Sabine Heinrich

Sabine Heinrich moderiert eine Quizsendung im ZDF. Bild: ZDF / Kai Oberhäuser

Neue ZDF-Moderatorin Sabine Heinrich plädiert für mehr Diversität im TV: "Diverser ist für mich nicht nur Mann und Frau"

Quizsendungen sind noch immer fest in männlicher Hand. Sei es Günther Jauch bei "Wer wird Millionär?", "Gefragt – Gejagt" mit Alexander Bommes oder "Der Quiz-Champion" mit Johannes B. Kerner – Frauen sucht man in der Moderation einer solchen Sendung vergeblich. Jetzt ändert sich das allerdings. Das ZDF holt mit Sabine Heinrich eine neue Frau in die Primetime.

Am 7. August ist sie erstmals in der 20.15-Uhr-Show "Das große Deutschland-Quiz" beim Sender zu sehen. Und ab dem 10. Juli führt sie bereits durch vier Vorabendepisoden des der Sendung. Mit watson sprach die Moderatorin über ihren neuen Job und warum Frauen in der Primetime immer noch Mangelware sind.

watson: Du darfst quasi als erste Frau eine Quizshow moderieren – und das auch noch zur Primetime. Wie besonders ist das für dich?

Sabine Heinrich: Ich bin gar nicht die erste Frau. Aber es gab sicherlich lange keine Frau, die das gemacht hat. Ehrlich gesagt versuche ich mich davon freizumachen. Ich möchte mir nicht unnötig Druck aufladen. Ich mache es so, wie ich es meine zu machen und will mein Bestes geben. So gehe ich da dran.

Sabine Heinrich

Sabine Heinrich moderiert "Das große Deutschland-Quiz – Das Spiel für unser Land". Bild: ZDF / Sascha Baumann

Okay, also im Sinne von: Ich mache eine neue Show – und ob das nun Quiz ist oder etwas anderes, ist egal?

Ich freue mich einfach auf die Show, denn ich mag das Format und ich mag es selbst zu quizzen. Ich freue mich, wenn die Zuschauer und Zuschauerinnen mitraten und sich auch inspirieren lassen von dem, was wir da vorbereitet haben.

"Wir hoffen, dass in der Primetimeshow, die wir im August aufzeichnen, vielleicht schon Publikum dabei sein darf."

Wie kann man sich die neue Sendung "Das große Deutschland-Quiz – Das Spiel für unser Land" vorstellen?

Wir quizzen uns durchs Land. Die prominenten Ratekandidaten treten ja für ihre Region an – für den Osten, Süden, Westen oder Norden. Wenn es um die eigene Heimat geht, hat man bestimmt nochmal einen anderen Ehrgeiz und erfährt im besten Fall nochmal was ganz Neues. Ich möchte ungern in dieser Sendung Reiseführer durchquizzen. Wir haben schon den Anspruch, den ein oder anderen Schatz zu heben und für Inspiration zu sorgen. Ich habe schon festgestellt, dass ich noch nie so richtig in Mecklenburg-Vorpommern war und das muss ich dringend ändern. Durch die Sendung habe ich gemerkt, es ist ja total schön da!

Wie unterscheiden sich die kurzen Vorabendvarianten von der Primetimeshow am 7. August?

Die Kurzvarianten entstehen mit vier Prominenten und in der Primetimeshow verdoppeln wir das nochmal und stellen uns noch breiter auf bei den Aufgaben und den Fragestellungen.

Gibt es einen Prominenten, den du besonders gern in der Show dabei hättest?

Ich freue mich auf alle Gäste – auch wenn das jetzt abgedroschen klingt. Ich bin da ganz offen. Ich kenne die allermeisten davon auch nur aus dem Fernsehen (lacht).

Sabine Heinrich

Sabine Heinrich mit den Gästen ihrer Show am 10. Juli. Bild: ZDF / Sascha Baumann

Kann die Sendung mittlerweile wieder mit Publikum stattfinden oder wird wegen Corona noch darauf verzichtet?

Erst mal nicht. Wir gucken mal, wie sich das entwickelt und hoffen, dass in der Primetimeshow, die wir im August aufzeichnen, vielleicht schon Publikum dabei sein darf. Jetzt gehen wir erst mal auf Nummer sicher.

"Ich möchte nicht einfach nur senden, sondern auch das Gefühl haben, ich kann die Menschen am Fernseher so einladen, dass sie zu Hause Teil haben können."

