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Karl Lauterbach sprach bei "Hart aber fair" über die Krankenhausreform.Bild: IMAGO/NurPhoto / Christian Marquardt
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Nach Spitze gegen Lindner bei "Hart aber fair": Lauterbach verteidigt FDP-Politiker – "immer fair"

08.11.2022, 12:12
christian stüwe

Die Corona-Pandemie spielt angesichts der anderen Krisen wie dem Krieg in der Ukraine und der Inflation momentan nicht die ganz große Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Inzidenzen bleiben dennoch hoch, nach wie vor sterben Tag für Tag mehr als 100 Menschen an und mit Covid-19. Für das Gesundheitssystem ist die Belastung weiterhin groß, vor dem dritten Corona-Winter seien "die Krankenhäuser platt", sagte Frank Plasberg am Montagabend zu Beginn seiner ARD-Talkshow. Plasberg stellte deshalb folgende Frage: "Corona-Brennpunkt Krankenhäuser – zermürbt und angeschlagen wie das ganze Land?"

Das Oktoberfest trieb die Infektionszahlen in München vorübergehend in enorme Höhen, mittlerweile scheint die Wiesn-Welle gebrochen. Dass das Volksfest stattfand, sei die richtige Entscheidung gewesen, erklärte Karl Lauterbach, schränkte dann aber ein: "Schön war es nicht." Die Leute seien größtenteils ungetestet auf das Oktoberfest gegangen, Masken wurden nur selten getragen. Deshalb seien Menschen krank geworden, deshalb seien Menschen gestorben.

Mit folgenden Gästen diskutierte Frank Plasberg am Montagabend:

  • Karl Lauterbach: Der SPD-Politiker ist Bundesgesundheitsminister
  • Klaus Holetschek: Der CSU-Politiker ist Bayerischer Staatsminister für Gesundheit und Pflege
  • Lisa Schlagheck: Die Krankenpflegerin arbeitet in der Notaufnahme des Universitätsklinikum Münster
  • Christina Berndt: Die Journalistin ist Wissenschaftsredakteurin bei der "Süddeutschen Zeitung"
  • Martin Machowecz: Der Journalist leitet das Ressort "Streit" bei der "Zeit"
PRODUKTION - 31.10.2022, Nordrhein-Westfalen, Köln: Der Moderator Frank Plaßberg steht nach einer live Produktion der Diskussionssendung "Hart aber fair" im Studio Foto: Henning Kaiser/dpa + ...
Frank Plasberg diskutierte mit seinen Gästen.Bild: dpa / Henning Kaiser

Mit Blick auf eine mögliche Winterwelle plädierte Lauterbach für "maßvolle Einschränkungen", wie Masken in Innenräumen oder Testpflicht vor Restaurantbesuchen: "Wenn die Leute getestet ins Restaurant gehen, schmeckt der Wein nicht schlechter." Martin Machowecz konnte dafür kein Verständnis aufbringen, die Lage gebe derzeit keine Grundrechtseinschränkungen mehr her, sagte der "Zeit"-Journalist. Angesichts der allgemein schwierigen Zeit plädierte er dafür, wieder zu einem freien Leben zurückzukehren und Isolationspflichten aufzuheben.

Krankenpflegerin Schlagheck berichtet von der Situation in der Notaufnahme

Christina Berndt widersprach. "Man hätte bessere Vorkehrungen treffen müssen", sagte die "SZ"-Journalistin mit Blick auf das Oktoberfest und berichtete von der Überlastung in Münchens Kliniken. Ein echtes Streitgespräch entstand aber nicht, denn im weiteren Verlauf der Sendung wurde vor allem über die Lage in Deutschlands Krankenhäusern gesprochen, für die Corona ein "Brennglas" gewesen sei, wie Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek bemerkte: "Dahinter steckt ein Systemfehler im Gesundheitssystem." Corona könne nun "ein Booster" sein, die Fehler im Gesundheitssystem zu beheben.

