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Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling spricht in Podcast über Transgender-Kritik

J.K. Rowling war früher eine Heldin, heute würde sie wohl keine Universität mehr einladen.
J.K. Rowling war früher eine Heldin, heute würde sie wohl keine Universität mehr einladen.null / imago images
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Nach Transgender-Kritik: Podcast befasst sich mit Hass auf J.K. Rowling

22.02.2023, 15:56
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Wenn es den Inbegriff einer gefallenen Heldin in der modernen Zeit gibt, wäre es wohl J.K. Rowling. Die Buchautorin und Erfinderin der magischen Welt der Zauberer und Magie rund um "Harry Potter" hat die Welt mindestens einer Generation mitgeprägt. Die fiktive Figur Harry wurde praktisch mit den Millennials zusammen älter.

Es gab Kinder, die durch Harry Potter die Welt der Bücher für sich entdeckten, Kinder und Jugendliche, die Quidditch als neue Sportart erfanden und Kinder, die über Webgruppen versuchen, Teil einer Zaubererwelt zu werden. Wie sehr wünschten wir uns, Hogwarts wäre echt und wir würden irgendwann den Brief mit der Einladung bekommen.

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Der Fall der Harry-Potter-Autorin

Doch dann: der Absturz. Die gefeierte Autorin J.K. Rowling äußerte sich mehrfach öffentlich und kritisch zur Transgender-Frage. Ihrer Meinung nach gibt es weiterhin nur zwei biologische Geschlechter. Alles andere würde Frauen ihre (gewaltvollen) Erfahrungen absprechen und ihre Anliegen schwächen. Alle kritischen Äußerungen findet ihr in diesem Fan-Dokument.

Nun wird sie öffentlich als Transfeindin gesehen und als TERF (Trans-ausschließende radikale Feministin). Rowlings zynische Kommentare und die Weigerung, sich zu entschuldigen, heizten die Debatte weiter an. Fans und auch Schauspieler der Harry-Potter-Filme wie Daniel Radcliffe oder Emma Watson schworen ihrem ehemaligen Idol öffentlich ab, Menschen ließen Harry-Potter-Tattoos entfernen und zerstörten oder verbrannten sogar die Bücher.

Die Veröffentlichung des Computer- und Playstation-5-Spiels "Hogwarts Legacy" diesen Februar heizt diese Debatte nun erneut an. Kritiker:innen rufen zum Boykott des Spiels auf, während andere argumentieren, Rowling sei nicht einmal an der Spielentwicklung beteiligt gewesen.

Manche lösen den Konflikt, indem sie beschließen, das Werk von der Autorin zu trennen. Durch die Weiterentwicklung der Welt durch Fan-Fiction hätte sich Harry Potter ohnehin verselbstständigt, so das Argument. Die trans* Podcasterin Cetine Dale sagte der "Gamestar":

"Nach langer Zeit habe ich mir erlaubt einzugestehen, dass ich den Charakteren, mit denen so viele von uns groß geworden sind und die wir liebgewonnen haben, keine Schuld geben will und kann."

Man kann sagen: Der Streit um die Personalie J.K. Rowling wird durchaus unversöhnlich geführt.

Ein Podcast, viele Stimmen

Eine Frau, die angeblich beide Seiten der Kontroverse verstehen will, ist die Autorin Megan Phelps-Roper. Sie hatte die seltene Chance, ein Interview mit Rowling zu führen, über ihr Leben, ihre Denkweisen und natürlich: die Genderfrage. Seit dem 21. Februar ist all dies in ihrem Podcast zu hören, mit dem Titel: "The Witch Trials of J.K. Rowling"

Megan Phelps-Roper sagt auf Twitter, sie führte die Gespräche mit Rowling "um zu versuchen, ihre Perspektive und die ihrer Kritiker zu verstehen". Sie kennt sich zumindest aus mit radikalen Meinungen.

Nach ihrem Austritt aus der konservativen und hetzerischen Westboro Baptistenkirche ihrer Kindheit im Jahr 2012, recherchierte sie "zum Thema Überzeugungen". Sie wollte wissen, "wie sie Welt formen und wie sie uns dazu bringen, zu handeln und uns zu identifizieren".

"Audio-Dokumentation, die einen der umstrittensten Konflikte unserer Zeit erzählt, anhand des Lebens und der Karriere einer weltberühmten Autorin."
FreePress über "The Witch Trials of J.K. Rowling"

Der Herausgeber ist die unabhängige Medienfirma "FreePress" von Bari Weiss, einem früheren New-York-Times-Journalisten. Er beschreibt den Podcast "The Witch Trials of J.K. Rowling" als "Audio-Dokumentation, die einen der umstrittensten Konflikte unserer Zeit erzählt, anhand des Lebens und der Karriere einer weltberühmten Autorin".

Megan Phelps-Roper sprach für den Podcast neben der Autorin selbst auch mit ihren Kritikerinnen und Trans-Personen. Die erste Trans-Youtuberin Natalie Wynn, bekannt als ContraPoints, machte bereits einen Rückzieher und entschuldigte sich öffentlich für ihre Teilnahme am Interview.

