Daniel Hartwich und Victoria Swarovski dürfen bei "Let's Dance" nun wieder vor Publikum moderieren.
Daniel Hartwich und Victoria Swarovski dürfen bei "Let's Dance" nun wieder vor Publikum moderieren.
Bild: Getty Images Europe / Andreas Rentz
Exklusiv

Von RTL bis ARD: TV-Sender verraten, ob sie angesichts sinkender Corona-Zahlen wieder mit Publikum im Studio planen

31.05.2021, 05:0005.06.2021, 13:29

Das Finale von "Let's Dance" musste vergangenen Freitag ohne nennenswertes Studio-Publikum stattfinden, genau wie "Germany's next Topmodel" am Donnerstag davor. Auch bei "Anne Will" am Sonntagabend müssen die Gäste mittlerweile seit gut einem Jahr auf Szenenapplaus verzichten. Doch dank sinkender Inzidenz könnte sich das bald wieder ändern. RTL verkündete nun, dass sie in dieser Woche erstmals wieder Publikum in einer Live-Show zulassen werden. Die letzte "Let's Dance"-Folge in 2021, die Profi-Challenge, darf demnach mit Zuschauern stattfinden. Rund 150 Menschen sollen voraussichtlich im TV-Studio Platz nehmen.

Die Stars bei "Let's Dance" tanzen bald wieder vor Publikum
Die Stars bei "Let's Dance" tanzen bald wieder vor Publikum
Bild: RTL TVNow

Zuvor fand bereits der diesjährigen ESC mit Publikum statt. In der Ahoy-Arena in Rotterdam feuerten überraschend 3500 Zuschauer die Stars am 22. Mai an. Vor Ort herrschten hohe Sicherheits- und Hygienemaßnahmen. Alle Besucher mussten ein negatives Testergebnis vorzeigen und sich fünf Tage nach der Show erneut testen lassen. Das Gleiche galt für Mitarbeiter und Künstler, die sich nur in ihren Bereichen aufhalten durften.

Politiker und Epidemiologe Karl Lauterbrach kritisierte im Vorfeld den Feldversuch mit Publikum und sagte "ZDF heute": "Konzerte mit 3500 Zuschauern können wir uns noch nicht leisten, dafür ist es noch zu früh." Es würde "ein falsches Bild" davon zeichnen, wo man in der Pandemie aktuell stehe. Er wisse allerdings nicht, welche Rückschlüsse sich aus dem ESC darüber ergeben sollten, wie solche Events in Zukunft ablaufen könnten.

Doch wie planen die deutschen Talksendungen und Unterhaltungsshows angesichts weiterer Lockerungen und sinkender Inzidenz in naher Zukunft ihre Publikums-Politik? Watson hat bei den großen Sendern nachgefragt, ob sie tatsächlich wieder mit Zuschauern planen und wie sie derzeit mit den Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie im Studio umgehen.

RTL lässt Zuschauer in erster Live-Show zu

Steffen Hallaschka moderiert "Stern TV" vor leeren Sitzreihen.
Steffen Hallaschka moderiert "Stern TV" vor leeren Sitzreihen.
Bild: screenshot tvnow

Ob "Wer wird Millionär?", "5 gegen Jauch" oder "Stern TV": Die Sitzplätze im Studio blieben seit Ende Oktober 2020 in den RTL-Sendungen leer, "um Gäste, Mitwirkende und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen".

Eine Sprecherin der Mediengruppe RTL Deutschland teilte im Hinblick auf die Pläne und die aktuellen Schutzmaßnahmen noch Mitte Mai gegenüber watson mit, dass "alle Mitwirkenden der TV- und Liveshow-Produktionen und Inhouse-Drehs regelmäßig von medizinisch geschultem Personal via Schnelltest getestet" werden. "Es herrscht Maskenpflicht und die Hygiene- und Abstandsregeln werden eingehalten." Und weiter:

"Sobald die Inzidenzzahlen und die Richtlinien der Corona-Schutzverordnung der Bundes- und Landesregierungen es zulassen, freuen wir uns natürlich auch wieder Publikum bei unseren TV- und Liveshow-Produktionen begrüßen zu dürfen. Wann und in welchem Umfang dies der Fall sein wird, steht derzeit noch nicht fest."

