Was bleibt der "heute-show" anderes übrig? Jetzt ist Putin Top-Thema in der Satire-Show.
Was bleibt der "heute-show" anderes übrig? Jetzt ist Putin Top-Thema in der Satire-Show.zdf

"heute-show" über Putin: "Botoxfresse mit Großmacht-Komplex"

jürgen winzer
Satire auch in schlimmen Zeiten: Die "heute-show" (ZDF) wütete über die "Botoxische Männlichkeit" und den Geisteszustand Putins, staunte über einen unerwarteten Geldsegen von historischem Ausmaß für einen geschundenen Verein und schunkelte im Rhythmus zu einem Friedens-Hit im neuen Textgewand.
05.03.2022, 09:23

"Im Lockdown sind viele verrückt geworden: Nena, der Wendler. Warum nicht auch der Wladimir?", fragte sich Moderator Oliver Welke in der ersten "heute-show" (ZDF) nach dem russischen Überfall auf die Ukraine – ehe er mit Russlands Präsidenten, "der Botoxfresse mit Großmacht-Komplex", hart ins Satire-Gericht ging.

Größten Respekt und große Solidariät gab es dagegen für die "unfassbar tapferen Ukrainer", die sich teilweise mit selbstgebastelten Molotow-Cocktails den Eindringlingen entgegenstellen und ihren Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. "Der hält eisern die Stellung und liefert Sätze für die Ewigkeit", so Welke. Ein Angebot der Amerikaner, ihn in Sicherheit zu bringen, lehnte er demnach wohl mit den ab: "Ich brauche Munition und keine Mitfahrgelegenheit." Nicht nur Welke zeigte sich erstaunt: "Ausgerechnet ein gelernter Komiker zeigt der Welt mal eben, wie Mut geht." Den direkten Vergleich mit Selenskyj habe Putin um Längen verloren. Und auch sonst: "Das Stigma dieses brutalen Überfalls auf ein friedliches Nachbarland, das wird dieser Kriegsverbrecher nie wieder los."

Die "heute-show"-Mannschaft um Oliver Welke machte in starken Worten und Bildern klar, was sie vom Kriegstreiben von Wladimir Putin hält.
Die "heute-show"-Mannschaft um Oliver Welke machte in starken Worten und Bildern klar, was sie vom Kriegstreiben von Wladimir Putin hält.zdf

"Staatschulden gehören allen. Da ist der Staat sehr großzügig"

Putin bringe Leid und Schrecken über die Ukraine, dafür aber verursache er kleine Sensationen in der westlichen Welt. "Die EU hat sich innerhalb weniger Tage auf etwas geeinigt!", jubelte Welke. Die Nato steht so einig (in der entschiedenen Ablehnung des Krieges) wie selten. Andere bezeichneten Putin deshalb schon als "Nato-Mitarbeiter des Monats".

Auch in Deutschland habe Putin eine "historische Zäsur" ausgelöst: Deutschland liefert Waffen. Deutschland wird, so versprach Kanzler Scholz, demnächst die schon seit Ewigkeiten von (unter anderem) Amerika eingeforderten zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes in die Verteidigung stecken. Und: Die Bundeswehr wird mit 100 Milliarden Euro aufgepäppelt.

Dieses sofortige zusätzliche "Sondervermögen" – "klingt geiler als 'Schulden'!" – sei indes auch dringend nötig, bemerkten sowohl Welke als auch Gernot Hassknecht (Hans-Joachim Heist). Der wunderte sich vor allem, wo "der große Scholzini" dafür die Kohle hergezaubert hat. Das beantwortete Christian Lindner (FDP) in einem Einspieler "erfrischend ehrlich", wie es Welke kommentierte: "Von Ihnen!", also vom Steuerzahler. Welke: "Ja, Staatsschulden gehören allen, da ist der Staat immer sehr großzügig."

Olaf Scholz und die Bundesregierung schütten das Füllhorn über der Bundeswehr aus. 100 Milliarden "Sondervermögen" gehen an die Truppe.
Olaf Scholz und die Bundesregierung schütten das Füllhorn über der Bundeswehr aus. 100 Milliarden "Sondervermögen" gehen an die Truppe.zdf

Experten: Die Bundeswehr ist verteidigungsunfähig

Die Investition sei überfällig. Zum einen, weil die Bundeswehr über Jahre hinweg systematisch "kaputtgespart" worden sei und deshalb zum anderen ihren im Grundgesetz verankerten Auftrag nicht mehr leisten könne: die Verteidigung des Landes. Hassknecht: "Ja, die Bundeswehr würde sich ausnahmsweise auch mal über ein fliegendes Flugzeug und ein schwimmendes Schiff freuen."

Es wird also wieder aufgerüstet, sogar die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht werde ins Gespräch gebracht. Und all das ausgerechnet 40 Jahre nach Nicoles ESC-Triumph mit "Ein bisschen Frieden" im englischen Harrogate. Darüber machte sich Friedemann Weise sehr kreativ Gedanken. Abgesehen davon, dass er errechnete, dass die 100-Milliarden-Euro-Spritze umgerechnet 0,5 Millionen pro Bundeswehr-Soldat bedeute, dichtete er das Erfolgslied von Nicole um. Welke: "Schlimmes Lied, wichtiger Text."

So geht das neue Lieblingslied der Rüstungsindustrie

"Wir war'n viel zu lange viel zu naiv, wir wollten den Frieden, aber ohne den Krieg.

Wir glaubten an Worte, aber nicht den Beschuss, doch damit ist jetzt endlich Schluss.

Die Rüstungskonzerne ham wir kritisiert, doch unsere Meinung jetzt revidiert: Stell dir vor es ist Krieg und kein Panzer ist da, drum fordern wir mehr Etat!

Ein bisschen mehr Geld für warme Mützen für die Soldaten, die uns beschützen.

Ein bisschen mehr Geld für Munitionen, und zwar für Waffen an unseren Drohnen.

Ein bisschen mehr Geld, 100 Milliarden, das kann man dann doch beim Klima sparen.

Was bringt uns Windkraft, wenn wir bedroht sind, wer soll noch gendern, wenn alle tot sind.

Sing mit mir ein kleines Lied für die Rüstungsindustrie."

Die dürfte ohnehin schon fröhlich summen. Welke: "Nachdem Kanzler Scholz das 100-Milliarden-Paket verkündet hatte, kletterte der Aktienwert des Rüstungskonzern Rheinmetall um 40 Prozent."

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
"Bridgerton"-Fans in Aufregung: Netflix geht ungewöhnlichen Weg mit Staffel 3

Erst seit Ende März ist zweite Staffel von "Bridgerton" auf Netflix verfügbar, doch schon jetzt ist die kommende dritte Staffel in aller Munde. Bislang folgte die Handlung der Serie ihrer literarischen Vorlage, genauer gesagt den "Bridgerton-"Romanen von Julia Quinn. Nun aber steht fest: In Staffel drei wird es erstmals eine große Abweichung vom Original geben. Dies verkündete die Penelope-Featherington-Darstellerin Nicola Coughlan auf ihrem Instagram-Account.

Zur Story