Inhalt des Podcast über J.K. Rowling

Ist das Projekt also misslungen? Die ersten beiden Kapitel der siebenteiligen Serie wurden nun veröffentlicht. Die erste Folge "Plotted in Darkness" handelt hauptsächlich von Rowlings traumatischer Vergangenheit und ihrem Aufstieg. Die Autorin erzählt darin von einem gewaltvollen Ehemann, ihrer Fehlgeburt, der Angst um ihre Tochter und die Entstehung der Harry-Potter-Romane.

Zugegeben: Hier wird sehr auf die Tränendrüse gedrückt. Dass Rowling die Erinnerungen nahegehen, kann man ja noch verstehen, aber die Musik ist sehr emotionalisierend. Der Podcast endet außerdem mit Kinderstimmen, die überglücklich erzählen, wie viel ihnen Harry Potter bedeutet. Die Frage bleibt: Was hat das mit der heutigen Kontroverse zu tun?

Die zweite Folge "Burn the Witch" nähert sich der Sache schon etwas mehr an. Sie beleuchtet kurz die soziale Komponente von Hexenjagden und verknüpft dann das Massaker an der Columbine High School mit der Verbannung von Harry-Potter-Büchern.

"Es gibt kein Buch auf dieser Welt, das ich verbrennen würde."
J.K. Rowling über die Verbrennungen ihrer Werke

Wie das zusammengeht? Columbine brachte religiöse Konservative, die um ihre Kinder fürchteten, gegen Harry Potter auf: "Die Kugel in dieser Pistole ist Fantasy", hieß es da. Prediger zürnten Ende der 90er, den Kinder werde durch Harry Potter Hexerei gelehrt. Die Bücher wurden als gefährlich für Kinder eingeschätzt.

Die christliche Kampagne hatte Erfolg, in einigen Schulen wurden Harry-Potter-Bücher verboten. Hier kommt David Hoak zu Wort. Er ist christlicher Anwalt und verlor einen gerichtlichen Streit um dieses Verbot. Phelps-Roper zieht die Parallele zum Verbot von LGBTQ+-Büchern an Schulen im heutigen Amerika. Sie fragt Hoaks, ob das Gerichtsurteil gegen das Verbot der Harry-Potter-Bücher heute dabei helfe, die Verbannung von LQBTQ+-Büchern zu verhindern. Hoaks bejaht.

Rowling hat Verständnis für das Unbekannte – aber nicht für Transmenschen?

Rowling sagt über die Bücherverbrennung ihrer Werke: "Ein Gerechtigkeitsgefühl ist nicht unvereinbar damit, schreckliche Dinge zu tun. Viele Menschen in Bewegungen, die wir als fehlgeleitet betrachten, dachten, sie wären auf der Seite der Gerechtigkeit. (...) Buchverbrenner haben für mich die Linie übertreten – die Linie der rationalen Debatte."

Weiter sagt sie im Podcast:

"Sie sagen: 'Ich zerstöre die Idee, aber ich kann sie nicht zerstören, also zerstöre ich seine Repräsentanten, ich verbrenne dieses Buch.' Es gibt kein Buch auf dieser Welt, das ich verbrennen würde. Auch keine Bücher, von denen ich denke, dass sie Schaden anrichten. Verbrennen ist für mich das letzte Mittel von Menschen, die nicht diskutieren können."

Auch in den Harry-Potter-Büchern wird etwas verbrannt. Die Beweggründe von Harrys Tante und Onkel, seine Hogwarts-Briefe zu verbrennen, erklärt Rowling mit den Worten: "'Du darfst nicht über die Welt hinauszuschauen, die WIR als normal festlegen, die wir als die Welt deklarieren.'"

Joanne K. Rowling gibt Autogramme an Fans anl�sslich der Premiere des Films - Harry Potter und der Halbblutprinz - in London - PUBLICATIONxNOTxINxUK

Joanne K Rowling gives Autographs to supporters  ...
Früher war Rowling ein gefeierter Star für Tausende Kinder weltweit.Bild: imago stock&people / imago images

Rowling kritisiert die "Schwarz- oder Weiß-Perspektive" der Gesellschaft: "Wir sollten uns am meisten misstrauen, wenn wir sicher sind. Wir sollten uns am meisten hinterfragen, wenn wir einen Adrenalinkick haben durch etwas, das wir sagen oder tun. Viele Menschen verwechseln diesen Adrenalinkick mit der Stimme der Vernunft und sie denken (...) sie wären im Recht."

Aber bezogen auf die Transgender-Debatte, stellt man sich unweigerlich die Frage: Wie kann es sein, dass Rowling genau die Dinge predigt, die sie Transmenschen verweigert?

Die zweite Folge endet nicht mit nachdenklichen Worten von J.K. Rowling, sondern mit Audioabschnitten eines wütenden Mobs, der ihre Bücher verbrennt. Hier die weise Autorin, dort die irrationalen Kritiker:innen? Unvoreingenommenheit sieht, bei aller Bemühung, wohl anders aus.

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