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Hundeprofi Martin Rütter verrät: Dieser Irrglaube über Hunde hält sich bis heute

Martin Rütter mit seinen Tipps vom Hundeprofi beim Sommer Open Air Picknickdecken Auftritt im Steigerwaldstadion. Erfurt, 05.08.2020 *** Martin Rütter with his tips from the dog professional at the su ...
Martin Rütter erklärt seit 2008 in seiner Vox-Sendung "Der Hundeprofi", wie Hundeerziehung wirklich funktioniert.Bild: imago images / Future Image / xKremer
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Hundeprofi Martin Rütter verrät: Dieser Irrglaube hält sich bis heute bei Hundehaltern

03.12.2023, 15:0905.12.2023, 12:49
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Er ist seit fast 30 Jahren als Hundetrainer im TV zu sehen, hat 1,5 Millionen Bücher verkauft. Martin Rütter ist so bekannt, dass es sogar ein eigenes Monopoly-Spiel von ihm zu kaufen gibt. Aktuell geht er in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Tournee.

Was er sagt, darauf hören die meisten Hundebesitzer:innen gerne. Im Interview mit watson räumt der Hundeprofi mit einem weit verbreiteten Irrglauben auf und gibt jungen Menschen Tipps, die sich einen Hund zulegen möchten.

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watson: Martin, in Deutschland gibt es 12 Millionen Hunde als Haustiere. Dein Thema könnte kaum normaler sein. Aber du füllst Arenen wie ein Popstar. Wie ist das möglich?

Martin Rütter: Ich glaube, genau dadurch ist es überhaupt möglich. Als ich vor 30 Jahren angefangen habe, habe ich Hundetraining auf den Kopf gestellt. Damals gab es auf dem Schäferhund-Platz vielleicht einen Bekloppten, der rumgeschrien hat und seinen Hund in einen Ärmel beißen ließ. Aber es gab im Park niemanden, der mit seinem Hund trainiert hat. Heute ist das komplett anders, die Leute schmeißen Spielzeug.

Verstehe.

Und mit dem TV war es das Gleiche: Als ich 1995 mit ersten TV-Auftritten anfing, gab es noch keine Coaching-Formate. Es gab noch keine Supernanny und auch niemanden, der dir erklärt, wie du mit deinem Haustier umgehen kannst.

"Der Hundeprofi" war neu. Reicht das schon?

Dazu kam, dass ich das ohne Allüren, ohne großes Klimbim gemacht habe. Es ist wirklich nicht kokettiert, ich führe aus vollster Überzeugung ein stinknormales Leben. Es sind noch die gleichen Kumpels wie früher, ich habe nicht schon 35 junge Models verschlissen und es gibt auch keine Rote-Teppich-Geschichten. Ich bin das einfach nicht. Ich habe gar kein Zeug dazu, ein Star zu sein. Und ich glaube, genau das ist ein Teil des Erfolgs. Die Leute sehen mich gerne im TV, weil ich stinknormal bin.

"Ich glaube, dass jeder, wirklich jeder da etwas verarbeitet oder kompensiert, was er woanders nicht bekommen hat. Bühne ist immer auch eine Therapie."

Du sagst, du hast nicht das Zeug, ein Star zu sein. Das sehen viele ganz anders.

Aber ich empfinde mich nicht als Star. Ich erlebe natürlich, wie Menschen mit mir umgehen. Dass sie aufgeregt sind oder zittrig werden, wenn sie ein Foto mit mir machen. Aber das ist ein kurzer Moment und dann geht es weiter. Wenn ich in Hallen komme, in denen ich auftreten soll, dann finde ich das völlig skurril.

  • Martin Rütter auf Tour: Für seine Auftritte im Jahr 2024 gibt es hier Tickets.

Würdest du über dich selbst sagen, du bist eine Rampensau?

Ja, das war ich immer. Wenn man auf eine Bühne geht, muss man in gewisser Weise auch eine Schraube locker haben. Ich glaube, dass jeder, wirklich jeder da etwas verarbeitet oder kompensiert, was er woanders nicht bekommen hat. Bühne ist immer auch eine Therapie. Ich habe mit vielen Künstlern drüber geredet. Es gibt nicht einen, der das infrage stellen würde.

MDR - Riverboat. Hundetrainer Martin Rütter anläßlich der Aufzeichnung der MDR - Talkshow Riverboat am 17.11.2023 in der Mediacity Leipzig. 20231117SFL0007 *** MDR Riverboat dog trainer Martin Rütter  ...
Martin Rütter ist mit "Der Hundeprofi" seit 2008 im TV zu sehen.Bild: imago images / STAR-MEDIA

Du hast in Interviews erzählt, dass deine Kindheit nicht leicht war, weil deine Eltern sich nicht immer um dich gekümmert haben.

Ich habe von meinen Eltern erziehungstechnisch leider gar keine Regeln gelernt. Ich konnte machen, was ich wollte.

Ist es wahr, dass du als Kind und Jugendlicher verhaltensauffällig gewesen bist?

Ich war als Schüler nicht verhaltensauffällig im Sinne von laut oder aggressiv. Ich habe nie Kloppereien auf dem Schulhof gehabt oder Lehrer beschimpft. Ich fand Schule einfach langweilig. Ich bin tatsächlich zweimal sitzen geblieben und viermal von der Schule geschickt worden – aber immer wegen derselben Thematik: weil ich mich einfach nicht an Regeln halten konnte. Ich war immer zu spät, Hausaufgaben waren mir egal. Im Nachhinein muss ich sagen, das ist total dumm. Das würde ich nicht noch einmal so machen und kann das auch niemandem empfehlen.

