30.11.2022, Berlin: Natalie Amiri, Journalistin, nimmt am "Frauen100x Politics-Dinner" im Berliner Luxushotel Adlon teil. Bei der Veranstaltung hatten sich die Teilnehmerinnen
Natalie Amiri kritisierte die deutsche Außenpolitik bei "Maischberger".Bild: dpa / Fabian Sommer
TV

"Maischberger": ARD-Moderatorin übt deutliche Kritik an Annalena Baerbock

19.01.2023, 06:13

Im Iran tobt ein Kampf um die Freiheit: Seit vier Monaten protestieren Iraner:innen gegen das Mullah-Regime. Dieses schlägt die Proteste seit dem ersten Tag brutal nieder, hat bereits Tausende inhaftiert und einige Menschen hingerichtet.

Journalistin und ARD-Moderatorin Natalie Amiri berichtete bei "Maischberger" von den Protesten im Iran, von Folterungen in Gefängnissen und Vergewaltigung als Kriegswaffe.

Außenministerin Annalena Baerbock und die Bundesregierung forderte sie auf, den Iran stärker zu unterstützen, denn sie fürchtet: "Die Brutalität wird steigen."

Das waren die Gäste bei "Maischberger" am 18. Januar:

  • Norbert Röttgen (CDU), Politiker
  • Ralf Stegner (SPD), Politiker
  • Andrij Melnyk, Vize-Außenminister der Ukraine
  • Natalie Amiri, Journalistin und ARD-Moderatorin
  • Hubertus Meyer-Burckhardt, Moderator und TV-Produzent
  • Sarah Bosetti, Satirikerin und Autorin
  • Christoph Schwennicke, Journalist, "Cicero"-Chefredakteur

Amiri: "Vergewaltigung wird als Waffe eingesetzt"

"Das Regime möchte die Menschen brechen", beschrieb ARD-Moderatorin Natalie Amiri das Vorgehen des iranischen Regimes. Um die Proteste im eigenen Land niederzuschlagen setze das Mullah-Regime derzeit alles erdenklich Brutale ein. Die Menschen sollen zum Schweigen gebracht werden.

20.000 Menschen hat das Mullah-Regime bereits inhaftiert, es gab Hinrichtungen. "Vergewaltigung wird als Waffe eingesetzt", berichtete Natalie Amiri. Doch bei "Maischberger" zeigte sich die langjährige Teheran-Korrespondentin überzeugt:

"Die Bevölkerung ist nicht mehr mundtot zu machen."

Die Legitimität des Regimes im Iran sei nicht mehr gegeben und dafür würden die Menschen auch ihr Leben aufs Spiel setzen.

Propaganda des Mullah-Regimes

Pressemeldungen, wonach Irans Justiz die Sittenpolizei abgeschafft und tausend Frauen begnadigt habe, entlarvte Amini als "Propagandameldungen des Regimes". Die Unwissenheit im Westen über die tatsächliche Situation im Iran würde uns diese Meldungen glauben lassen.

Dennoch bezeichnete Amini die Proteste als Erfolg. Tausende Frauen würden sich in Teheran derzeit ohne Kopftuch auf die Straße begeben und damit unbändigen Mut zur Schau stellen.

Aus ihrer Zeit als Korrespondentin der ARD in Teheran von 2015 bis 2020 weiß Amini: "Das ist eine Form des zivilen Ungehorsams, den es nicht gab, als ich Korrespondentin war." Und sie weiß auch: "Diese junge Bevölkerung will einfach ein Leben in Freiheit."

"Haltungsfrage": Kritik an deutscher Außenpolitik

Bei "Maischberger" kritisierte Natalie Amiri die Reaktion der Bundesregierung und auch speziell Annalena Baerbocks auf die Proteste im Iran sowie auf das Agieren des Mullah-Regimes. Annalena Baerbock hatte vor ihrem Antritt als Außenministerin explizit eine feministische Außenpolitik gefordert.

Dass die Grünen-Ministerin bereits mehrmals den iranischen Botschafter einbestellte, bringt laut Amini "überhaupt nichts". "Wenn Annalena Baerbock möchte, dass die Frauen gleichberechtigt sind im Iran, wenn sie wirklich umsetzen möchte, was sie verspricht, dann darf man dieses Regime nicht stärken", so Amini.

Die Reaktion auf das Mullah-Regime sei eine "Haltungsfrage", die jede Politikerin und jeder Politiker stellen müsse.

Bis heute ist Deutschland der wichtigste Handelspartner der iranischen Republik. Doch auch mit Blick auf die politischen Verstrickungen des Regimes um Ruhollah Chomeinei – der Unterstützung des Assad-Regimes, dem Krieg im Jemen und auch der Militärhilfe für Putin – sollte Deutschland sich laut Natalie Amini fragen, was es für die Welt bedeuten könnte, wenn der Iran ein freies Land wäre.

In dieser Frage, aber auch für ihren Auftritt insgesamt bei "Maischberger" bekam Natalie Amiri auf Twitter viel Zuspruch.

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