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Das Album "TFS" von Sierra Kidd: Ein Deutschrap-Klassiker aus dem Nichts

Sierra Kidd
Sierra KiddBild: imago stock&people
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"TFS" von Sierra Kidd – ein Deutschrap-Klassiker aus dem Nichts

19.07.2019, 19:52
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Sierra Kidd, das ist bisher Deutschraps großes Versehen gewesen. 2013 mit 16 Jahren weckte er als lyrisches Ausnahmetalent Begehrlichkeiten der ganzen HipHop-Industrie. Dann ließ man ihn wegen schwieriger Führung und seines manchmal destruktiven Verhaltens wieder fallen.

Die Fans blieben, wenig ästhetische Gesichtstattoos kamen dazu sowie ein legendäres Denglisch-Interview bei 16bars.de, das zum einzigen Insider-Joke des Festival-Sommers 2017 herhielt ("Bro, we strapped, aber wir sind nicht violent"; "I never catched a body oder sowas").

Dieser Sierra Kidd hat monatelang nichts von sich hören lassen. Fast aus dem Nichts brachte der 22-Jährige am Freitag sein Album TFS raus, eines das eine Besprechung und vor allem Anerkennung verdient.

Inhaltlich gibt Sierra Kidd einen tiefen Einblick in das Seelenleben von jemandem, der an Angststörungen leidet. So sehr, dass er nicht mal aus dem Haus gehen kann.

Nicht zu vergleichendes Storytelling

"Kann beizeiten sogar meine Wohnung nicht verlassen; Und mein größter Wunsch wurd' es, es nach Portugal zu schaffen; Dabei kann ich noch nicht mal Pommes um die Ecke kaufen; Kann nur Auto fahr'n, sind wirklich keine Menschen draußen", rappt er in dem Song "Januar 2018".

Sierra Kidd – "Januar 2018"

Darin erzählt er von einer schicksalhaften Nacht, in der er gestreckte Drogen nahm und dachte, er würde sterben. Diese Art des Storytellings, in stringenter Erzählweise zwischen realen Bezugspunkten und metaphorischen Bildern spielerisch zu wechseln, ist selten.

Was dieses Album so besonders macht, ist der Guss, aus dem es entstanden ist. Da gibt es perfekt arrangierte Pop-Hits ("Dead Inside"; "Lach nicht mehr"), eine sphärische 75-Sekunden Anklage ("Poona"), eine emotionale Entgiftung ("Herz") und ein Interlude seines zukünftigen Ichs ("Zerh"), das dem jetzigen Ich eine Hoffnung schenkende Sprachnachricht schickt.

Sierra Kidd – "Dead Inside"

All das ist stimmig, nichts drüber. Und obwohl das Album inhaltlich der absolute Downer ist, schafft es Sierra Kidd doch Lebensmut zu versprühen.

Gegen den Trend

Es ist sehr sympathisch, dass der Rapper ohne Videoauskopplungen, ohne Promo-Aktionen, ohne Kalkulation (das Album mit schwarzem Teufel/Engel-Cover erscheint im Hochsommer) einfach ein richtig gutes Album abliefert. Und keine Ansammlung an Songs, die es in Spotify-Playlisten schaffen soll.

Sierra Kidd zeigt, dass er unglaublich guter Musiker ist. Ein Talent, dem nicht so viel taktisches Verständnis mitgegeben wurde, um bisher Hallen auszuverkaufen. Aber muss ja auch nicht sein.

Vielleicht ist das Ziel erst Mal, die Angst zu besiegen. Erst mal mit Fritten an der Pommesbude anfangen. Und dann endlich nach Portugal.

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