Am Freitag kehrt nun also relativ spontan erstmals Publikum in eine Live-Show zurück. Das zeigt, wie schnell und flexibel die Sendungsmacher auf die sich ständig entwickelnde und neu zu bewertende Corona-Lage reagieren. RTL teilte dazu am Montag mit:

"Da die Inzidenz inzwischen zurück- und die Impfquote hochgeht, kann das Publikum – unter Einhaltung strenger Hygiene- und Abstandsregeln – nun ins Studio zurückkehren. Der Schutz der Gesundheit aller Beteiligten hat dabei nach wie vor höchste Priorität: Zugelassen werden deshalb nur Personen, die einen vollständigen Impfschutz, einen tagesaktuellen, negativen Antigen-Schnelltest (keinen Selbsttest) oder einen schriftlichen Genesungsnachweis vorlegen können. Darüber hinaus werden in Absprache mit dem jeweils zuständigen Gesundheitsamt Sicherheitskonzepte erstellt, die der aktuellen Situation ständig angepasst werden."

ARD plant keine Änderungen

Natürlich sind die Planungen der Sender auch immer vom Standort und den dort geltenden Corona-Verordnung abhängig. Deshalb können die Publikums-Überlegungen von Show zu Show und von Sender zu Sender variieren. So stellte ein ARD-Sendersprecher auf Nachfrage von watson im Mai zunächst klar, dass neben der Talkshow-Planung im Ersten auch im Show-Bereich generell nach wie vor die Corona-Vorsichtsmaßnahmen gelten. Er erklärt dazu:

"Aktuell planen wir keine Änderungen unserer pandemiebedingten Produktionsbedingungen bei den genannten Talks oder bei anderen Unterhaltungssendungen. Für die Sendungen 'Maischberger. Die Woche' und 'Hart aber fair' gibt es ein umfassendes Hygienekonzept, das u.a. Masken-, Distanz- und die bekannte Hygienepflicht vorsieht. Hinzu kommen verpflichtende Tests für Gäste und Teammitglieder. Die Hygienekonzepte werden in Abstimmung mit unserem Krisenstab laufend überprüft und angepasst."
Anne Will begrüßt ihre Gäste derzeit ohne Publikum.
Anne Will begrüßt ihre Gäste derzeit ohne Publikum.
Bild: imago images/Jürgen Heinrich

Und weiter: "Auch für die Sendung 'Anne Will' gibt es derzeit keine konkreten Pläne für Änderungen. Das gilt für alle Bereiche – Publikum, Hygienevorschriften sowie Gästeanzahl."

"Gefragt – Gejagt" hält an Konzept fest

Wann die Show "Gefragt – Gejagt" wieder mit Publikum starten kann, hängt dem Sender zufolge von der Regierung ab: "Das ist eine Entscheidung, die die jeweilige Landespolitik treffen muss. Darauf haben wir keinen Einfluss." Diesbezüglich gebe es noch keine konkreten Pläne. "Das Hygienekonzept für die Produktion von 'Gefragt – Gejagt' wird nach wie vor strikt eingehalten. Lockerungen gibt es (noch) nicht", so ein Sprecher gegenüber watson. In naher Zukunft die Gästeanzahl zu erhöhen beziehungsweise mögliche Baumaßnahmen rückgängig zu machen, sei ebenfalls nicht geplant:

"Auch hier gelten die politischen Vorgaben. Noch sind keine Änderungen geplant."

Zudem seien keine strategischen Änderungen angedacht.

