Jorge González fällt bei "Let's Dance" mit ausgefallenen Styles auf.
Jorge González fällt bei "Let's Dance" mit ausgefallenen Styles auf.
Bild: Getty Images Europe / Andreas Rentz
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"Ich akzeptiere die Meinung meiner Kollegen, ich habe aber meine eigene": "Let's Dance"-Juror Jorge González über seine einzigartige Rolle im deutschen TV

03.08.2021, 16:33

Jorge González ist nicht nur Model, Choreograf, "Let's Dance"-Juror und Laufstegcoach, sondern erweitert sein Portfolio auch seit einigen Jahren als Schauspieler. So auch bei "Eine ganz heiße Nummer 2.0" – die Fortsetzung der Filmkomödie ist eine ZDF-Kinoproduktion und lief im Rahmen des ZDF-Komödiensommers am 29. Juli im Fernsehen. Bis zum 5. August ist sie in der Mediathek des öffentlich-rechtlichen Senders zu finden.

Der Film spielt im erzkatholischen Marienzell – Maria, Lena und Waltraud versuchen darin, endlich High-Speed-Internet in ihr bayerisches Dorf zu holen und nehmen deswegen an einem Tanzwettbewerb teil. Wer könnte ihnen in der Vorbereitung besser zur Seite stehen als Jorge? Der gebürtige Kubaner spielt in "Eine ganz heiße Nummer 2.0" sich selbst.

Im Rahmen der TV-Ausstrahlung sprach González mit watson über seine Rolle im Film, seine künftigen Schauspielpläne und natürlich über seine Jurorenfunktion bei "Let's Dance". In der beliebten RTL-Show sind sein exzentrisches Styling und sein gebrochenes Deutsch oft Anhaltspunkt für Witze und Spott – ob das 2021, also in dem Jahr, in dem RTL familienfreundlicher und diverser werden will, noch angebracht ist und wie González damit umgeht, verrät er ebenfalls im Interview.

Waltraud (Gisela Schneeberger, r.), Maria (Bettina Mittendorfer, 2.v.l.) und Lena (Rosalie Thomass, l.) bereiten sich eifrig auf ihren großen Tanzauftritt vor und bekommen dabei Unterstützung von niemand Geringerem als dem Jurymitglied Jorge González (M.) persönlich.
Waltraud (Gisela Schneeberger, r.), Maria (Bettina Mittendorfer, 2.v.l.) und Lena (Rosalie Thomass, l.) bereiten sich eifrig auf ihren großen Tanzauftritt vor und bekommen dabei Unterstützung von niemand Geringerem als dem Jurymitglied Jorge González (M.) persönlich.
Bild: ZDF / Marc Reimann

Auch seine Karriereanfänge bei "Germany's next Topmodel" kommen zu Sprache. 2009 trat er die Nachfolge von Bruce Darnell als Laufstegcoach an und wechselte 2013 zu RTL. Schließlich hat der 53-Jährige sich bis jetzt eine einzigartige Rolle in der deutschen Fernsehlandschaft aufgebaut und formuliert für die Zukunft der Medienlandschaft ganz konkrete Wünsche.

watson: Den Frauen in "Eine ganz heiße Nummer 2.0" versuchst du das Tanzen beizubringen, doch das klappt nicht so gut. Bist du im echten Leben schon mal auf hoffnungslose Tanzfälle gestoßen, oder kann man jedem Tanzen beibringen?

Jorge González: Natürlich kann man jedem Tanzen beibringen! Jeder kann lernen, sich zu bewegen. Denn jeder Mensch hat ja auch eine gewisse Beweglichkeit. Manchmal dauert es etwas länger, aber jeder kann das schaffen.

Im Film haben die Frauen auch Ausspracheprobleme bei deinem Vornamen. Das gehört ja auch irgendwie seit Beginn deiner Karriere dazu. Würdest du dir wünschen, dass Menschen sich bei der Aussprache deines Namens mehr Mühe geben?

(lacht) Nein, dafür habe ich Verständnis. Das ist für mich kein Problem, ich lache darüber. Aber ich glaube, ich habe in Deutschland noch niemanden getroffen, der meinen Namen richtig aussprechen kann. Aber alle Interpretationen meines Namens sind lustig. Viele Leute sagen mir auch, dass sie mich nicht so gut verstehen und dann kann ich nur antworten: "Ich verstehe dich auch nicht so gut."

Siehst du deine Zukunft nun auch vermehrt in der Schauspielerei?

Ich stecke mich in keine Schublade. Schauspielerei ist auch etwas, das ich liebe. Ich hoffe, ich bekomme jetzt noch mehr Angebote, weil ich das so gerne mache. Alles, was ich tue, mache ich mit Leidenschaft.