Als das Angebot vom ZDF kam, unter anderem eine eigene Primetimeshow zu moderieren, musstest du da lange nachdenken?

Nee, es gab eine Anfrage für ein Casting und wenn man in ein Casting geht, weiß man, worum es geht. Wenn ich dahingehe, bin ich mir auch sicher, dass ich es machen will. Es wäre wirklich unschön, wenn ich danach feststellen würde, "ah nee, vielleicht doch nicht". Dafür ist so ein Casting auch einfach zu aufwendig. Als etwa eine Woche nach dem Casting der Anruf kam, habe ich erstmal dagesessen und gedacht: "Wow! Das ist doch ganz schön groß, aber auch ganz schön cool."

Ganz schön cool vor allem auch, weil gerade in der Primetime – nicht nur beim ZDF – wahnsinnig wenige Frauen Shows moderieren. Dass jetzt gerade bei einer Sendung, bei der es auch um Wissensvermittlung geht, auf eine Frau und dann auch noch auf ein frisches Gesicht gesetzt wird, ist schon bemerkenswert.

Ja, ich freue mich auch, dass sie mir so viel Vertrauen entgegenbringen. Ich fand es sehr schön, dass ich mit offenen Armen empfangen wurde. Wir sprechen ganz viel miteinander und ich kann manche Ideen miteinbringen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nur sagen: Super!

Der ZDF-Unterhaltungschef Oliver Heidemann hatte auch bereits bei der Ankündigung, dass du zum ZDF wechselst, gesagt, dass er sich darauf freue, mit dir gemeinsam die neue Quizshow zu entwickeln. Wie viel Einfluss hattest du letztendlich auf das Format?

Es ist schon ein größeres Team, das daran arbeitet. Es sind einfach Quizshow-Profis. Ich konnte meine Expertise miteinbringen, was mir wichtig ist im Umgang mit den Kandidaten und wie sie eingebunden werden. Und was mir auch wichtig ist: die Nähe zum Zuschauer und zur Zuschauerin. Dass ich nicht einfach nur senden möchte, sondern auch das Gefühl haben möchte, ich kann die Menschen am Fernseher so einladen, dass sie zu Hause teilhaben können.

"Mir persönlich ist das wichtig, dass diverser besetzt wird."

Plant das ZDF auch weitere Formate mit dir?

So weit sind wir noch gar nicht. Im Moment liegt die Konzentration auf der Show.

ARCHIV - 29.05.2021, Nordrhein-Westfalen, Köln: Die Moderatorin Sabine Heinrich steht bei einer Probe zur Veranstaltung

Sabine Heinrich moderiert auch im WDR. Bild: dpa / Henning Kaiser

Oft wird kritisiert, dass immer noch zu wenig Frauen Sendungen in der Primetime bekommen, wie siehst du das?

Da muss man ja nur mal durchzählen, wie wenige Frauen das sind. Wenn ich das sehe, dann finde ich das manchmal unangenehm, welche Konstellationen das sind. Da sind ja über Stunden teilweise nur Männer zu sehen und wenn dann auch noch ein Adler ins Studio getragen wird, kommt da auch noch ein Falkner, statt eine Falknerin. Im WDR moderiere ich ja ein frauenpolitisches Magazin, deshalb habe ich vielleicht noch mehr einen Blick darauf. Mir persönlich ist das wichtig, dass diverser besetzt wird. Und diverser ist für mich nicht nur Mann und Frau, da gehört noch ein bisschen mehr zu.

Siehst du da Besserung?

Ich bin aber ganz optimistisch, dass sich da was bewegt. Ich stecke natürlich nicht in der Programmplanung, aber ich kann mir vorstellen, dass es den Willen gibt, das zu ändern.

"Du kannst mich nachts wecken und ich kann dir zehn Kolleginnen nennen, die Primetime können."

Ist es in deinen Augen längst überfällig gewesen, dass eine Quiz-Sendung mit einer Frau besetzt wird?

Ich bin keine Programmplanerin, aber es ist nicht so, dass es nicht genügend Frauen für solche Formate gebe. Du kannst mich nachts wecken und ich kann dir zehn Kolleginnen nennen, die Primetime können und sich das auch zutrauen. Wir sind da!

Also widersprichst du dem, was der ehemalige ARD-Programmdirektor Volker Herres damals sagte, dass er nicht so viele Frauen kenne, die Primetime wie Kai Pflaume machen könnten?

