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Der WDR zeigte ein "Best of" der vergangenen Karnevals-Jahre. Diese Szene stammt aus dem Jahr 2018. Eine andere aus dem Jahr 2010 ist in der Mediathek mittlerweile nicht mehr verfügbar. bild: screenshot wdr

Blackfacing in Karnevalssendung: WDR erntet erneut Rassismus-Vorwürfe

Der WDR wird erneut dafür kritisiert, rassistische Inhalte ausgestrahlt zu haben. Am Samstagabend lief die Sendung "Jet zo fiere! Das Beste aus der Verleihung des Ordens 'Wider den tierischen Ernst'" im TV, in der zwei weiße Personen zu sehen waren, die schwarz angemalt waren.

Die Sendung ist ein Zusammenschnitt aus verschiedenen Sendungen der letzten Jahre. Die kritisierte Szene stammt aus dem Jahr 2010. Die Schauspielerin Désirée Nick ist dabei als Pharaonin verkleidet zu sehen und wird von drei Personen begleitet. Eine Frau wedelt ihr dabei mit einem Palmblatt Luft zu, neben Nick stehen zwei schwarz angemalte Männer mit wenig Kleidung.

Nutzer auf Twitter werfen dem WDR Blackfacing vor, eine Userin schrieb beispielsweise: "Hey WDR, ihr wollt halt auch einfach nichts lernen, oder? Rassistische Sprache diskutieren und jetzt blackfacing ausstrahlen?". In der Mediathek ist die Sendung inzwischen nur noch ohne die angesprochene Szene zu sehen.

WDR reagiert: "So etwas darf uns nicht passieren"

Der WDR antwortete auf den Post der Nutzerin Nava, der vielfach geteilt wurde und schrieb: ⁦‪"Diese Szene aus 2010 hätte nicht in den Zusammenschnitt aufgenommen werden dürfen. 'Blackfacing' ist rassistisch. Wir haben die entsprechenden Bilder in der Mediathek durch eine Texttafel ersetzt, mit der wir auf die Problematik hinweisen."

Weiter hieß es: "So etwas darf uns nicht passieren – erst recht nicht nach den Diskussionen der vergangenen Wochen. Und es zeigt: Wir haben hier noch viel zu tun."

Auf Nachfrage von watson verwies der WDR nur auf seine Tweets, eine weitere Stellungnahme gab der Sender nicht ab.

Désirée Nick distanziert sich

Die Rede, die Nick hält, steht nicht im Zusammenhang mit den Kostümen. Sie kritisierte damals verschiedene Politiker. Gegenüber dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" distanzierte sich die Schauspielerin bereits von den Aufnahmen. "Der Auftritt wurde vom WDR konzipiert, ich kannte die beiden Jungs nicht, die da plötzlich auf der Bühne standen. Der WDR hat sich das ausgedacht, auch den Text, und war weisungsbefugt", sagte sie.

Warum der WDR die Szene trotz der kürzlichen Rassismus-Kritik ausstrahlte, kann sich Nick so erklären: "Damit habe ich nichts zu tun, das ist Sache des WDR. Die Zusage, die der WDR zuletzt in Sachen Rassismus gab – die Inhalte wurden bei dem Zusammenschnitt offenbar nicht gewissenhaft geprüft."

WDR entfernt Szene aus Mediathek

Inzwischen wurden die Bilder der Szene aus der Sendung geschnitten. Der Ton ist bei der Passage weiterhin zu hören, zu sehen ist aber eine Texttafel, in der auf den Fehler hingewiesen wird.

In der Mediathek steht unter dem Video: "In diesem Video ist ein Ausschnitt aus 2010 enthalten, den wir entfernt haben. Er zeigt Personen mit 'Blackfacing' auf der Bühne. 'Blackfacing' wird mittlerweile im Karneval zurecht kritisiert und verpönt. Die Szene hätte nicht in den Zusammenschnitt aufgenommen werden dürfen".

Blackfacing wertet Schwarze ab

Blackfacing ist eine Art von Rassismus, die auf das 18. und 19. Jahrhundert zurückgeht. Damals traten in sogenannten Minstrel Shows weiße Menschen auf. Sie schminkten ihre Gesichter schwarz und werteten Schwarze ab. Die Shows dienten der Unterhaltung, häufig wurden die Sprache und der Tanzstil von Afroamerikanern karikiert. Beim Blackfacing machten sich die Menschen also über Schwarze lustig. Zusätzlich wurde durch solche Auftritte Sklaverei gerechtfertigt.

An diesem Vorgehen wird zudem kritisiert, dass es dadurch quasi keine schwarzen Darsteller gab. Ihnen wurden Auftritte nicht zugetraut.

Bereits zweiter Rassismus-Eklat

Erst kürzlich stand der WDR in der Kritik, nachdem in seiner Sendung "Die letzte Instanz" vier weiße Prominente über Rassismus diskutiert hatten. Viele Zuschauer kritisierten, dass die Gesprächspartner naiv, unkritisch und empathielos mit dem Thema umgegangen seien. Zudem hatten die Prominenten rassistische Begriffe verteidigt. Der WDR hatte daraufhin angekündigt, sich stärker im Bereich Rassismus zu engagieren. Zudem plant der WDR einen Schwerpunkt zum Thema Rassismus im März.

(pas)

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