Der Netflix-Film

Eine Szene aus dem Film "Mank". Bild: Netflix

Neuer Netflix-Hit in der Kritik: Warum Frauen gegen "Mank" protestieren

Mit "Mank" über Herman J. Mankiewicz, den Co-Autoren des Filmklassikers "Citizen Kane", hat Netflix wieder ein großes Prestige-Projekt am Start. Inszeniert wurde das biografische Drama von niemandem Geringeren als Regie-Star David Fincher ("Fight Club"). "Mank" werden sogar Oscar-Chancen eingeräumt. Doch schon jetzt wird auch Kritik laut.

Die zielt allerdings nicht auf die Inszenierung im engeren Sinne, sondern auf die Besetzung des Films. Emily Nunn, bekannt unter anderem als Autorin des Buchs "The Comfort Food Diaries", wirft den "Mank"-Machern Sexismus und Altersdiskriminierung vor.

Kritik an Netflix-Film: "Ihr radiert uns aus"

Zum Zeitpunkt der Handlung von "Mank" war die Titelfigur 43 Jahre alt. Allerdings wird Herman J. Mankiewicz von Gary Oldman gespielt, der schon 62 Jahre alt ist. Obwohl Mankiewicz und seine Frau Sara im selben Jahr geboren wurden, verkörpert mit Tuppence Middleton eine 33-jährige Schauspielerin die Gattin des Autors. Rein auf die Darsteller bezogen entsteht so ein massiver Altersunterschied, der in Wahrheit gar nicht vorlag.

Für Emily Nunn ist dies ein massiver Kritikpunkt. Netflix, so ihre Kritik, wärme durch diese Casting-Entscheidung alte Hollywood-Klischees neu auf: Ältere Frauen könnten als unansehnlich empfunden werden, also besetzen die Macher weibliche Rollen vornehmlich mit jungen Schauspielerinnen. Betagte Männer vor die Kamera zu stellen, ist hingegen gar kein Problem.

Für Frauen, die ein bestimmtes Alter überschritten haben, ist dies aus Nunns Sicht diskriminierend. Entsprechend deutliche Worte findet sie auf Twitter:

"Herman J. Mankiewiczs Frau Sara wurde 1897 geboren, im selben Jahr wie ihr Ehemann. In dem David-Fincher-Film 'Mank' wird sie von einer 33-jährigen Schauspielerin gespielt. Gary Oldman, der Mankiewicz spielt, ist 62 Jahre alt. Wir fühlen uns nicht unsichtbar. Sie radieren uns aus."

Nicht nur die Besetzung der Sara Mankiewicz in "Mank" zieht Kritik auf sich. Vielmehr sind sichtlich ältere Frauen überhaupt nicht in dem Netflix-Hit anzutreffen. Dazu Nunn in einem weiteren Tweet: "Tatsächlich scheint es nicht eine einzige Frau über 40 im Cast zu geben."

Tuppence Middleton in

Tuppence Middleton in "Mank". Bild: Netflix

Auch die Besetzung des früheren Hollywood-Stars Marion Davies passt zu Nunns Kritik. Davies, die genauso alt wie die Mankiewiczs war, wird in "Mank" von Amanda Seyfried verkörpert. Die ist ebenfalls erst 35.

Unter ihrem Tweet erhält Emily Nunn viel Zustimmung von anderen Nutzerinnen. Ein Kommentar lautet etwa: "Wir sollen für eine Gesellschaft unsichtbar sein, die Körper und Aussehen lobt. Wenn wir uns verlieben, werden wir als dumm eingestuft. Es ist, als würde das Alter unseren Gesichtern Falten verpassen können, während es unsere Herzen und unsere Sexualität mit Schlössern versieht."

Eine andere Frau wirft der gesamten Branche Scheinheiligkeit vor und meint: "Die Fernseh- und Filmindustrie manifestiert den Sexismus und lebt von ihm, obwohl sie den Anschein erwecken will, dass sie sich in dieser Frage weiterentwickelt hat.

"Mank" behandelt vordergründig die Konflikte zwischen Herman J. Mankiewicz und Regie-Legende Orson Welles bei der Entstehung von "Citizen Kane". Ob die Kritik am Film noch höhere Wellen schlägt und womöglich sogar die Oscar-Chancen des Werks mindert, bleibt nun abzuwarten.

(ju)

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