"Riverboat" hofft, im August wieder mit Publikum starten zu können

Die MDR-Sendung "Riverboat" zeigt sich da schon optimistischer, was Publikum im Studio betrifft. Eine Sendersprecherin sagt watson: "Wir hoffen – ebenso wie viele Zuschauerinnen und Zuschauer – sehr bald! Wir verfolgen allwöchentlich das Pandemiegeschehen im Sendegebiet auch unter diesem Aspekt und würden uns wünschen, nach der Sommerpause am 27. August 2021 wieder Publikum im Leipziger 'Riverboat'-Studio begrüßen zu können. Das ist derzeit aber wie gesagt erstmal nur ein Wunsch." Vor der Pause wird sich allerdings laut Sendersprecherin trotz der sich entspannenden Lage nichts mehr ändern.

So eng saßen die Gäste noch Anfang vergangenen Jahres zusammen.
So eng saßen die Gäste noch Anfang vergangenen Jahres zusammen.
Bild: imago images/ STAR-Media

Die Hygienevorschriften im Studio sehen übrigens folgendermaßen aus: "In enger Abstimmung mit dem Corona-Stab des MDR prüfen wir monatlich unsere Konzepte und dabei halten wir uns an alle geltenden Vorschriften in Sachsen. Alle Mitwirkenden an der Talkshow 'Riverboat' werden am Sendetag getestet. Nur mit Negativtest kommt man in den Studiobereich. Alle Mitarbeitenden tragen (sofern sie nicht im On moderieren/talken) eine (FFP2-)Maske."

Baumaßnahmen seien im Studio aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht unternommen worden und auch die Zahl der Gäste habe sich nicht verändert.

"3 nach 9" will Optionen bei Möglichkeit prüfen

Die Senderverantwortlichen der ältesten deutschen Talkshow "3 nach 9" sind ebenfalls noch sehr vorsichtig, was die künftige Planung angeht. "Sobald größere Veranstaltungen auch im Innenbereich wieder erlaubt werden, werden wir die Optionen prüfen, die wir haben", so eine Sprecherin von Radio Bremen. Konkrete Pläne gebe es dafür allerdings noch nicht. Auch hier haben die Hygienevorschriften oberste Priorität:

"Abstand halten, Hände waschen, Maskenpflicht (FFP2). Wir arbeiten in A- und B-Team-Regelung (Produktionspersonal von '3 nach 9' getrennt von Produktionspersonal anderer Formate wie z.B. 'buten un binnen'). Wir versuchen, externe Personen so weit wie möglich zu reduzieren. Wenn deren Einsatz notwendig ist, müssen diese Personen sich vor Ort von einer medizinischen Fachkraft einem Schnelltest unterziehen. Darüber hinaus lassen wir zurzeit keine externen Fotografen oder Autogrammjäger zu. Gäste werden von einer medizinischen Fachkraft vor der Sendung mit einem Schnelltest getestet. Sängerinnen und Sänger, die auf der Bühne agieren, müssen einen negativen PCR-Test mitbringen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf."
Bei "3 nach 9" gab es vor der Pandemie ebenfalls noch Publikum im Studio.
Bei "3 nach 9" gab es vor der Pandemie ebenfalls noch Publikum im Studio.
Bild: screenshot ndr

Und weiter: "Überhaupt haben wir erstmalig eine Gesangseinlage, seit März 2020, jetzt am 18. Mai zugelassen, da die Testmöglichkeiten und Gefährdungsbeurteilung, nach Vergrößerung des Studios, dies ermöglicht hat. Wir haben bei jeder Sendung permanent eine Hygienebeauftragte am Set, die Masken ausgibt, die Tests überprüft und darauf achtet, dass Abstände eingehalten werden und nicht zu viele Menschen auf engem Raum zusammen sind. Lockerungen sind uns vonseiten der gefährdungsbeurteilenden Behörden derzeit nicht kommuniziert."