Frauen müssen sich genauso wenig an anderen messen lassen wie Männer auch. Was ich gut finde, ist, dass da auch eine Diskussion in Kraft getreten ist. Ich möchte da nirgendwo nachtreten, denn ich freue mich ehrlich gesagt einfach über die Chance, die ich vom ZDF geboten bekomme und habe auch nie das Gefühl gehabt, dass ich nicht gesehen werde.

Sabine Heinrich

Uwe Ochsenknecht und Natalia Wörner sind beim "Großen Deutschland-Quiz" zu Gast. Bild: ZDF / Sascha Baumann

Glaubst du, dass deine Besetzung beim ZDF auch einen Stein ins Rollen bringt und andere da nachziehen?

Im ZDF hatte ja auch jahrelang Carmen Nebel sehr erfolgreich moderiert in der Primetime. Das war zwar kein Quiz, aber große Samstagabendunterhaltung. Ob man Fan ist von der Musik, die da präsentiert wurde oder nicht – aber rein fachlich gesehen hat sie einen tollen Weg geebnet. Barbara Schöneberger ist ebenfalls eine großartige Show-Moderatorin, aber es könnten mehr sein und das hat nicht allein mit dem ZDF oder der ARD zu tun, sondern es sollte einfach in allen Bereichen so sein, dass man mehr darauf achtet, wie divers wir eigentlich aufgestellt sind.

"Frauen brauchen keine Ratschläge."

Nicht nur im TV sind Frauen oft unterrepräsentiert. Woran liegt das? Und was würdest du den Frauen raten?

Frauen brauchen keine Ratschläge. Ich möchte mich nicht hinstellen und sagen, ihr Frauen braucht dies und das. Das würde ja so klingen, als würde ich sagen, wir Frauen sind selbst schuld. Das ist etwas, was ich nicht glaube.

Ist es also ein übergeordnetes, strukturelles Problem?

Ich kann dir nicht sagen, woran es liegt. Aber wenn ich ein Foto sehe, auf dem sich die Vorstandsetage eines Unternehmens präsentiert und ich darauf nur Typen sehe, denke ich mir: "Ey, da könnt ihr doch wohl mal selber draufkommen." Und auf die Medien bezogen: Ich kenne zumindest keine Kolleginnen, denen ich sagen müsste, ihr müsst mal mehr Selbstbewusstsein haben.

"Die 'Sportschau' hat sogar mittlerweile zwei Moderatorinnen. Großartig!"

Ein Thema, über das man ewig sprechen könnte und vermutlich zu keiner Lösung kommt...

Es geht ja gerade in der Medienbranche nicht nur um die Frauen, die auf der Bühne stehen. Die sind sichtbar. Aber wer steckt alles dahinter? Für diese Sendung beispielsweise haben wir von der Produktionsfirma Bavaria eine Executive Producerin, eine Redakteurin, die zusammen mit einem Redakteur die Spiele und die Struktur entwickelt und vom ZDF wird das wiederum auch von einer Redakteurin begleitet, die die Show für den Sender verantwortet. Den Trailer zur Sendung habe ich mit einer Regisseurin und einer Produzentin gedreht.

Das ist ja schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

Im Medienbereich ist ja auch die Frage: Wie viele Frauen stehen an der Kamera, wie viele Frauen machen Regie? Wie viele Autorinnen und Produzentinnen gibt es? Das gehört für mich dazu. Generell habe ich aber das Gefühl, das Thema findet immer mehr Beachtung. So hat das ZDF ja auch erst kürzlich die Hasskommentare gegen Fußballkommentatorin Claudia Neumann veröffentlicht, um zu zeigen: Was stimmt denn da bei euch nicht? Und die "Sportschau" hat sogar mittlerweile zwei Moderatorinnen. Großartig!

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

"Bin hier nicht für Instagram"– Erkenntnis von "Bachelorette"-Kandidat hat Konsequenzen

Herber Rückschlag für Bachelorette Maxime Herbord. In der dritten Folge von "Die Bachelorette" steht sie nicht nur selbst vor der schwierigen Wahl, welcher Kandidat eine Rose bekommen soll, sondern wird auch selbst zurückgewiesen – ausgerechnet von demjenigen, der von allen anderen schnell zum Mitfavoriten auserkoren wurde.

Nach der zweiten Nacht der Rosen kommt Leon in der Villa plötzlich ins Grübeln. "Seit gestern Abend war es einfach schon sehr verrückt alles", meint er zunächst. Vor allem …

Artikel lesen
Link zum Artikel