nur einer bestimmten Produktionscharge lägen. "Natürlich ist das ein Rückschritt und wird uns verlangsamen in der Impfkampagne." Allerdings nur erstmal. Auch er geht davon aus, dass der Impfstoff bald wieder freigegeben ist. Und durch den Einsatz von Hausärzten werde die Impfaktivität Geschwindigkeit aufnehmen, zumal diese entgegen bisheriger Angaben doch relativ einfach auch den Impfstoff von Biontech verimpfen könnten.

Als Arzt wurde er auch schon mit Astrazeneca geimpft und hat ihn "gut vertragen". Er ist sicher: "Ich werde mir auch die Zweitimpfung geben lassen." Journalist Robin Alexander ist besonders erpicht auf die Impfung. "Sie können mich rund um die Uhr anrufen und ich bin in 15 Minuten da", verspricht er. Aber auch der Rest der Runde würde sich sofort im Astrazeneca impfen lassen.

Seitenhieb für Spahn, Lob für Lauterbach

Am Ende der Sendung kann sich Moderator Plasberg einen Seitenhieb auf Gesundheitsminster Spahn nicht verkneifen: "Heute wollte kein CDU-Gesundheitspolitiker etwas sagen." Stattdessen hatte er aber das Pandemie-Maskottchen Karl Lauterbach im Studio, dem nach seinem Auftritt auf Twitter die Sympathien zuflogen wie sonst selten.

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