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Fußball- und Musik-Fans stoßen durch Viagogo immer wieder auf Probleme.null / imago sportfotodienst
Musik

So funktioniert die Ticket-Abzocke über Viagogo

30.09.2022, 17:51

Wer kennt es nicht: Man will sich Konzert-Karten Für Rammstein, Coldplay oder Ed Sheeran kaufen, doch auf Eventim sind bereits alle Karten vergriffen. Also geht man einfach via Google auf eigene Suche, und siehe da: Unter den ersten Suchergebnissen – manchmal ist es sogar das allererste – findet sich Viagogo. Allein dass die Seite soweit oben angezeigt wird, ist das erste Problem. Von fünf.

Denn die hohe Positionierung und schließlich auch Aufbau und Layout der Seite lassen darauf schließen, dass es sich hierbei um einen offiziellen Ticket-Verkäufer handelt. Entsprechend offen zeigen sich Leute mit Unkenntnis auch gegenüber dem zweiten Problem: den Preisen. Diese sind im Durchschnitt dreimal so teuer wie die Original-Preise, manchmal liegen sie sogar noch ein Vielfaches darüber.

"Wieso zur Hölle ist das so teuer?"
Micky Beisenherz über seine eigenen Tickets

Dieses Phänomen sorgt seit Jahren immer wieder für Ärgernisse innerhalb der Unterhaltungs-Branche, seien es Konzert-, Theater-, oder Sport-Events. Tweets wie der folgende sind das immer wiederkehrende Ergebnis solcher Ärgernisse: In diesem Fall beschwert sich ein User über die teuren Tickets für eine Podcast-Aufzeichnung von Micky Beisenherz. Woraufhin letzterer zunächst antwortet: "Wieso zur Hölle ist das so teuer?", und schließlich, nachdem er das Problem versteht: "Geh doch auf Eventim, Mensch."

Das Rätsel um die hohen Preise

Der Grund für die überteuerten Preise ist schnell erklärt: Viagogo ist eben nicht der offizielle Ticketverkäufer, sondern eine Plattform, über die bereits gekaufte Karten weiterverkauft werden können. Die Privatpersonen, die ihre Tickets dort weitergeben, legen die Preise selber fest, vergleichbar etwa mit Ebay Kleinanzeigen.

Und um fair zu bleiben: Genau das hat der Anbieter auch oben auf seiner Website vermerkt: Er sei der größte Sekundärmarkt von Live-Event-Tickets, heißt es dort, und die Preise "können unter oder über dem Originalpreis liegen". Um aber auch hier fair zu bleiben: Bis dieser Satz dort stand, mussten erst einmal diverse Bands und Veranstalter:innen rechtliche Schritte gegen die Plattform einleiten. Und im Übrigen: Auf Twitter stellt sich Viagogo weiterhin nur als die "weltweit größte Quelle für Live-Unterhaltungs-Tickets" vor.

Ein Kampf innerhalb der Branche

Seit die Plattform 2006 gegründet wurde, ist sie der Event-Branche immer wieder ein Dorn im Auge. Verbraucherschutzorganisationen, Veranstalter:innen sowie prominente Stars haben bereits oft auf die Sache hingewiesen, und bisweilen auch dagegen geklagt.

Im Februar 2020 konnten etwa Die Ärzte eine einstweilige Verfügung gegen Viagogo erwirken. Zumindest vorübergehend durfte die Plattform somit keine überteuerten Tickets mehr für deren Konzerte verkaufen. Auch Rammstein konnten eine solche Verfügung bereits erzielen, nachdem sie – ebenso wie etwa Ed Sheeran – immer wieder vor dem dortigen Ticket-Kauf warnten. Und zwar nicht nur wegen der überteuerten Preise, sondern auch wegen eines dritten Problems:

Hohe Preise, kein Zutritt

Denn abgesehen von den hohen Preisen des Zweitanbieters kann Viagogo nicht einmal dafür garantieren, dass die Tickets auch wirklich den Eintritt für das bezahlte Event gewähren. Gerade weil es nämlich derartige Plattformen gibt, die die Leute dazu bewegen, Karten nur zu kaufen, um sie überteuert weiterzuverkaufen, haben offizielle Veranstalter schon vor längerem begonnen, Tickets zu personalisieren.

Unter anderem bei Fußball-Spielen, Helene Fischer- oder auch Rammstien-Konzerten kam es deshalb in der Vergangenheit immer wieder dazu, dass Fanstrotz der überteuerten Preise – nach ihren Personalien gefragt wurden und nicht am Event teilnehmen konnten.

Warum klagen nicht hilft

Das Landgericht Hamburg hat sich bereits mehrmals auf die Seite der Künstler:innen und offiziellen Eventbranche gestellt. Viagogo verstoße durch sein Geschäftsmodell gegen den Verbraucherschutz, bestätigt es.

Bei den besagten Ärzte- und Rammstein-Konzerten hat es deshalb die einstweilige Verfügung erlassen. Und auch jetzt wieder – ganz aktuell zur Rammstein-Tour im nächsten Jahr – wurde laut Medienberichten diese Verfügung wieder ins Leben gerufen.

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Bands wie Rammstein gehen immer wieder gegen Viagogo vor.Bild: dpa / Malte Krudewig

Der Haken nur ist das vierte Problem: Viagogo verkauft die Tickets weiterhin. Zumindest bis alle behördlichen Vorgänge abgeschlossen sind. Und weil diese rein postalisch verlaufen, der Händler in der Schweiz sitzt, und Behörden nun mal ihre Zeit brauchen, besteht für die Angelegenheit zunächst kein Zeitdruck.

"Gekauft ist gekauft."
Rechtsanwälting Tatjana Halm

Kommen wir schließlich zum fünften Problem, das die Plattform mit sich bringt: Wer die Tickets kauft, hat selber Schuld. Selbst wenn man im Nachhinein feststellt, dass man nicht beim offiziellen Anbieter gelandet ist und somit viel mehr Geld ausgeben muss, ist man zur Zahlung verpflichtet.

In einem "Stern"-Interview mit der Rechtsanwältin Tatjana Halm heißt es: "Gekauft ist gekauft." Wer nicht bezahlt, riskiert einen Rechtsstreit, und dieser gehöre explizit "zum Geschäftsmodell der Ticketbörsen".

Unser Tipp daher, um die genannten fünf Probleme zu umgehen: Kauft eure Tickets bei offiziellen Anbietern wie Eventim, bei den Künstler:innen direkt, oder aber – wenn das Konzert wieder mal zu schnell ausverkauft ist: auf "Fansale". Dies ist nämlich die offizielle Wiederverkaufsplattform von Eventim.

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