Momentan lassen sie Zuschauer nicht zu. Die Sprecherin sagt abschließend: "Die Anzahl der Talkgäste wird nicht in absehbarer Zeit erhöht werden. Der pandemisch bedingte Studioaufbau konnte in erster Linie durch andere Möbel und große Abstände erreicht werden. Grundsätzliche bauliche Maßnahmen waren insofern nicht notwendig." Generelle strategische Änderungen seien darüber hinaus nicht geplant.

ZDF setzt auf Beobachtung der aktuellen Lage

Ob "Markus Lanz", "Maybrit Illner", "Die Anstalt", "heute-show" oder "Da kommst du nie drauf": Die Liste der Talk-Formate und Unterhaltungsshows ist im ZDF lang. Doch auch hier können die Fans vorerst nur im TV anstatt live vor Ort die Sendungen verfolgen.

Ein Sendersprecher teilt watson mit: "Weiterhin werden bei allen Produktionen, die am jeweiligen Produktionsort gültigen Hygiene- und Abstandsbestimmungen eingehalten. Die Sicherheitsvorkehrungen entsprechen den jeweils aktuellen Empfehlungen zum Umgang mit dem Coronavirus. Das ZDF beobachtet die aktuelle Lage und die gesetzlichen Bestimmungen; die weitere Entwicklung ist derzeit nicht absehbar, konkrete Pläne für Studiopublikum gibt es keine."

Markus Lanz unterhält sich mit seinen Gästen mit ausreichend Abstand.
Markus Lanz unterhält sich mit seinen Gästen mit ausreichend Abstand.
Bild: imago images/teutopress

Wenn es nach Talkshow-Host Markus Lanz geht, würde er das Publikum auch dauerhaft aus seinem Studio verbannen. Im Interview mit dem "Journalist" sagte er jetzt: "Die Stille im Studio hat die Sendung intensiver gemacht." Das habe dabei geholfen, "eine Instanz zu werden". Ob sein Vorstoß letztendlich umgesetzt wird, ist allerdings nicht klar. Der Sender sagt nun watson über die aktuelle Lage:

"Das ZDF beobachtet weiterhin die aktuelle Lage und die gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich der Corona-Pandemie. Unter Einhaltung der geltenden Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen wird ab kommenden Sonntag, 6. Juni 2021, im 'ZDF-Fernsehgarten' wieder eine geringe Anzahl an Gästen vor Ort sein können. Die Entscheidung, wann 'Markus Lanz' wieder mit Studiopublikum produziert werden wird, ist noch nicht gefallen. Das Gleiche gilt für die Sendungen 'Maybrit Illner' (letzte Sendung vor der Sommerpause am 15. Juli), 'Die Anstalt' (letzte Sendung vor der Sommerpause 20. Juli), 'heute-show' (letzte Studiosendung vor der Sommerpause 4. Juni)."

ProSieben hält an bisherigen Maßnahmen fest

Bei ProSieben fand vergangene Woche das große Finale von "Germany's next Topmodel" statt. So wie im vergangenen Jahr gab es kein Publikum im Studio. Genauso sah es jüngst beim "Free ESC" aus. Die Show von Stefan Raab wurde aus der Lanxess-Arena in Köln gesendet. Die 18.000 Sitzplätze blieben aufgrund von Corona leer. Auch Joko und Klaas wurden bei ihrem Duell gegen ProSieben zuletzt nicht im TV-Studio von Zuschauern angefeuert.

Der Sendersprecher erklärt gegenüber watson: "ProSieben und Sat.1 verfolgen die Entwicklung der Pandemie und die gesetzlichen Vorgaben für Hygienekonzepte sehr genau. Wir freuen uns sehr, wenn wir wieder Publikum zu unseren Shows einladen können. Wann das ist, werden wir rechtzeitig bekannt geben." Derzeit (Stand: 2. Juni) ist es allerdings noch nicht der Fall. Bis dahin müssen die Zuschauer ihre Lieblingsshows weiter von zu Hause aus verfolgen.

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