Ich stelle es mir auch interessant vor, sich selbst zu spielen. Wie war die Arbeit am Set?

Ich hatte tolle Gespräche mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Die Schauspielerinnen waren auch alle so lieb. Die haben gemerkt, dass ich vorbereitet ans Set gekommen bin und Lust darauf gehabt habe. Es war so eine tolle Zusammenarbeit, sodass ich bis heute Kontakt zu einzelnen Personen vom Set habe. Da haben ganz tolle Frauen mitgemacht.

Könntest du dir auch ganz andere Rollen für dich in Zukunft vorstellen?

Genau das ist mein Ziel, dass ich einmal eine Rolle spielen kann, die die Leute nicht von mir erwarten würden.

Hast du da ein Genre im Auge?

Egal was, Hauptsache, ich kann mein Talent zeigen.

"Ich akzeptiere die Meinung meiner Kollegen, ich habe aber meine eigene."

Du giltst in Deutschland definitiv als jemand, der mit dem Tanzen verbunden ist, natürlich auch durch deinen Posten bei "Let's Dance" als Juror. Wie hast du die letzte Staffel wahrgenommen, hat der Richtige gewonnen?

Die letzte Staffel habe ich sehr genossen, es waren super Kandidaten dabei, wie zum Beispiel Rúrik. Es war eine sehr schöne Staffel und die Zuschauer scheinen das genauso gesehen zu haben, wir hatten eine super Quote.

Hast du dir von einem Kandidaten mehr erhofft?

Ja, ich dachte, Erol kommt mehr aus sich heraus. Er hatte so eine gute Aura und Haltung und er hätte mehr Gas geben können. Aber leider hat es nicht geklappt.

Wie in jeder Staffel gab es auch in dieser wieder viel Kritik an Joachim Llambi. Findest du ihn auch zu streng?

Na ja, wir sind sehr verschieden in der Jury und jeder hat seine Meinung. Und ich akzeptiere die Meinung meiner Kollegen, ich habe aber meine eigene. Die Show ist nicht geskriptet, das ist alles live und manchmal ist es daher sehr emotional. Und auch eine Meinung von Joachim Llambi muss man akzeptieren. Ich diskutiere manchmal mit ihm, weil wir nicht immer die gleiche Meinung haben, aber das ist auch gut so und gehört eben dazu.

Jorge González sitzt mit Motsi Mabuse und Joachim Llambi in der Jury von "Let's Dance".
Jorge González sitzt mit Motsi Mabuse und Joachim Llambi in der Jury von "Let's Dance".
Bild: Getty Images Europe / Pool

Du hast im vergangenen Jahr schon mal in einem Interview angedeutet, dass du gern nach Kuba zurückgehen würdest, vor allem wegen deiner Familie. Siehst du deine Zukunft weiterhin trotzdem bei RTL?

Ja, auf jeden Fall! Ich habe allerdings vor, in Kuba alt zu werden. Bis dahin ist aber noch genug Zeit, weiter mit RTL tolle Projekte umzusetzen.

"Wenn etwas nicht passt, muss man Veränderungen vornehmen – und zum Glück betrifft das nicht uns als Jury bei 'Let's Dance'."

Also müssen sich "Let's Dance"-Fans keine Sorgen machen, dass du demnächst nicht mehr dabei bist?

Überhaupt nicht. Ich kann mir selbst ein "Let's Dance" ohne mich momentan nicht vorstellen. (lacht)

Bei RTL tut sich eine Menge, es gab Kündigungen und Auswechselungen in diversen Sendungen und Jurys. Wie findest du das?

Frischer Wind ist nicht schlecht, würde ich sagen. Wenn etwas nicht passt, muss man Veränderungen vornehmen – und zum Glück betrifft das nicht uns als Jury bei "Let's Dance". Das erkläre ich mir so, dass sich bei uns Leute getroffen haben, die die gleiche Leidenschaft vor und hinter der Kamera haben. In anderen Formaten hat das vielleicht nicht so gut geklappt und dann muss man eben Veränderungen vornehmen.

"Ich mache mein Ding, aber ich weiß, dass das, was ich da darstelle und tue, over the top ist."

Bei euch stimmt die Chemie offensichtlich. Bei "Let's Dance" trägst du immer einzigartige Looks, Haare, Make-up, Kostüme sehen immer grandios aus. Daniel Hartwich und Llambi scherzen allerdings oft darüber. Findest du es zeitgemäß, dass sich über das Ausgefallene im Fernsehen lustig gemacht wird?

Ich ignoriere solche Sachen. Ich mache mein Ding, aber ich weiß, dass das, was ich da darstelle und tue, over the top ist. Ich bin damit ein Unikat, weltweit, nicht nur in Deutschland und das gehört einfach zu mir. Ich verwirkliche damit meinen Traum, ich bin echt, und was die anderen Leute denken oder sagen, interessiert mich überhaupt nicht.

