Unterhaltung
Bild

Anne Will hielt in ihrer letzten Sendung nicht den geforderten Sicherheitsabstand zwischen ihren Studiogästen ein. Auch in der Show von ZDF-Kollege Markus Lanz gibt es spezielle neue Regeln. Bild: Screenshot ARD/ Getty Images/ Christian Augustin/ montage watson

Exklusiv

Corona-Krise: Sicherheitsabstand in den Talkshows – das sagen die TV-Sender

Weltweit haben sich inzwischen über 180.000 Menschen nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Auch in Deutschland nimmt die Ausbreitung rasant zu. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt regelmäßige Handhygiene – und einen Mindestabstand von ein bis zwei Metern zwischen Personen.

In der letzten Talkshow von Anne Will sorgte genau diese Empfehlung für Verwirrung. Ärztin Claudia Spies erklärte in der Sendung am Sonntagabend noch einmal die Verhaltensregeln, die Menschen am besten vor einer Infizierung mit dem Coronavirus schützen. Das Wichtigste sei dabei der geforderte Sicherheitsabstand zwischen Personen.

Bei Anne Wills Studiogästen stimmte der schon mal nicht. Als Spies dies anmerkte, erklärte die Talkmasterin lediglich: "Wir rücken auseinander."

Doch wie gehen in Zeiten der Corona-Krise andere Talkformate und Sender mit der Thematik um? Werden die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts eingehalten? Muss die Produktion Einschränkungen in Kauf nehmen? Watson hat mit den Verantwortlichen der großen Talkshows gesprochen.

Bild

"Anne Will": In der Ausgabe vom Sonntag hatten die Gäste zunächst nicht den nötigen Sicherheitsabstand eingehalten. Bild: Screenshot ARD

"Anne Will"

Die NDR-Redaktion ordnete gegenüber watson die Sitz-Debatte aus der vergangenen Sendung folgendermaßen ein:

"Die Ärztin Claudia Spies bezeichnete in unserer Sendung von 15. März einen Sicherheitsabstand von 2 Metern als optimal, um das Risiko einer Coronavirus-Übertragung zu minimieren. In derselben Sendung sprach der Infektiologe Alexander Kekulé von ein bis zwei Metern als ausreichendem Abstand (dies entspricht auch der Empfehlung des Robert-Koch-Institutes, die wir somit ohnehin in unserem Set einhalten).

Aus der in der Sendung entstandenen Situation habe man seine Schlüsse gezogen und werde die Gäste im Studio künftig anders platzieren. Die Sprecherin erklärt:

"Da in der Sendung darüber diskutiert wurde und wir uns in der Verantwortung sehen, uns gut sichtbar an diese Empfehlungen zu halten, haben wir uns entschlossen, das Studio umzubauen und den Abstand weiter zu vergrößern."

Durch die Baumaßnahmen müsse die Sendung die Gästeanzahl nicht zwangsweise verringern. Und weiter:

"Die Redaktion prüft dennoch genau, ob die Teilnahme eines Gastes im Studio zwingend erforderlich ist oder alternative technische Lösungen zur Verfügung stehen würden."

Darüber hinaus habe es schon immer Hygienevorschriften im Studio gegeben. "Auf die durch Covid-19 ausgelöste besondere Situation weisen wir bei unseren Sendungen schon seit Wochen sowohl Gäste als auch Kollegen schriftlich und verbal verstärkt hin", so die Pressesprecherin.

Zudem würde die ARD "Anne Will" bereits seit dem 15. März ohne Publikum senden – normalerweise sitzen 100 Menschen im Studio.

"Maischberger" und "Hart aber fair"

Bei den Talkshows "Maischberger" und "Hart aber fair", die in der ARD zu sehen sind, hat die Produktion die Sicherheitsabstände bereits deutlich vergrößert. Eine WDR-Sprecherin sagte watson: "Bei 'Hart aber fair' saßen am Hauptpanel, an dem normalerweise bis zu sechs Personen sitzen, nur drei Gäste. Drei weitere Gäste wurden ebenfalls mit deutlichem Sicherheitsabstand an anderer Stelle im Studio positioniert." Und weiter:

"Auch bei 'Maischberger – die Woche' wird das Studioset entsprechend angepasst. Eine Reduzierung der Gästezahl ist aus diesen Gründen nicht nötig."

