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TV-Moderator Eckart von Hirschhausen fand bei "Maybrit Illner" deutliche Worte zur Klimapolitik. Bild: Screenshot / zdf

"Geht mir dermaßen auf den Sack": Hirschhausen spricht in Klima-Diskussion bei "Maybrit Illner" Klartext

Charlotte Zink

So war die letzte Sendung vor Illners Sommerpause nicht geplant gewesen: Eigentlich hätte es am Donnerstagabend um das Thema "Außenpolitik nach Merkel" gehen sollen, doch angesichts der aktuellen Flut-Katastrophe diskutierte Illner mit ihren Gästen stattdessen die Frage: "Regenflut und Hitzerekorde – schutzlos in der Klimakrise?"

CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet, der eigentlich im Studio hätte Platz nehmen sollen, ließ sich im Regenmantel aus dem Fluten-gebeutelten Stolberg in NRW in die Runde zuschalten.

Armin Laschet berichtete von erschütternden Erfahrungen nach Flut in NRW

Besonders bewegt hätten ihn in den vergangenen Stunden zwei Ereignisse, berichtete Laschet von vor Ort: Der Tod eines 46-jährigen Feuerwehrmanns, der kurz nach der Rettung eines Mannes in Altena gestorben sei. Und: Das Schicksal einer Frau, deren zerstörte Wohnung er besucht habe. "Alle Lebenserinnerungen sind weg", so Laschet über das Flutopfer.

"Das Denken an die Opfer ist genauso wichtig, wie die politische Diskussion", betonte der Ministerpräsident aus Stolberg. Auch machte er deutlich, dass es nun darum gehe, zeitnah zu handeln. "Wir brauchen jetzt hier eine große nationale Kraftanstrengung, damit schnell die schlimmsten Dinge beseitigt werden", sagte der CDU-Chef.

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CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet wurde aus Stolberg zugeschaltet. Bild: Screenshot / zdf

Einzig in der Rolle als fürsorglicher Landesvater ließ Illner Laschet am Donnerstagabend jedoch nicht aus ihrer Sendung entkommen. Sie fühlte dem Kanzlerkandidaten im Sinne des Sendungsthemas auch bezüglich seiner Klimaschutzambitionen auf den Zahn.

"Mein Ziel ist es, dass wir Industrieland bleiben", stellte Laschet klar. Das solle jedoch "klimaneutral" erfolgen. Zudem solle die deutsche Wirtschaft wettbewerbsfähig gehalten und verhindert werden, dass Produktionen ins Ausland abwanderten. Schließlich sei es dem Klimaschutz nicht förderlich, wenn CO2 lediglich an anderer Stelle ausgestoßen werde, so der Kanzlerkandidat. Und weiter:

"Bei der Klimapolitik müssen wir zusammenrücken."

Das bedeute auch, den Dialog mit Staaten zu suchen, mit denen Zusammenarbeit sonst schwierig ist. Illners Kritik an zu langsamer Klimapolitik der CDU, wies Laschet zurück. Die große Koalition habe für den Klimaschutz so viel geleistet, wie keine Koalition seit vielen Jahren, so der CDU-Chef.

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CDU-Klimaexperte Andreas Jung bei "Maybrit Illner". Bild: Screenshot / zdf

Karl Lauterbach wies CDU-Klimaexperte zurecht

Eine Lanze für die Klimapolitik unter Unionsbeteiligung brach auch der CDU-Klimaexperte, Andreas Jung – und fing sich prompt eine Zurechtweisung von SPD-Politiker Karl Lauterbach ein. "Wir müssen mehr machen, aber wir haben unser Klimaziel von 40 Prozent 2020 erreicht", hatte Jung bei Illner verkündet.

Lauterbach stellte klar: Von den 40 Prozent Emissionen, die Deutschland seit 1990 eingespart habe, seien 20 Prozent durch den Wegfall der Industrie in den neuen Bundesländern eingespart worden. Folglich sei innerhalb von 30 Jahren der CO2-Ausstoß netto nur um 20 Prozent reduziert worden. Bis 2045 müsste jedoch noch 60 Prozent, sprich dreimal so viel, CO2 gespart werden. "Wenn wir das wirklich schaffen wollen, müssen wir massiv ausbauen", so der SPD-Mann mit Blick auf erneuerbare Energien.

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Die Talkrunde bei "Maybrit Illner". Bild: screenshot / zdf

Eckart von Hirschhausen kritisierte Klimapolitik

Dass politisch deutlich mehr passieren muss, beklagte auch Arzt Eckart von Hirschhausen: "Die Warnungen sind da, die Belege sind da, die Möglichkeiten sind technisch da und es ist auch genügend Geld da", sagte der Arzt mit Blick auf den Klimawandel. "Es fehlt der politische Wille!", so seine knallharte Analyse der stockenden Maßnahmen.

Im Zusammenhang mit dem Klimawandel wolle er nicht über Infrastruktur reden, sondern über Menschen, sagte der Klimaaktivist außerdem. Zu Illners Vergnügen brach es aus ihm heraus:

"Diese Priorisierung von Wirtschaft geht mir dermaßen auf den Sack!"

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Eckart von Hirschhausen lieferte Klimaschutzmöglichkeiten im ZDF. Bild: screenshot / zdf

Stattdessen müsse der Fokus auf Nachhaltigkeit gelegt werden. "Die Klimakrise ist die größte Gesundheitsbedrohung, die wir haben", sagte von Hirschhausen deutlich. Jeder könne etwas tun, um seinen Beitrag zum Schutz des Klimas zu leisten: Wählen gehen, das Konto zu einer nachhaltigen Bank verlegen oder Ökostrom beziehen, nannte von Hirschhausen als einige Beispiele.

Zum Schluss ihrer Sendung legte auch Illner ihren Zuschauern – wenn auch zaghaft ­– nahe, den Klimaschutz im Sinn zu behalten. Dann verabschiedete sie sich in Sommerpause. Pünktlich einen Monat vor der Bundestagswahl, wird sie am 26. August wieder auf Sendung sein.

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