Harvey Weinstein: In einem Gerichtsgebäude in Manhattan wurde ihm der Prozess gemacht.
Harvey Weinstein: In einem Gerichtsgebäude in Manhattan wurde ihm der Prozess gemacht.
Bild: Getty Images/ Spencer Platt

Hollywoodmogul drohen 29 Jahre Haft: In wenigen Stunden wird Weinsteins Strafmaß verkündet

10.03.2020, 16:01

Mehr als 80 Frauen werfen Weinstein sexuelle Übergriffe vor. Die Anschuldigungen gegen den Produzenten waren 2017 der Anfang der #MeToo-Bewegung. Die Bewegung feierte das Urteil gegen Weinstein Ende Februar als Meilenstein – kritisierte aber auch, dass Weinstein nicht in allen Anklagepunkten für schuldig befunden worden war.

Jahrzehntelang beschäftigte Harvey Weinstein vor allem Schauspieler, Regisseure und Produktionsassistenten. Derzeit besteht das Team des früheren Hollywood-Moguls aus Anwälten, Sprechern, Krisenmanagern – und seit neuestem auch aus einem eigenen "Gefängnis-Berater".

Ende Februar sprach eine Jury den 67-Jährigen wegen Sexualverbrechen schuldig, an diesem Mittwoch soll das Strafmaß bekannt gegeben werden. Weinstein drohen bis zu 29 Jahre Haft.

Harvey Weinstein: Die Aufnahme stammt vom 24. Februar. An diesem Tag wurde er für schuldig gesprochen.
Harvey Weinstein: Die Aufnahme stammt vom 24. Februar. An diesem Tag wurde er für schuldig gesprochen.
Bild: imago images/ ZUMA Press

Das Urteil von Harvey Weinstein

Die Staatsanwaltschaft forderte Richter James Burke im Vorfeld noch einmal zu einer harten Strafe auf. Weinstein habe jahrzehntelang Frauen missbraucht und zeige bislang keine Reue. Die Liste seiner Vergehen verdeutliche "ein Leben voller Missbrauch anderer Menschen, sexuellem und sonstigem", sagte Hauptanklägerin Joan Illuzzi. Weinsteins Verteidigung hatte bereits angekündigt, in Revision gehen zu wollen.

In dem aufsehenerregenden Prozess ging es vor allem um zwei Vorwürfe: Weinstein soll 2006 die Produktionsassistentin Mimi Haleyi zum Oralsex gezwungen und die heutige Friseurin Jessica Mann 2013 vergewaltigt haben. Die zwölf Geschworenen der Jury befanden Weinstein der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung für schuldig. Nicht schuldig sei er in den beiden schwersten Anklagepunkten des "raubtierhaften sexuellen Angriffs" sowie eines noch schwereren Vorwurfs bezüglich Vergewaltigung.

Jessica Mann: Sie ist eine der Frauen, die vor Gericht erschienen sind.
Jessica Mann: Sie ist eine der Frauen, die vor Gericht erschienen sind.
Bild: Getty Images/ David Dee Delgado

Mit dem Strafmaß und einer möglichen Revision sind die juristischen Kämpfe für Weinstein noch lange nicht vorbei. In Los Angeles wurde er ebenfalls wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung angeklagt, auch dort könnte es zum Prozess kommen. Davon abgesehen verhandeln seine Anwälte weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit zivilen Klägerinnen um Entschädigungen.

Weinstein hat einen Gefängnis-Berater angeheuert

Ein längerer Gefängnisaufenthalt ist Weinstein so gut wie sicher, weswegen er Ex-Produzent Craig Rothfeld anheuerte, der nach einem eigenen Gefängnis-Aufenthalt eine spezielle Beratungsfirma gegründet hat. "Wenn du weggesperrt wirst, dann ist das wie eine Art Bermuda-Dreieck", sagte Rothfeld der "New York Times".

Rikers Island: In diesem Gefängnis möchte Weinstein nicht seine Strafe absitzen.
Rikers Island: In diesem Gefängnis möchte Weinstein nicht seine Strafe absitzen.
Bild: Getty Images/ John Moore

Er habe sich mit Weinstein und Mitgliedern seiner Familie getroffen, sagte Rothfeld. Schon direkt nach der Urteilsverkündung half er dem gesundheitlich angeschlagenen Weinstein dabei, nicht sofort in das berüchtigte New Yorker Gefängnis Rikers Island eingeliefert zu werden, sondern zunächst einmal in ein Krankenhaus.

Weinstein möchte in der Nähe von New York bleiben

Rothfeld bereitete den 67-Jährigen darauf vor, was ihn nach der Verkündung des Strafmaßes erwartet. Wie jeder andere Verurteilte in New York auch soll Weinstein zunächst in eine Einrichtung in Fishkill etwa 100 Kilometer nördlich der Millionenmetropole gebracht werden. Dort wird entschieden, in welches Gefängnis der Ex-Produzent kommt. Gefängnis-Berater Rothfeld will bis zuletzt die Verantwortlichen davon überzeugen, Weinstein in ein Gefängnis mit speziellen medizinischen Vorkehrungen zu bringen.

Zudem wolle der Produzent in eine Einrichtung, die nah an der Millionenmetropole New York liege oder in der viele Inhaftierte jüdisch seien, sagte Rothfeld der "New York Times". Als Gefängnis-Berater sei er "Therapeut, Rabbi, Priester, Eheberater und großer Bruder", so Rothfeld.

(iger/dpa)

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