Inwiefern kann ein Hund die Entwicklung von jungen Menschen positiv beeinflussen?

Eigentlich immer. Man darf nur nicht so naiv sein, zu glauben, dass sie die Verantwortung für einen Hund übernehmen. Du kannst nicht bei einer Zwölfjährigen erwarten, auch wenn sie es dir hoch und heilig verspricht, dass sie regelmäßig mit einem Hund Gassi geht. Das kann aus meiner Sicht eine Pubertierende nicht leisten. Aber ein Hund kann für sie ein sehr guter Ansprechpartner sein.

Hast du ein Beispiel?

Meine Tochter ist inzwischen 16. Eigentlich kommen wir super miteinander klar. Aber natürlich ist auch Papa mal doof oder die ganze Welt ist doof. Und dann ist ihr Hund Luna für sie immer ein wichtiger Anker.

Was sind die drei wichtigsten Tipps für junge Menschen, wenn sie sich einen Hund zulegen wollen?

Der wichtigste Punkt ist, sich ehrlich zu fragen, ob man genug Zeit hat für einen Hund. Realistisch wirst du ja nie wieder so viel Zeit haben wie im Studium. Das ist eigentlich eine sehr gute Zeit, um sich einen Hund anzuschaffen. Vielleicht fällt hier und da mal eine Party etwas weniger intensiv aus. Aber das ist schon möglich.

Als ich studiert habe, hatte ich Zeit, aber wenig Platz. Ist das kein Problem?

Das ist ein Irrglaube. Die Größe einer Wohnung spielt gar keine Rolle. Wenn ein Hund draußen aktiv ist, was macht dann ein Hund zu Hause noch? Er liegt rum. Im Studentenwohnheim habe ich mit zwei Hunden und einem Kumpel gewohnt, auf 16 Quadratmetern. Das war vielleicht ein Geruchsproblem. Aber ansonsten ging das gut.

Was ist Punkt zwei?

Eine gute Beratung – und zwar vor dem Kauf des Hundes. Geh zu einer Hundeschule und beschreib ehrlich, was du brauchst. Soll dein Hund verschmust sein? Oder aktiv? Einfach aufschreiben. Damit kann ein Trainer dich dann beraten, welche Hunderasse passen könnte. Und Punkt drei ist: Im ersten Jahr sollte der Fokus auf Erziehung liegen. Was du da an Grundlagen legst, ist so wichtig. Wenn das klappt, hast du danach Ruhe.

Kannst du empfehlen, einen Hund aus dem Tierheim zu holen?

Davor haben die Leute immer Sorge. Aber das Tierheim ist voll mit super Hunden. Klar gibt es da auch problematische. Aber auch richtig viele tolle.

Erziehst du mehr den Menschen oder den Hund?

Ich erziehe nur den Menschen, nie den Hund. Wir haben so 600 Bewerbungen im Jahr für unsere Ausbildung zum Hundetrainer. Davon starten 400 mit „Die Menschen haben mich immer enttäuscht“. Da lese ich nicht weiter. Wenn jemand mit Menschen abgeschlossen hat, ist das ein Fall für den Therapeuten – aber niemand, der geeignet wäre als Hundetrainer. Wir müssen total menschenzugewandt arbeiten, geduldig sein. Sonst funktioniert es nicht.

Du hast in "VIP Hundeprofi" mit vielen Promis gearbeitet. Welcher Promi war besonders schwer zu erziehen?

In der ersten Staffel haben sich so fünf, sechs Promis beworben, die gar nicht verstanden haben, worum es ging. Die haben gedacht, das ist irgendein Promi-Format, in dem sie ihre Platte promoten können. Da kam es dann zum Culture-Clash, als sie gemerkt haben, ich meine es wirklich ernst – und die dachten, wir tun nur so als ob. Aber ich bin beim Fernsehen überhaupt nicht kompromissbereit, wenn es ums Faken geht. Ich habe noch nie irgendwas inszeniert.

Hast du ein Beispiel?

Ein ganz krasser Fall war Ross Anthony. Wir sind da sehr aneinander geraten, weil der die Hunde wahnsinnig gemacht hat. Deswegen wollte ich, dass er erst mal sechs Wochen gar nichts mit ihnen macht. Da war er angefressen. Er hat auch in einem Interview mal gesagt, er würde nie wieder mitmachen in meiner Sendung. Dabei mögen wir uns eigentlich wirklich.

Wen gab es noch?

Martin Semmelrogge. Es fing damit an, dass ich wie verabredet um 10 Uhr morgens zu seinem Haus auf Mallorca kam und niemand war da. Es machte einfach keiner auf. Das Management wusste auch nichts. Und irgendwann um 13 Uhr ging dann die Dachluke auf, wo er rausgeguckt hat und gefragt hat: Seid ihr schon da, oder was? Der Hund heißt übrigens Crazy. Und Crazy geht mit jedem gerne spazieren, nur nicht mit Martin Semmelrogge. Er bringt sich vor seinem eigenen Herrchen quasi in Sicherheit.

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