Rapper Nimo feierte 2016 seinen musikalischen Durchbruch.
Rapper Nimo feierte 2016 seinen musikalischen Durchbruch. Bild: Screenshot / Instagram / nimo

"Wusste, dass ich anders bin und anders denke": Rapper Nimo mit überraschendem Geständnis

07.12.2021, 11:48

Offene Worte von Nimo in der Youtube-Kochsendung "BeastKitchen" von Youtuber Sharo45. 2021 machte der Rapper zunächst negative Schlagzeilen. Während sich Mitte des Jahres immer mehr Frauen über ihre Erfahrungen mit Sexismus in der Deutschrap-Szene auf Social Media unter dem Hashtag "deutschrapmetoo" zu Wort meldeten, erschien Nimos Song "Komm mit", in dem es mit vulgärer Sprache um den gewaltvollen, sexuellen Umgang mit Frauen geht.

Kurz nach dem Release wurde der Song wieder von allen Plattformen gelöscht, Nimo entschuldigte sich bei seiner Fangemeinde. Der 25-Jährige brachte seitdem neue Musik heraus, in der es unter anderem wieder mit harter Sprache und Disses weitergeht. Dass der Künstler aber durchaus auch sein Handeln und sein Leben reflektiert, stellte er nun in "BeastKitchen" deutlich klar.

In der Show ging es auch um seinen jahrelangen Drogenkonsum und darum, wie seine Partnerin ihn aus diesen Phasen des Exzesses herausholen konnte. Und noch ein weiterer Aspekt hat Nimo geholfen, über seine Vergangenheit noch einmal genauer nachzudenken: Im Gespräch mit einem Rap-Produzenten erkannte er erst kürzlich, dass er Autist ist.

Nimo spricht zum ersten Mal über Autismus

Mit Sharo45 sprach der gebürtige Karlsruher mit iranischer Abstammung über persönliche Probleme und das prekäre Umfeld, in dem er aufgewachsen ist. Bereits mit 17 Jahren saß er im Jugendgefängnis und wurde nur vorzeitig entlassen, weil er sich um einen Realschul-Abschluss bemüht hatte.

Nach der Schulzeit kam bald darauf der Durchbruch als Rapper, aber auch der Drogenkonsum stieg mit wachsendem Erfolg: "Die wichtigste Zeit meiner Karriere war ich benebelt. Durch dieses Benebelt-Sein kam auch die Vernachlässigung." Marihuana, Kokain und Alkohol habe er regelmäßig konsumiert und irgendwann erkannt, dass er abhängig gewesen ist. "Ich war ein kleiner, verantwortungsloser Junkie", erklärte er, mittlerweile wolle er clean sein, habe 30 Kilo abgenommen und sich mithilfe seiner Frau von harten Drogen losgesagt.

Als er Jahre später den Produzenten Palace kennengelernt hatte, habe Nimo aber noch eine andere wichtige Erkenntnis erlangt, nämlich seine Autismus-Diagnose. Dazu sagte er offen: "Diese Begegnung war wirklich ausschlaggebend für mein Leben. Nach dieser Begegnung habe ich das erste Mal verstanden, warum ich bin, wie ich bin, warum ich denke, wie ich denke." Anschließend zog er im Gespräch eine Parallele aus seiner Diagnose und seinem exzessiven Drogenkonsum:

"Der extreme Konsum – egal welcher Konsum es ist – der extreme, es hat einen Background. Es hat einen Background, den ich vorher nicht kannte. Ich habe eine Sache, die viele Menschen da draußen haben – die es aber gar nicht wissen, so wie ich es nicht wusste. Die ein großer Grund ist, weshalb ich mich in Drogen so stark verloren habe und gleichzeitig auch so wohlgefühlt habe."

Weiterhin gestand er erstmals öffentlich: "Ich bin Autist – und wusste es mein Leben lang nicht. Ich wusste, dass ich anders bin und anders denke. Aber ich hätte mir niemals im Leben gedacht, dass ich Autist bin."

Unter Autisten verstand er, wie viele andere Menschen wahrscheinlich auch, extrem zurückgezogene Menschen mit Inselbegabung. Im Austausch mit Palace habe der Rapper aber verstanden, dass es verschiedene Spektren gibt und dadurch verschiedene Ausprägungen von Autismus.

Autismus-Erkenntnis habe Nimos Weltbild verändert

Über die Begegnung mit Palace und den Moment der persönlichen Erkenntnis führte er genauer aus: "Ich habe Palace kennengelernt und ich war wirklich down. Es war eine Zeit, wo es mir gar nicht gutging. Du bist down, du bist traurig und du siehst nur das Schlechte im Guten."

Er habe im Studio nicht viel geredet und kaum Emotionen gezeigt, woraufhin der Produzent ihn bei einer Zigarette konfrontierte und ihn gefragt habe, ob er auf eine spezielle Weise fühle und denke. Nimo daraufhin:

"Es war das erste Mal in 25 Jahren, dass ich mich verstanden gefühlt habe. Immer wieder, mit meinen Liebsten, mit meinen Engsten, musste ich diesen einen Satz sagen: Du verstehst mich nicht."

Er habe gesehen, dass sein Gegenüber nicht nur seine Gedanken, sondern auch seine Emotionen verstanden hat. Palace habe mit verschiedenen Autisten bereits zusammengearbeitet und konnte ihm so den Spiegel vorhalten. "Wir Autisten haben eine gewisse Connection", schilderte Nimo schließlich bei "BeastKitchen". Er habe seine Gefühle immer extrem wahrgenommen, aber sie nie ausdrücken können. "Wenn jemand vor mir weint, sterbe ich innerlich, aber ich kann keine Gefühle zeigen." Abschließend ergänzte Nimo: "Seitdem ich das weiß, sehe ich die Welt anders." Unklar ist allerdings, ob sich Nimo die Diagnose auch medizinisch bestätigen ließ.

(cfl)

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