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Marlene Lufen hat auf Instagram die Folgen des aktuellen Lockdowns in Deutschland kritisiert. Bild: screenshot instagram

"Was Sie sagen ist.... Apokalypse": Sat.1-Moderatorin diskutiert mit Lauterbach über Lockdown-Video

SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach hat in der Sendung "Stern TV" auf RTL am Mittwochabend das Lockdown-kritische Video der Sat.1-Moderatorin Marlene Lufen gelobt. Es sei richtig, diese Diskussion zu führen, sagte er. Allerdings verwies er darauf, dass es gute Gründe gebe, am Lockdown trotz aller Bedenken wegen möglicher psychischer und sozialer Folgen festzuhalten.

Lufen hatte kürzlich ihre Zweifel am aktuellen Lockdown in Deutschland in einem Instagram-Video geteilt. "Ich habe das Gefühl, dass wir in zwei, drei Jahren zurückgucken auf diese Zeit und denken, wir haben es falsch gemacht", sagte die Moderatorin in dem Video, das sie am Montag veröffentlichte. Probleme wie psychische Krankheiten, die sich während des Lockdowns verschlimmern könnten, oder steigende Zahlen von Gewaltfällen in Familien würden derzeit nicht genug betrachtet.

Lufen distanziert sich von Schwurblern – bekommt aber Zustimmung von der AfD

Die Sat.1-"Frühstücksfernsehen"-Moderatorin distanziert sich in dem Video ausdrücklich von Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern. "Jeder, der Bedenken an den Maßnahmen äußert, bei dem wird vermutetet, dass er in die Richtung Trump-Wähler, Michael Wendler oder Attila Hildmann geht. Nichts von alledem ist bei mir der Fall", betonte sie. Lufen erhielt für ihre Äußerungen viel Zuspruch. Auch viele Promis, darunter Sylvie Meis, Motsi Mabuse und Bettina Zimmermann, zeigten unter dem Clip ihre Unterstützung.

Dennoch bekam sie auch Zustimmung aus Corona-Leugner-Kreisen, etwa von der AfD. Ob sie davor keine Angst gehabt habe, fragt Moderator Steffen Hallschka sie. "Angst ist immer ganz schlecht", erwiderte sie. Die Botschaft sei langsam in ihr gewachsen. "Warum sehen wir nicht die Gesamtproblematik? Einzelne Bereiche haben sich immer mal zu Wort gemeldet, hatten aber keine Chance gegen die Macht der Virologen und der Wissenschaft." Es gebe für alles Statistiken, aber nicht für die psychischen und sozialen Folgen, hakt Hallschka ein.

Lauterbach versichert: Sehen gesamtgesellschaftliches Bild

Lauterbach widerspricht: Es gebe sehr wohl Studien dazu. "Wie hat sich Zahl der Depressiven verändert, wie haben sich die Selbstmordraten verändert, haben Angststörungen und Anpassungsstörungen zugenommen?" Er finde es großartig, dass sie das Video gemacht habe, erklärte er in Richtung von Lufen weiter. "Das ist eine Diskussion, die wir führen müssen." Es gehe Drosten und Wiehler jedoch nicht nur um die Infektionszahlen. "Drosten sieht das gesamtgesellschaftliche Bild", war er sich sicher.

Das ließ Lufen nicht gelten: "Sie sehen es, aber es spielt in der Öffentlichkeit keine Rolle. Wir sehen immer nur die Zahlen der Infizierten und Toten, aber wir sehen nicht die Zahl der Depressiven und Einsamen." Er rede das nicht klein, beharrte Lauterbach. Es sei wichtig, und darüber müsse gesprochen werden. Trotzdem wolle er mal dagegenhalten: "Ihr zentraler Punkt ist ja, in ein paar Jahren werden wir sagen, das hätten wir so nicht machen dürfen. Wir werden durch die Lockdown-Maßnahmen aber ein paar Hunderttausend Menschenleben gerettet haben." Und das betreffe nicht nur über 80-Jährige. Ein Drittel der Opfer sei unter 80.

"Wenn wir die Fallzahlen senken, dann können wir auch wieder freier leben."

Lufen bezeichnete das als "schwierige Modellrechnung". Sie sei nicht grundsätzlich gegen den Lockdown, aber plädiere dafür, die Maßnahmen anzupassen und zu schauen, wo Menschen, die besonders leiden, zu einem normalen Leben zurückkehren könnten. Lauterbach warnte daraufhin, man habe nun mal die gefährlichen Mutationen nicht im Griff. "Wovor wir Angst haben, ist, dass die Mutationen selbst dann Leute infizieren, wenn man es schon hatte, oder geimpft ist, oder Medikamente bekommt", erläuterte er seinen Standpunkt.

Das wiederum wollte Lufen nicht hören. "Was Sie sagen ist.... Apokalypse", entfuhr es ihr. Sie verwies auf "unfassbar viele" Teenager, die zu Hause säßen und seelisch verkümmerten. "Und das ist ein großes Problem, Herr Lauterbach." Lauterbach wiederholte geduldig, er finde ihren Ansatz ja nicht falsch. Er wolle nur dafür werben, zu verstehen, dass man die Möglichkeit habe, die Situation durch den Lockdown wieder in den Griff zu bekommen. "Wenn wir die Fallzahlen senken, dann können wir auch wieder freier leben."

(om)

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