Für Klima-Aktivistin Luisa Neubauer ist der Weg ganz logisch im Krieg Russlands gegen die Ukraine.
Für Klima-Aktivistin Luisa Neubauer ist der Weg ganz logisch im Krieg Russlands gegen die Ukraine. bild: screenshot zdf

"Markus Lanz": Luisa Neubauer reagiert genervt auf Diplomaten-Aussage – "Geisterszenarien"

04.03.2022, 18:34

Seit einer Woche verteidigen sich die Ukrainer tapfer gegen den Überfall der russischen Armee. Europa hat vergleichsweise schnell reagiert mit Sanktionen für Russland und Lieferungen von Verteidigungswaffen für die Ukraine. Markus Lanz bespricht mit seinen Gästen, wie es wohl weitergehen könnte. Während insgesamt eher abwartende Ratlosigkeit herrscht, hat ein Gast eine Forderung. Im Studio anwesend sind:

  • Omid Nouripour, Grünen-Parteichef
  • Luisa Neubauer, "Fridays for Future"-Sprecherin
  • Irina Scherbakowa, Mitbegründerin der russischen Menschenrechtsorganisation "Memorial"
  • Rüdiger von Fritsch, Ex-Diplomat in Moskau
  • Helene Bubrowski, "FAZ"-Politikexpertin

Waffenlieferungen: So hilft Deutschland der Ukraine

Grünen-Chef Omid Nouripour muss sich mit Dingen beschäftigen, die er nie wollte.
Grünen-Chef Omid Nouripour muss sich mit Dingen beschäftigen, die er nie wollte.bild: screenshot zdf

Grünen-Chef Omid Nouripour kennt die Ukraine gut von mehreren Besuchen und hat auch noch einige Kontakte dahin. Er berichtet von Leuten, die sagten "Angst haben wir nicht" und die sich nicht unterkriegen lassen. Putin habe den Widerstandswillen der Ukrainer unterschätzt, findet Nouripour. Und dann gebe es ja auch die Hilfe u.a. aus Deutschland. Als Markus Lanz ihn dann aufzählen lässt, welche Waffen genau die Bundesregierung in Richtung Ukraine erlaubt hat, freut sich der Moderator: "Da sitzt der Chef der Grünen und sagt dir, was wir alles an Waffen in ein Kriegsgebiet liefern..." Nouripour hat sich einen Satz für den Zwiespalt der Grünen als Friedenspartei zurechtgelegt:

"Wir machen Dinge, die wir nie wollten, weil Dinge passieren, die wir nie wollten."
Omid Nouripour

Das sei auch eine Folge von Versäumnissen der Vorgänger-Regierungen. Man müsse nun in der Energiepolitik und auch sonst "alle liegen gebliebenen Hausarbeiten mit großer Geschwindigkeit" abarbeiten.

Bürgerrechtlerin Irina Scherbakowa ist aus Moskau zugeschaltet, Helene Bubrowski und Rüdiger von Fritsch hören zu.
Bürgerrechtlerin Irina Scherbakowa ist aus Moskau zugeschaltet, Helene Bubrowski und Rüdiger von Fritsch hören zu.bild: screenshot zdf

Ein schwieriges Thema sind in Russland die Menschenrechte. Schon 1987 hat Irina Scherbakowa die Menschenrechtsorganisation "Memorial" mitbegründet, nun wurde sie verboten. Sie sei so "niedergeschmettert" wie noch nie zuvor in ihrem Leben angesichts der aktuellen Situation, verrät Scherbakowa aus Moskau zugeschaltet. Und sie ist nicht die Einzige:

"Die Menschen um mich herum verlassen, so gut es geht, das Land."
Irina Scherbakowa

"Ein Sieg des reinen Bösen kann nicht lange halten"

Zu bis zu 15 Jahren Haft könne man in Russland für "Kriegspropaganda für die Ukraine" verurteilt werden, wobei man das Wort "Krieg" nicht für die Handlungen der russischen Armee benutzen dürfe, das sei schon ein Straftatbestand, genau wie das Tragen von gelb-blauen Bändchen. Sie ist aber überzeugt, dass das Ende von Putins Regime bereits begonnen hat. "So ein Sieg des reinen Bösen kann nicht lange halten, in meinen Augen." Aber es steht für sie jetzt schon fest: "Der Preis wird unglaublich hoch sein."

FAZ-Journalistin Helene Bubrowski fragt sich, wie der Westen weiter in der Ukraine reagieren wird.
FAZ-Journalistin Helene Bubrowski fragt sich, wie der Westen weiter in der Ukraine reagieren wird. bild: Screenshot zdf

Diesen Preis bezahlen gerade vor allem die Ukrainer. Die "FAZ"-Journalistin Helene Bubrowski ist beeindruckt von deren "Bereitschaft, ins Kanonenrohr zu gucken und trotzdem da zu sein". Für sie stellt sich die Frage, wie es weitergeht, wenn Russland den Krieg gewinnen sollte, ein Marionetten-Regime in der Ukraine installiert und im schlimmsten Fall den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ermordet. "Zucken wir betroffen mit den Schultern? Ist das alles? Gucken wir dann einfach zu und sind betroffen?"

