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Rammstein, Coldplay, Ed Sheeran: So läuft die Ticket-Abzocke über Viagogo

Durch den Kauf von Tickets über Viaogo stehen Käufer immer wieder vor Problemen. Auch wenn die Kunden teils hohe €-Beträge für ihre Karten zahlen, haben sie dadurch keine Garantie, in die Veranstaltun ...
Fußball- und Musik-Fans stoßen durch Viagogo immer wieder auf Probleme.null / imago sportfotodienst
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Vorsicht bei Ticketkauf: So läuft die Abzocke über Viagogo

30.09.2022, 17:5116.02.2023, 13:24
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Wer kennt es nicht: Man will sich Konzert-Tickets für Rammstein, Coldplay oder Ed Sheeran kaufen, doch auf Eventim sind bereits alle Karten für diese Events vergriffen. Also geht man einfach via Google auf eigene Suche, und siehe da: Unter den ersten Suchergebnissen – manchmal ist es sogar das allererste – findet sich Viagogo. Allein, dass die Seite so weit oben angezeigt wird, ist das erste Problem. Von fünf.

Denn die hohe Positionierung und schließlich auch Aufbau und Layout der Seite lassen darauf schließen, dass es sich hierbei um einen offiziellen Ticket-Verkäufer handelt. Entsprechend offen zeigen sich die Menschen im Internet auch gegenüber dem zweiten Problem: den Preisen. Denn die Karten kosten mitunter gut dreimal so viel Euro wie die Original-Preise, manchmal liegen sie sogar noch ein Vielfaches darüber.

"Wieso zur Hölle ist das so teuer?"
Micky Beisenherz, 2022, über seine eigenen Tickets

Dieses Phänomen sorgt seit Jahren immer wieder für Ärgernisse innerhalb der Unterhaltungs-Branche, seien es Konzert-, Festival- oder Sport-Events. Die negativen Google-Bewertungen beruhen auf Erfahrungen. Tweets wie der folgende sind nur zu häufig das Ergebnis solcher Ärgernisse:

In diesem Fall beschwert sich ein User darüber, dass die Tickets für eine Podcast-Aufzeichnung von Micky Beisenherz ganze 88 Euro kosten. Woraufhin letzterer zunächst antwortet: "Wieso zur Hölle ist das so teuer?", und schließlich, nachdem er das Problem versteht: "Geh doch auf Eventim, Mensch."

Das Rätsel um die hohen Preise

Der Grund für die überteuerten Preise ist schnell erklärt: Viagogo ist eben nicht der offizielle Ticket-Verkäufer, sondern eine Website, über die bereits gekaufte Karten weiterverkauft werden können. Die Privatpersonen, die ihre Tickets dort weitergeben, legen ihre Angebote selbst fest, vergleichbar etwa mit Ebay Kleinanzeigen.

Und um fair zu bleiben: Genau das hat der Anbieter auch oben auf seiner Website vermerkt: Er sei der größte Sekundärmarkt von Live-Event-Tickets, heißt es dort, und die Preise "können unter oder über dem Originalpreis liegen". Um aber auch hier fair zu bleiben:

Um den Satz dahin zu bekommen, mussten erst einmal diverse Bands und Veranstalter:innen rechtliche Schritte gegen die Plattform einleiten. Und im Übrigen: Auf Twitter stellt sich Viagogo weiterhin nur als die "weltweit größte Quelle für Live-Unterhaltungs-Tickets" vor.

Ein Kampf im Internet

Seit Viagogo 2006 gegründet wurde, ist es der Event-Branche immer wieder ein Dorn im Auge. Verbraucherzentrale, Veranstalter:innen sowie prominente Stars haben bereits häufig vor einem dortigen Kauf gewarnt, und bisweilen auch gegen das Unternehmen geklagt.

Im Februar 2020 konnten etwa Die Ärzte eine einstweilige Verfügung gegen Viagogo erwirken. Zumindest vorübergehend durfte das Unternehmen somit keine überteuerten Tickets mehr für deren Konzerte verkaufen. Auch Rammstein konnten eine solche Verfügung bereits erzielen, nachdem sie sich – ebenso wie etwa Ed Sheeran – immer wieder gegen den dortigen Ticketkauf aussprachen. Und zwar nicht nur wegen der überteuerten Preise einer jeden Veranstaltung, sondern auch wegen eines dritten Problems:

Kunden zahlen hohen Preis – für hohes Risiko

Denn abgesehen von den teuren Angeboten auf der Website gibt es bei Viagogo nicht einmal eine Garantie dafür, dass die Tickets nach dem Kauf auch wirklich den Einlass für das Event gewähren. Gerade weil es nämlich derartige Plattformen im Internet gibt, auf denen sich Menschen oft nur anmelden, um gekaufte Karten überteuert weiterzuverkaufen, haben offizielle Veranstalter schon vor längerem begonnen, personalisierte Eintrittskarten zu verkaufen.

Ob bei Fußball-Veranstaltungen, Helene Fischer- oder auch Rammstein-Konzerten: Immer wieder passiert es, dass Fans – trotz ihrer gekauften Tickets – nach Angaben wie ihrem Namen gefragt werden, und nicht am Event teilnehmen können. Doch auf die Suche nach einem Service-Kontakt braucht man sich in diesem Fall gar nicht erst zu begeben.

Warum klagen nicht hilft

Das Landgericht Hamburg hat sich bereits mehrmals auf die Seite der Stars und offiziellen Event-Branche gestellt. Viagogo verstoße durch sein Geschäftsmodell gegen den Verbraucherschutz, bestätigt es.

Bei den besagten Ärzte- und Rammstein-Konzerten hat es deshalb die einstweilige Verfügung erlassen. Und auch 2022 konnten Rammstein für ihre Tour 2023 laut Presse-Berichten diese Verfügung wieder ins Leben rufen.

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Für die Rammstein-Tour 2023 konnte man eine einstweilige Verfügung gegen Viagogo erlassen.Bild: dpa / Malte Krudewig

Der Haken nur ist das vierte Problem: Viagogo verkauft die Tickets weiterhin. Zumindest, bis alle behördlichen Vorgänge abgeschlossen sind. Und weil diese rein postalisch verlaufen, das Unternehmen in der Schweiz sitzt, und die Uhr der Behörden nun mal etwas langsamer läuft, besteht für die Angelegenheit zunächst kein Zeitdruck.

"Gekauft ist gekauft."
Rechtsanwälting Tatjana Halm

Kommen wir schließlich zum fünften Problem, das die Ticket-Plattform mit sich bringt: keine Rechte für die Kund:innen. Wer die Karten kauft, hat selbst Schuld. Auch wenn man im Nachhinein feststellt, dass man nicht beim offiziellen Verkäufer gelandet ist und somit viel mehr Geld ausgeben muss, ist man zur Zahlung verpflichtet.

In einem "Stern"-Interview mit der Rechtsanwältin Tatjana Halm heißt es: "Gekauft ist gekauft." Wer nicht bezahlt, riskiert einen Rechtsstreit, und dieser gehöre explizit "zum Geschäftsmodell der Ticketbörsen". Auf den Kosten bleiben also die Käufer:innen sitzen.

Unser Tipp daher, um die genannten fünf Probleme 2023 zu umgehen: Kauft eure Tickets bei einer offiziellen Ticketbörse wie Eventim, auf der Website der Künstler:innen selbst, oder aber – wenn das Konzert wieder mal zu schnell ausverkauft ist: auf "Fansale". Dies ist nämlich die offizielle Wiederverkaufs-Plattform von Eventim.

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