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Ist zurück nach elf Monaten Pause: Satiriker Jan Böhmermann. Bild: WDF / Jens Koch

Echte Wut auf Rechte und Reiche: Böhmermann überrascht beim TV-Comeback

Wer hätte das ahnen können? Der "blasse, dünne Junge" ist zurück und versteckt sich nicht mehr hinter schützender Ironie. In der Premiere des "ZDF Magazin Royale" lederte Jan Böhmermann gegen Verschwörungstheoretiker, Rechte, Superreiche und andere fragwürdige Existenzen – ganz ernsthaft.

Es sind keine einfachen Zeiten, auch nicht für Satiriker. Die Realität, sie scheint jede noch so absurde Überspitzung (Stichwort Trump, Stichwort Wendler, Stichwort mutierendes Virus in Nerzfarmen) zu überholen. Wie würde sich Jan Böhmermann mit seiner neuen Show, dem "ZDF Magazin Royale", in dieser Lage schlagen? Erstmals im Hauptprogramm, erstmals mit neuer Produktionsfirma, erstmals ohne Sidekick und Corona-bedingt ohne Band und Publikum im Studio – würde Böhmi etwas anders machen als in den sechs Jahren zuvor bei ZDFneo?

Um es kurz zu machen: aber hallo! Ohne Krawatte ("Die war Party machen in Berlin und musste in Quarantäne!") setzte der 39-Jährige bei der Premiere am Freitag auf etwas geradezu Altmodisches: auf Ernsthaftigkeit. Die Themen, die Böhmermann in seiner 30-minütigen Sendung sezierte: soziale Ungleichheit, Nazis, rechte Netzwerke in der Bundeswehr, Antisemitismus, korrupte Reiche, Verschwörungstheoretiker. Den kopflosen Wendler parodierte er als Handpuppe Spencer aus der Kindersendung "Hallo Spencer". Die Handpuppe beschwerte sich, dass "wir alle von einer unbekannten Hand gesteuert werden!"

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Früher Held aller Kinder, nun Aluhutträger: Puppe Spencer. Bild: screenshot zdf

Böhmermann ist wütend über "die ungleiche Verteilung von Geld und Gut"

Ungewohnt ernst wurde Böhmermann auch, als es um die Auswirkungen der wirren Worte von prominenten Verschwörungstheoretikern wie Wendler, Hildmann und Co. Im Messengerdienst Telegram ging: "Es ist eben nicht egal, was da alles geschrieben wird, das muss man mal ganz direkt so sagen", sagte Böhmermann mal ganz direkt so. Unbemerkt von Polizei und Verfassungsschutz könnten Verschwörungsschwurbler auf Telegram ungestört ihren Müll verbreiten, so "the Real Jan Böhmermann", der in gerade einmal sieben Tagen beim Messengerdienst mehr als 100.000 Follower gesammelt hatte. Er postete seinerseits nur "Yogitee-Weisheiten", weil es absolut nicht gehe, die Fake-Parallelwelt mit noch mehr Fake-Realitäten zu befeuern.

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Jan Böhmermann machte sich in seiner ZDF-Premiere über die Verschwörungsschwurbler auf Telegram lustig. Bild: screenshot zdf

Das größte Problem der Gesellschaft sei "die ungleiche Verteilung von Geld und Gut", kritisierte Böhmermann. Dann teilte er gegen Reiche aus, die sich ums Steuerzahlen drückten (Jeff Bezos) oder ihren Reichtum auf dem Leid anderer Menschen aufgebaut haben. Er klang dabei wirklich wütend:

"Sieben der elf reichsten Familien Deutschlands sind so vermögend, weil sie früher mit den Nazis zusammengearbeitet haben."

Neue moralische ZDF-Instanz? Er meint es wirklich ernst

Was wirklich neu ist: Im "ZDF Magazin Royale" traut sich Jan Böhmermann hervor hinter der schützenden Mauer aus ironischer Distanz. Er meint das jetzt wirklich so. Ob die Schenkelklopfer auf dem Sofa da mitziehen? Es dürfte dem 39-Jährigen ziemlich egal sein. "Gegenwind ist mein zweiter Vorname" hatte er in einem Interview vorab zu Protokoll gegeben.

Dass aus dem rappenden "Polizistensohn" 2020 eine neue moralische Instanz im TV auf den Spuren des einstigen ZDF Magazin-Moderators Gerhard Löwenthal werden könnte, gehört zweifelsohne zu den guten Nachrichten in einem an guten Nachrichten armen Jahr. Für die Schenkelklopfer-Fraktion gibt es ja ohnehin schon genug alternative Angebote. Und im Abspann durften Scooter noch mal herzhaft ihren Hit "Fuck 2020!" shouten.

(tsch)

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