Luisa Neubauer drängt darauf, durch alternative Energien unabhängig von Russland zu werden.
Luisa Neubauer drängt darauf, durch alternative Energien unabhängig von Russland zu werden.bild: screenshot zdf

Die "Fridays for Future"-Sprecherin Luisa Neubauer sieht die größte Handlungsverpflichtung bei den Gas-, Öl- und Kohlelieferungen, die trotz Sanktionen und Swift-Bann der meisten russischen Banken weiterlaufen. Jeden Tag bekommt Russland 700 Millionen Dollar für die Energieträger. Da schicke man Waffen zur Unterstützung in die Ukraine, finanziere aber gleichzeitig die russische Armee über die Energiekäufe, findet sie. "Das ist so eine weirde Situation." Für sie kommt nur ein völliger Verzicht auf Energieträger aus Russland in Frage.

Da mischt sich der Ex-Diplomat Rüdiger von Fritsch ein. "Ich fürchte, dass Wladimir Putin diese Situation, die sich Frau Neubauer wünscht, schon morgen herstellen könnte." Er meint, Putin könne die Gaslieferungen einfach einstellen. Und dann führt er noch das Beispiel der Rentnerin an, der man dann erklären müsse, warum sie den dritten Winter nicht heizen könne, weil das nicht-russische Gas so teuer sei.

Luisa Neubauer reagiert entsetzt

Luisa Neubauer entgleiten die Gesichtszüge, so dass Markus Lanz später scherzhaft sagt, man solle das doch bitte nochmal als Zeitlupe einspielen. Aber Neugebauer ist es ernst. Von Fritsch solle mal "die Geisterszenarien von der frierenden Rentnerin im Keller lassen", fährt sie den Ex-Diplomaten an. Man könne ja Häuser dämmen und wenn die Handwerker fehlen, wie Markus Lanz einwirft, Leute umschulen. Man solle lieber dafür sorgen, dass "Putin nicht weiter durch deutsche Stromrechnungen finanziert wird". Und außerdem: "Ganz konkret steht Frieren für Menschen in Deutschland nicht auf der Agenda."

Ex-Diplomat Rüdiger von Fritsch, im Hintergrund der Präsident des größten russischen Ölkonzerns Rosneft, Igor Setschin.
Ex-Diplomat Rüdiger von Fritsch, im Hintergrund der Präsident des größten russischen Ölkonzerns Rosneft, Igor Setschin.bild: screenshot zdf

Aber Rüdiger von Fritsch ist skeptisch, wie man mit Wladimir Putin umgehen sollte. "Putin lebt in einer völlig verzerrten Wahrnehmung der Wirklichkeit." Der russische Präsident habe schon immer eine "latente Aggressivität" unter seiner ruhigen Oberfläche gehabt, nun sei sie aber dauerhaft sichtbar. "Da ist niemand mehr, der ihn kontrolliert, man muss sich fragen, ob ihn noch jemand berät."

Das sehe man daran, dass er mit seinem Verhalten den Westen und die Nato eher gestärkt und sein eigenes Land geschwächt habe.

"Er macht sich das Erreichen aller geostrategischen Ziele unmöglich, die er im Dezember noch angeführt hat. Er ist besessen von seinen großrussischen Träumen."
Rüdiger von Fritsch

Putin setze auf alte Muster aus Sowjetzeiten, Angst und Repressalien, um Unzufriedenheit bei der Bevölkerung zu unterdrücken. Denn vor deren Kraft habe er Angst. Von Fritsch hat zwei Hoffnungen: Dass sich Putin noch an die Bündnisverpflichtung innerhalb der Nato erinnert (und deshalb keinen Nato-Staat angreift) und dass es jemanden in verantwortlicher Position in der Nähe Putins gibt, der ihn vor der allerletzten Eskalation stoppt. Derjenige müsse aus den Nachrichtendiensten oder Streitkräften kommen oder aus verantwortungsvoller und mächtiger Position in der Wirtschaft. Der Präsident des größten russischen Ölkonzerns Rosneft zum Beispiel, Igor Setschin.

Er ist ein langjähriger Weggefährte Putins, der nach Rüdiger von Fritschs Einschätzung aber etwas in Ungnade gefallen ist, was man daran sehen könne, dass Purin ihm den deutschen Ex-Kanzler Gerhard Schröder als Aufsichtsratschef vor die Nase gesetzt hat.

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