Gil Ofarim schilderte einen antisemitischen Vorfall in einem Hotel.
Gil Ofarim schilderte einen antisemitischen Vorfall in einem Hotel.Bild: dpa / ProSieben

Überwachungsvideo wirft neue Fragen zu Antisemitismus-Eklat auf – Gil Ofarim bekräftigt: "Ich habe nicht gelogen"

19.10.2021, 15:46

Anfang Oktober sorgte ein Instagram-Video von Gil Ofarim für Aufsehen. Der Sänger beschrieb einen antisemitischen Vorfall, der sich angeblich in einem Leipziger Hotel ereignete. Demnach soll ihm der Check-in verwehrt worden sein, weil er seinen Davidstern um den Hals trug. Ein Mitarbeiter habe ihn aufgefordert, die entsprechende Kette abzunehmen, erst dann könne der 39-Jährige ein Zimmer beziehen. Gegen den besagten Mitarbeiter erstattete er am 12. Oktober Anzeige.

Nun liegen der "Bild" Aufnahmen der Überwachsungskameras aus dem Hotel von eben jenem Abend vor. Die Bilder werfen Fragen auf, denn Ofarims Davidstern ist hier nicht sichtbar. Der Sänger selbst äußerte sich bereits.

Weiterlesen: Neues Video zu Gil-Ofarim-Eklat: Jetzt meldet sich Oliver Pocher zu Wort

Aufnahmen zeigen Gil Ofarim im Hotel

Das Video zeigt Ofarim beim Betreten des Hotels, bei einem Gespräch an der Rezeption sowie auch beim Verlassen des Gebäudes. Er trägt eine schwarze Lederjacke offen, darunter ist ein T-Shirt zu erkennen – nicht jedoch der relativ große Davidstern, den der gebürtige Münchner später bei Instagram in die Kamera hielt.

Dies sorgt nun für Irritationen, denn nach Ofarims ersten Angaben klang es so, als sei er speziell aufgrund des Davidsterns im Hotel diskriminiert worden. Jemand "aus der Ecke" habe ihm sogar auch zugerufen: "Pack deinen Stern ein!"

Laut "Bild"-Informationen hat die Leipziger Polizei mittlerweile "ernst zu nehmende Zweifel" am ursprünglich geschilderten Ablauf der Situation. Ofarim habe in seiner Vernehmung ausgesagt, er sei sich nicht sicher, ob er die Kette mit dem Davidstern an dem Abend für andere sichtbar trug.

Das Hotelpersonal äußerte im Anschluss, der Rezeptionist habe drei Gäste vorgelassen, woraufhin der Musiker wütend geworden sei. Nach einem "Wortgefecht" sei Ofarim schließlich gebeten worden, das Hotel zu verlassen.

Gil Ofarim bezieht Stellung

Gil Ofarim selbst hat schon zu den Aufnahmen der Überwachungskameras Stellung bezogen. Nun gibt er an: "Der Satz, der fiel, kam von hinten. Das heißt, jemand hat mich erkannt. Es geht hier nicht um die Kette. Es geht eigentlich um was viel Größeres. Da ich oft mit dem Davidstern im Fernsehen zu sehen bin, wurde ich aufgrund dessen beleidigt."

Weiter erklärt er, er habe erst wenige Tage vor dem Vorfall im Hotel bei der ZDF-Veranstaltung "Happy Birthday, Giora Feidmann" zu Ehren des jüdischen Musikers auf der Bühne gesessen. Zu diesem Anlass habe er die Kette getragen, die er im Übrigen "so gut wie nie" ausziehe. Schließlich hält er fest:

"Aber es geht nicht darum, ob die Kette im Hotel zu sehen war oder nicht. Sondern es geht darum, dass ich antisemitisch beleidigt worden bin."

Gil Ofarim bekräftigt erneut: "Ich habe nicht gelogen"

Der Davidstern-Eklat erfuhr durch das neue Video weitestgehend negative Reaktionen. Allen voran änderte Oliver Pocher seine Meinung zu Ofarims Aussagen auf Instagram und nahm das Überwachungskamera-Video zum Ausgangspunkt, um sich über den Sänger lustig zu machen. Der äußerte sich nun jedoch erneut gegenüber "Bild" und versuchte seine Glaubwürdigkeit eingehender wiederherzustellen.

