Annalena Baerbock ist seit 2018 Co-Chefin der Partei Bündnis '90/Die Grünen.
Annalena Baerbock ist seit 2018 Co-Chefin der Partei Bündnis '90/Die Grünen.Bild: screenshot zdf

Kritik an Ampel-Koalition: Baerbock und Lindner bei "Maybrit Illner"

22.10.2021, 06:4622.10.2021, 09:28

Im Wahlkampf haben sie noch rhetorische Granaten aufeinander abgefeuert, nun stehen sie kurz davor Seite an Seite mit der SPD ein vierjähriges Bündnis einzugehen: Annalena Baerbock und Christian Lindner. Beide waren am Donnerstagabend zu Gast bei "Maybrit Illner".

Während eine mögliche Ampel-Koalition in den Bereichen Harmonie und Geschlossenheit bereits glänzt, fehle es in ihrem Sondierungspartei entschieden an konkreten politischen Inhalten. Dies jedenfalls kritisierte CDU-Präsidiumsmitglied Norbert Röttgen.

Annalena Baerbock jedoch wusste die Angriffe aus der voraussichtlichen Opposition jedoch zu kontern.

Das waren die Gäste bei "Maybrit Illner" am 21. Oktober 2021:

  • Annalena Baerbock (B '90/Die Grünen), Parteivorsitzende
  • Christian Lindner (FDP), Parteivorsitzender
  • Norbert Röttgen (CDU), Mitglied CDU-Präsidium
  • Herfried Münkler, Politikwissenschaftler
  • Christiane Hoffmann, Autorin im Hauptstadtbüro des "Spiegel"

Norbert Röttgen kritisiert Ampel-Sondierungspapier

Norbert Röttgen ist seit 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages.
Norbert Röttgen ist seit 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages.Bild: screenshot zdf

Rund vier Wochen nach der Bundestagswahl haben SPD, Grüne und FDP bereits sondiert und stehen kurz vor Beginn der gemeinsamen Koalitionsverhandlungen. Norbert Röttgen, der das gut inszenierte Koalitions-Schauspiel neuerdings von der Warte der Opposition beobachten muss, kritisierte das vorgelegte Sondierungspapier der drei Parteien bei "Maybrit Illner":

"Da ist noch ganz wenig Politik drin."

Und auch "Spiegel"-Autorin Christiane Hoffmann äußerte die Sorge, eine zukünftige Ampel-Koalition könnte dem rhetorisch gesetzten Erwartungsfeuerwerk nicht gerecht werden. Die Gefahr sei, dass die Pläne einer Jahrhundertwende die tatsächlichen Beschlüsse eines Koalitionsvertrages auseinanderklaffen könnten.

"Maybrit Illner": Harald Münkler und Annalena Baerbock optimistisch

Auch Politikwissenschaftler Herfried Münkler erkannte den hohen Maßstab, den die politischen Verhandler von SPD, Grünen und FDP gesetzt haben und an dem sie sich messen lassen müssen. Münkler sah darin auch eine Hoffnung: "Es ist ein Projekt, von dem man sagen kann, es ist weit angelegt, es hat eine Perspektive."

Christian Lindner gegen Corona-Kredite

Christian Lindner führt die Koalitionsverhandlungen für die FDP als Parteivorsitzender.
Christian Lindner führt die Koalitionsverhandlungen für die FDP als Parteivorsitzender. Bild: screenshot zdf

Vieles von dem, was vielen zu unkonkret erscheint, verbleibt auch nach dieser "Maybrit Illner"-Sendung im Klaren. Allein beim Thema Finanzierung legt Christian Lindner sich einmal ganz genau fest. Der FDP-Chef erteilte einer Finanzierung der Transformation durch Corona-Hilfen und durch das Schlupfloch eines ungedeckelten Staatshaushaltes im Jahr 2022 eine klare Absage.

Für seriös befand Journalistin Christiane Hoffmann vom "Spiegel" die Finanzplanung der zukünftigen Ampel-Koalition dennoch nicht. Und auch Norbert Röttgen beklagte: "Wie die Aufgabe rein mathematisch aufgeht, das ist noch nicht annähernd klar."

Annalena Baerbock wischte eine solche Kritik in der Talkshow cool vom Tisch. Die Vorwürfe Röttgens, die geplante Klimapolitik der Ampel-Koalition sei gar rückschrittlich, nannte sie "absurd". Sie stellte klar:

"Wenn wir die Ziele unterschreiten würden, könnten wir dieses ganze Papier nehmen und in den Mülleimer schmeißen."

Gemeinsam mit Christian Lindner hielt sie sich an die Verabredung zwischen SPD, Grünen und FDP keine Details aus den Verhandlungen preiszugeben und auch öffentlich keine Ämter zu verteilen. Davon, was alles nicht gehe, das machte Baerbock deutlich, will sie sich nicht ablenken lassen.

Denn, so die Grünen-Chefin selbstbewusst, dies seien genau die Muster, die die GroKo dazu geführt hat, in den vergangenen Jahren "nichts zu verändern".

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