Erfahrungen aus erster Hand trug Lisa Schlagheck vor. Es gehöre zum Alltag, dass Patientinnen und Patienten auf dem Gang behandelt würden, erzählte die Krankenpflegerin von der Notaufnahme des Uniklinikums Münster:

"Wir sind überlastet aufgrund der Ökonomisierung des Gesundheitswesens, aufgrund von Personalmangel. Corona ist noch das i-Tüpfelchen."
Lisa Schlagheck

Regelmäßig sei der Andrang in der Notaufnahme kaum zu bewältigen, berichtete Schlagheck und erzählte von einem Fall, bei dem sie zwischen einem schwerverletzten Unfallopfer und einem schwerkranken Patienten hin- und herrennen musste, da keine andere Pflegekraft im Dienst war. "Wir spielen Tetris. Wir müssen für jeden Notfallpatienten einen Platz finden. Und das dauert manchmal Stunden", sagte Schlagheck.

Klaus Holetschek sieht "humanitäre Katastrophe" auf Pflege zukommen

Ob sie sich vorstellen könne, in dem Beruf alt zu werden, wollte Plasberg von der 30-jährigen Krankenpflegerin wissen. "Nein, leider nicht", antwortete Schlagheck und sorgte für betroffene Gesichter in der Runde. Holetschek sprach angesichts des Personalmangels sogar von einer "humanitären Katastrophe", die sich in der Pflege anbahne.

"Ich denke, dass wir das durch Reformen in den Griff bekommen werden", versprach daraufhin Lauterbach. Durch unnötige Eingriffe hätten Krankenhäuser Gewinne erwirtschaftet, erklärte der Bundesgesundheitsminister, das Pflegepersonal habe dafür die Mehrarbeit leisten müssen. Das Krankenhauspflegeentlastungsgesetz soll nun Abhilfe schaffen, überflüssige Eingriffe verhindern und die umstrittenen Fallpauschalen abschaffen. Das Gesetz werde in den nächsten Monaten kommen, sagte Lauterbach, der "eine dramatische Entökonomisierung der Krankenhausversorgung" versprach.

Karl Lauterbach kündigt größte Reform seit 20 Jahren an

CSU-Politiker Holetschek stimmte Lauterbach grundsätzlich zu, bemängelte aber einige handwerkliche Fehler im Gesetzesentwurf, wie beispielsweise die nicht Berücksichtigung von Hebammen. "Wir brauchen eine Revolution der in der Pflege", forderte der bayerische Gesundheitspolitiker und sprach über bezahlbaren Wohnraum und Kinderbetreuung für Pflegekräfte.

"Es wird die größte Reform im Krankenhaussektor seit 20 Jahren", kündigte Lauterbach an: "Es wird schwer werden, der Widerstand wird gigantisch sein." Holetschek hatte angesichts der teuren Finanzierung der Krankenhausreform offenbar Bedenken, dass Finanzminister Christian Lindner von der FDP sein Veto einlegen könnte. "Der Eindruck, dass der Finanzminister stärker Gesundheitspolitik macht als der, der eigentlich das Ressort innehat, ist schon da", stichelte der bayerische Gesundheitsminister.

Lauterbach verteidigt Christian Lindner

Daraufhin sah sich Karl Lauterbach genötigt, den Ampel-Kollegen Lindner zu verteidigen. "Das Lindner-Bashing hat ja derzeit Hochkonjunktur. Meine Zusammenarbeit mit Christian Lindner war aber immer fair", berichtete der Bundesgesundheitsminister und verwies auf das Acht-Milliarden-Euro-Paket, das er mit Lindner und Wirtschaftsminister Robert Habeck ausgehandelt habe, um in Zeiten stark steigender Preise die Energieversorgung der Krankenhäuser abzusichern.

"Das ist eine Riesensumme. Da hat Christian Lindner voll mitgetragen", sagte Lauterbach. "Das ist eine Selbstverständlichkeit", warf Holetschek ein und sorgte für ein kurzes Wortgefecht an einem Abend, an dem ansonsten ziemlich konstruktiv diskutiert wurde. "Wenn etwas gelungen ist, selbst mit der FDP, muss man es würdigen können, wenn es dem Bürger zugutekommt", hatte Lauterbach das letzte Wort.

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