Wiederholt bekräftigte er: "Ich bin bekannt dafür, dass ich mit dieser Kette im Fernsehen auftrete, wie auch in dieser Fernsehsendung, wo ich zuvor aufgetreten bin." Auch auf so gut wie jedem Foto auf Social Media sei er mit der Kette zu sehen. Weiter führte er aus, dass das Video nur in Teilen veröffentlicht worden sei:

"Ich möchte anmerken, ich bin froh, dass bei der Ermittlung das gesamte Videomaterial ausgewertet wird und ich möchte ganz ehrlich auch darum bitten, dass man zeigen soll, wann dieser Moment gewesen sein soll, in dem ich mir angeblich nach dem Vorfall die Kette über den Kopf gezogen haben soll, um dann ein Video zu machen. Das habe ich nicht gemacht, ich habe die Kette immer an."

In dem Ausschnitt, der gezeigt wurde, sei aber zu sehen, wie er an der Rezeption des Westin Hotels stehe und nach hinten zeige. Das sei "der Moment, in dem ich gesagt habe, ich wurde gerade beleidigt, aufgrund meines Sterns." Zusätzlich könne man den Davidstern auch durch das T-Shirt erkennen, wenn die Kette darunter gerutscht sein sollte. Auch der Hotel-Angestellte soll laut Ofarim den Anhänger gesehen haben. "Ich wurde als Jude angegriffen, das ist das, was ich sage, weil ich einen Stern trage. Ich sage nicht, und das wird mir nachgesagt, dass ich gelogen hätte. Das habe ich nicht", fügte Ofarim an.

Dass in dem Bericht der "Bild am Sonntag" behauptet wurde, dass Gil sich gegenüber der Polizei nicht sicher gewesen sei, ob er an diesem Tag die betreffende Kette überhaupt getragen habe, sei falsch. Der Sänger berichtigte jetzt: "Ich habe gesagt, ich hatte den Stern an. Ich konnte nicht sagen, ob ich den Stern hinter der Jacke gehabt, vor der Jacke, über dem T-Shirt oder unter dem T-Shirt."

Ofarim verbittet sich PR-Vorwurf

Der Bühnenstar könne sich die Diskriminierung aufgrund des Davidsterns, der auf dem Video nicht sichtbar erkennbar gewesen sei, nur so erklären, dass "die Person, die es zuerst gesagt hat, in der Hotellobby mich erkannt haben muss. Ich setze mich seit Jahren gegen Antisemitismus ein, ich trage meinen Davidstern, man kennt mich eigentlich nur mit Davidstern."

Als Ofarim gefragt wurde, ob er sich an einen Moment erinnern könne, an dem er seine Kette unter dem T-Shirt hervorgenommen habe, um sein vielgeteiltes Instagram-Video zu filmen, antwortete er mit Nachdruck: "Nochmal, ich habe die Kette in die Hand genommen, um zu zeigen, worum es hier geht. Das war meine Intension. Ich habe gezeigt, worum es hier geht, dass ein Jude den Stern abnehmen soll. Das habe ich gesagt und das werde ich genauso wieder machen." Den Vorwurf, er hätte die Situation für Instagram inszeniert, verbitte er sich:

"Ich arbeite in der Branche und ich mache sowas sicherlich nicht aus PR-Gründen. Ich habe Familie, ich habe Kinder, ich hatte aber auch eine Großmutter, die waren zu acht und nicht alle kamen durch den Zweiten Weltkrieg. Über diese Themen macht man weder irgendwelche Videos oder Witze, aber das ist das Alltägliche womit wir Juden in Deutschland zu kämpfen haben."

Derweil laufen die Ermittlungen weiter. Im Raum steht nicht nur die Anzeige von Gil Ofarim, sondern auch eine des beschuldigten Hotelangestellten wegen Verleumdung und Bedrohung. Ein Unbeteiligter wiederum stellte eine weitere Anzeige gegen den Hotelangestellten wegen Volksverhetzung.

(ju, cfl)

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