Bild

Sandra Maischberger mit Studiogästen. Bild: imago images/ Revierfoto

Demnach hätten die Redaktionen bereits deutliche Veränderungen am Set vorgenommen. Weitere mögliche Änderungen werden derzeit diskutiert. Auch die Hygienevorschriften werden bei beiden Talkformaten nun angepasst:

"Mitarbeiter, die direkten Kontakt untereinander oder zu den Gästen nicht vermeiden können – zum Beispiel Maskenbildner und Tontechniker – tragen Schutzmasken der entsprechenden Schutzklassen und sind zudem angewiesen, im besonderen Maße auf Handhygiene zu achten."

"Riverboat"

Die nächste MDR-"Riverboat"-Sendung, die am 20. März ausgestrahlt wird, wurde bereits am 11. März aufgezeichnet. Aus diesem Grund werden TV-Zuschauer die Show auch noch mit Publikum sehen, teilte eine Sendersprecherin watson mit. Der Grund: Zu diesem Zeitpunkt hatte es noch keine Beschränkungen hinsichtlich Personenzahl im Studio oder gar einen Mindestabstand gegeben.

Bild

So eng sitzen die Gäste im "Riverboat"-Studio. Bild: imago images/ STAR-Media

Die Sprecherin gibt weiter an: "Ob und wie wir am 27. März eine Talkshow produzieren, wird gerade geprüft. Auf jeden Fall werden wir im Produktionsfall einen Mindestabstand von zwei Metern [zwischen den Gästen] einhalten."

Eine finale Entscheidung des MDR werde es je nach aktueller Lage geben. "Generell halten wir bei Studioproduktionen die Hygienevorschriften und Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts ein."

"Markus Lanz" und "Maybrit Illner"

Auch beim ZDF gelten ähnliche Regelungen. Ein Sendersprecher erklärte watson: "Bei unseren aktuell produzierten Talksendungen reduzieren wir die Anzahl der Gesprächsgäste so, dass der empfohlene Mindestabstand eingehalten werden kann." Und weiter:

"Der Studiobetrieb während der Aufzeichnung ist bei allen Produktionen personell auf das notwendige Minimum heruntergefahren."

Bild

Am Dienstagabend saßen die Gäste bei "Markus Lanz" sehr weit auseinander. Auch das Publikum fehlte. Bild: screenshot/zdf

Zudem würden die derzeit allgemein empfohlenen, erhöhten Hygienevorschriften sowohl im Studio als auch in den angrenzenden Bereichen gelten.

"3 nach 9"

Bild

Bei "3 nach 9" saßen die Gäste zuletzt dicht an dicht. bild: screenshot NDR

Die älteste deutsche Talkshow "3 nach 9" bewertet die Situation im TV-Studio aufgrund der neuen Lage ebenfalls wieder neu. Ein NDR-Sprecher sagte watson: "Angesichts der Corona-Krise sind wir gerade dabei, die '3 nach 9'-Sendung am 20. März neu auf- und zusammenzustellen."

Dabei spiele die Sicherheit der Gäste und der Kollegen die wichtigste Rolle. Die Talksendung finde nun ohne Publikum statt, der Abstand zwischen den Gästen und Moderatoren werde vergrößert und das Produktionspersonal werde auf ein Minimum reduziert. Mit seinen Entscheidungen orientiere sich der Sender an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der zuständigen Behörden.

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Juergen Tribull 19.03.2020 16:33
    Highlight Highlight Diese Talkrunden können abgeschafft werden. Dort will sich doch jeder profillieren. Dort wird über Themen geredet die wir ganze Woche in den Nachrichten gehört haben.
  • Herbert Jungermann 18.03.2020 17:38
    Highlight Highlight Ich weiß nicht, ob es notwendig ist, derart viele Talksendungen zu veranstalten. Denn egal welche Sendung, immer wieder werden gebetsmühlenartig die gleichen Argumente herunter geleiert. Meistens die gleichen Personen die gleichen Fragen und stupide antworten. Wenn man sich auf ein Thema festlegt und das durchgekaut wird in ein oder zwei Sendungen, so reicht das .

Amira spricht über Xavier Naidoo – Oliver Pocher unterbricht sie

Nachdem Rassismusvorwürfe gegen Xavier Naidoo laut geworden waren, hatte RTL den Sänger Anfang März mit sofortiger Wirkung von seinem "DSDS"-Juryjob entbunden. Kurz davor hatte Naidoo noch die schweren Anschuldigungen gegen ihn zurückgewiesen. Seine Aussagen seien absolut falsch interpretiert worden. Rassenhass und Fremdenfeindlichkeit seien ihm völlig fremd. Dabei ging es um ein Video, in dem er umstrittene Textzeilen singt. Dort heißt es in einer Zeile: "Ich habe fast alle Menschen lieb, …

Artikel lesen
Link zum Artikel