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Carlo Masala ist Professor an der Universität der Bundeswehr in München.Bild: screenshot zdf
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"Maybrit Illner": Militärexperte Masala über Kriegsverbrechen in Butscha – "Das ist Systematik"

08.04.2022, 06:37

"Werte, Waffen, Wirtschaftskraft – mit aller Macht gegen Putin?" – zu diesem Thema diskutierte am Donnerstagabend Moderatorin Maybrit Illner mit ihren Gästen. Auch die Gräueltaten der russischen Armee im ukrainischen Butscha waren Gegenstand der Debatte.

Militärexperte Carlo Masala gab eine ernüchternde Einschätzung über den Verlauf des Krieges in der Ukraine ab und bezeichnete die Kriegsverbrechen der russischen Armee als "Militärstrategie".

Die ukrainische Verlegerin und Autorin Kateryna Mishchenko drängte derweil auf eine stärkere und schnellere Unterstützung durch Deutschland. Auch die deutsche Gesellschaft müsse mehr Verantwortung übernehmen.

Das waren die Gäste bei "Maybrit Illner" am 7. April:

  • Christian Dürr (FDP), Fraktionsvorsitzender im Bundestag
  • Friedrich Merz (CDU), Partei- und Fraktionsvorsitzender
  • Kateryna Mishchenko, ukrainische Verlegerin und Autorin
  • Stefan Wolf, Präsident Arbeitgeberverband Gesamtmetall
  • Carlo Masala, Militärexperte, Professor für Internationale Politik

Kriegsverbrechen in Butscha – Einzelfall oder Militärstrategie?

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Friedrich Merz sprach sich bei "Maybrit Illner" gegen ein vollständiges Energie-Embargo gegen Russland aus.Bild: screenshot zdf

Die Bilder der Verwüstungen und Leichen sowie die Berichte über die verübten Kriegsverbrechen in der ukrainischen Stadt bei Kiew haben in den vergangenen Tagen weltweit für Entsetzen gesorgt. Laut Militärexperte Carlo Masala werden dies jedoch nicht die letzten derart schrecklichen Bilder aus dem Kriegsgebiet sein, die uns erreichen werden. Er ist sich sicher:

"Das ist kein Zufall, das ist Systematik."

Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz schloss sich dieser Einschätzung an. Derartige Bilder gebe es nicht zum ersten Mal. Putin habe eine ähnliche Militärstrategie bereits in Syrien und Tschetschenien angewandt.

Und auch Christian Dürr (FDP) erklärte, Butscha werde nicht der einzige Gräuelort dieser Art bleiben. Der Fraktionsvorsitzende der FDP im Bundestag zog daraus einen Schluss: "Wir haben jetzt Handlungsoptionen, die wir nutzen müssen."

Energie-Embargo gegen Russland – ja oder nein?

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Stefan Wolf war als Vertreter von Unternehmen in Deutschland zu Gast bei "Maybrit Illner".Bild: screenshot zdf

Währenddessen werden die Rufe nach einem kompletten Energie-Embargo innerhalb der Europäischen Union immer lauter. Stefan Wolf, Unternehmer und Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, warnte vor diesem Schritt. Wörtlich sprach er von einem drohenden "Kollaps der deutschen Industrie" und einem "massiven Wohlstandsverlust in diesem Land".

Ökonominnen und Ökonomen, so zeigte es ein Einspieler bei "Maybrit Illner", sind sich bis heute über die Folgen eines Importstopps von russischem Gas uneinig.

Friedrich Merz wog die moralische Verantwortung gegenüber der Ukraine und die Verantwortung gegenüber der deutschen Gesellschaft in seiner Haltung zum Energie-Embargo ab. Der 66-Jährige plädierte dafür, nicht selbst den Gashahn zuzudrehen, sondern eher darauf zu warten, bis Putin es von sich aus tue – auch, wenn die ökonomischen Folgen "gleichermaßen katastrophal" wären.

Carlo Masala kritisierte an der Diskussion in Deutschland zum Energie-Embargo, dass diese sehr binär geführt werde. Es gebe mehr als nur ein schlichtes "Ja" oder "Nein" zum Gasausstieg. So könnte man beispielsweise Importzölle auf russisches Öl und Gas erheben und einen späteren Ausstieg planen.

Kateryna Mishchenko drängt auf deutsche Verantwortung

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Kateryna MIshchenko ist vor zwei Wochen mit ihrem Sohn aus Kiew geflohen.Bild: screenshot zdf

"Werte, Waffen, Wirtschaftskraft – mit aller Macht gegen Putin?" – die Diskussion zu dieser Frage zeugte von viel Vorsicht und wenig Entschlossenheit. Genau das kritisierte die Ukrainerin Kateryna Mishchenko. Die Mitautorin des Maidan-Buches "Ukrainische Nacht" drängte auf mehr Schnelligkeit, sowohl bei den Sanktionen als auch bei Waffenlieferungen.

Immer wieder lenkte Mishchenko die Diskussion weg von den eintönig ökonomischen Argumenten. Auf eindrückliche Weise erklärte sie: "Die Ukrainer heute sind keine Helden. Das sind einfach Menschen, die leben wollen und die sich schützen wollen und die auch Verantwortung übernehmen für ihr Land."

In Zeiten eines solchen Krieges müsse die Frage im Vordergrund stehen, in welcher Welt man leben möchte und wofür es gelte, Verantwortung zu übernehmen. Den Argumenten von unschätzbaren Folgen für die deutsche Gesellschaft setzte sie deutliche Worte entgegen. "Wir in der Ukraine können ja auch nicht abschätzen – wir machen einfach", formulierte Mishchenko. Das sei nun mal die Situation in einem Krieg.

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