Wie stimmst du deine Outfits für die Shows ab?

Mein bester Freund ist Designer und ihm vertraue ich total. Ich sage ihm nur eine Richtung, die ich mir wünsche und ich weiß, das, was er daraus macht, ist richtig und wird mir gefallen. Es ist ein richtiger Luxus, mit solchen Leuten zusammenzuarbeiten. Ich bespreche mit meinem Team dann meine Looks und ich fühle mich darin immer super wohl.

Wie viel Kontakt hast du mit der "Let's Dance"-Jury außerhalb der Staffeln?

Wir schreiben und kümmern uns umeinander. Mit Motsi habe ich eine sehr enge Beziehung. Wenn wir wegen Terminen und Events in einer Stadt sind, dann treffen wir uns eigentlich immer. Ich kenne sie schon so lange, wir machen auch Urlaub zusammen.

"Durch meinen jetzigen Job habe ich keinen Grund, die damalige Zeit zu vermissen."

Hast du auch mit Kandidaten und Tänzern Kontakt?

Die "Let's Dance"-Familie ist sehr groß. Natürlich geht jeder seiner Wege, nicht mit jedem kann man in Kontakt bleiben. Alle haben Familie und Jobs, aber wir probieren, so gut es geht in Kontakt zu bleiben.

Bei "Eine ganz heiße Nummer 2.0" bist du ja auch kurz als Laufstegtrainer zu sehen. Das erinnert mich natürlich gleich an die guten alten "GNTM"-Zeiten. Vermisst du die Zeit manchmal auch?

Nein, ich vermisse die Zeit nicht, aber ich denke gern daran zurück, wie schön die Zeit war. Ich bereue die Zeit nicht innerhalb meiner Karriere – es war immerhin der Beginn dieser. Vermissen ist einfach ein großes Wort mit einer großen Bedeutung. Durch meinen jetzigen Job habe ich keinen Grund, die damalige Zeit zu vermissen.

Ist das Kapitel für dich abgeschlossen?

Das ist abgeschlossen, aber man weiß nie, ob man sich nicht doch mal wiedersieht.

"Jetzt haben die Leute es langsam kapiert, jeder Mensch, egal, welche sexuelle Orientierung er hat, egal welchen Stil er mitbringt, ist einzigartig und auf seine Weise toll."

Diversity wird in der Jury und unter den Kandidatinnen bei "GNTM" immer wichtiger. Wie siehst du die Entwicklungen in der Show auf das Thema bezogen?

Das Thema ist sehr wichtig und ich finde es ganz toll, wenn es im TV einen Platz findet. Diversity begegnet jungen Leute heute auf vielen Plattformen, auch auf Social Media, und da ist es wichtig, dass sie anfangen, Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind. Mehr Solidarität, mehr Diversity – das ist richtig so, dass das auch im Fernsehen zu sehen ist heutzutage.

Jorge González beherrscht den Auftritt auf dem Laufsteg.
Jorge González beherrscht den Auftritt auf dem Laufsteg.
Bild: www.imago-images.de / eventpress/mp

Müsste es noch mehr Diversity im Fernsehen geben?

Oh ja. Jetzt haben die Leute es langsam kapiert, jeder Mensch, egal, welche sexuelle Orientierung er hat, egal welchen Stil er mitbringt, ist einzigartig und auf seine Weise toll. Die Menschen verstehen endlich: Liebe ist Liebe – egal in welcher Konstellation. Das zu akzeptieren, müssen wir auch unseren Kindern in der Schule beibringen.

"Ich wünsche mir, dass in der Fernsehlandschaft ein bisschen mehr menschliche, soziale Themen zur Sprache kommen."

Da ist "Let's Dance" ja auch ganz vorne mit dabei mit Männertanzpaaren und Transgender-Kandidaten. Hat die Show da eine Vorreiterrolle eingenommen?

Auf jeden Fall. Ich habe mich immer gefragt, warum wir noch keinen Diversitypreis gewonnen haben. Egal, ob Jury, Kandidaten oder Tänzer – wir sind Kosmopoliten. Wir haben alles: schwarz, weiß, gay. Wir haben alle möglichen Länder in der Show vertreten. Und das spiegelt die Welt wider, die Welt ist bunt.

Was wünschst du dir, was in Richtung Diversity passieren soll?

Ich wünsche mir, dass in der Fernsehlandschaft ein bisschen mehr menschliche, soziale Themen zur Sprache kommen. Vielleicht brauchen wir Shows, mit denen man Menschen informieren und motivieren kann. Man muss etwas Neues finden, wofür sich junge Leute auch interessieren und womit sie sich identifizieren.

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