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"ZDF Magazin Royale": ZDF streicht Sendung aus Programm

Jan Böhmermann im Studio.
Es gab für Jan Böhmermann eine kurzfristige Programmänderung beim ZDF.Bild: ZDF und Jens Koch
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"ZDF Magazin Royale" fällt aus – Sender streicht Show aus dem Programm

12.03.2023, 13:53
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Jan Böhmermanns Late-Night-Satire wurde am Freitagabend nicht im linearen Fernsehen ausgestrahlt. Wie es vom Sender heißt, verzichtet Jan Böhmermann und das "ZDF Magazin Royale" "aus Pietätsgründen" auf ihre Sendung. Die Folge beschäftigte sich mit Bestattungen. Mit Blick auf den Amoklauf in Hamburg wollen sie das demnach nicht ausstrahlen.

Die Bestattungsbranche macht jährlich zwei Milliarden Euro

In der Mediathek ist die neue Folge vom "ZDF Magazin Royale" verfügbar und thematisierte Bestattungsunternehmen und das Business dahinter. Sie wurde am Donnerstag vor den Ereignissen in Hamburg aufgezeichnet. "Diese Sendung geht an alle, die sterben müssen", teasert Böhmermann seine Show an. Bestattungsunternehmen hätten ein krisenhaftes Business, so der ZDF-Satiriker. Von Delfin- bis Erdbeerurnen, sollen sie ein Rundum Paket für Angehörige anbieten.

In Deutschland gilt Beisetzungspflicht und Friedhofszwang. Das Aufbewahren von Urnen und die Bestattung im eigenen Garten ist gesetzlich verboten. Ein Grund mehr, weshalb die Bestattungsbranche ein lukrativer Markt ist. In einem eingespielten Beitrag vom NDR heißt es: "Die deutsche Bestattungsbranche setzt im Jahr rund zwei Milliarden Euro um. Tendenz steigend." "Der Tod bringt Umsatz", kommentiert Böhmermann.

Muslimische Friedhöfe: Kein Platz zum sterben

In Deutschland sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen auf Friedhöfen fest geregelt. Wird dabei die Würde aller Verstorbenen in Deutschland berücksichtigt? "Es gibt keinen einzigen Friedhof in muslimischer Trägerschaft", berichtet Böhmermann. Dabei leben in Deutschland rund 5,5 Millionen Muslime. Oftmals werden sie am selben Tag noch in die Heimat verfrachtet, weil muslimische Bestattungen so schnell wie möglich nach dem Tod stattfinden.

In Deutschland dauert es vom Zeitpunkt des Todes bis zur Bestattung ganz oft mehrere Tage bis Wochen. Für muslimische Bürger:innen, die nach dem Koran bestattet werden sollen, ist das keine Option. "Wer hätte ahnen können, dass Menschen, die in Deutschland leben, auch irgendwann hier sterben?", so Böhmermann.

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Für Tote ohne Angehörige übernimmt der Staat die Bestattungskosten. Dabei werde so wenig wie möglich Geld ausgegeben. Sozialwissenschaftlerin Dr. Francis Seeck erklärt: "Ordnungsbehördliche Bestattungen treffen Menschen, die in der Regel schon in der Lebenszeit diskriminiert wurden. Dazu zählen wohnungslose und arme Menschen." Das war mal anders. Bis 2004 hat das Sterbegeld in der gesetzlichen Krankenkasse dafür gesorgt, dass alle Menschen mit Würde begraben werden können.

Die Kosten für eine Bestattung werden seit 2004 nicht mehr durch das gesetzliche Sterbegeld der Krankenkassen unterstützt. Dafür sei Gerhard Schröder und seine Rotgrüne Regierung verantwortlich gewesen sein, so Böhmermann. "Seit 2004 ist in Deutschland die unsichtbare Hand des Marktes für Bestattungen zuständig", führt er weiter aus.

Schockierende Berichte aus der Bestattungsbranche

"Bestattungen […] sind ein Business und der Totenmarkt ist umkämpft. Bestatter:innen müssen effizient und günstig sein, damit die Vertriebsoffensive läuft", so Böhmermann mit satirischem Beigeschmack. Dabei soll nicht immer sauber gearbeitet werden. Das berichtet Christoph Keldenich von der "Verbraucherinitiative Bestattungskultur". Er erzählt von schockierenden Berichten einiger Kunden, die ihre toten Angehörigen nackt und in unmöglichem Zustand in Särgen gesehen haben sollen.

Jan Böhmermann im Studio.
Ganz ohne Sarkasmus kommt Böhmermann bei dem Thema nicht aus.Bild: ZDF und Jens Koch

"Wer überprüft die Arbeit von Menschen, die mit Toten ihr Geld verdienen?", fragt Böhmermann. "Eine Ausbildung ist keine Pflicht, um in der Branche zu arbeiten. Alles, was man braucht, ist ein Gewerbeschein", heißt es in einem Beitrag vom RBB. Man brauche nicht mal ein polizeiliches Führungszeugnis. "Kann es sein, dass es ein bisschen unseriös ist?", fragt Böhmermann sein Publikum.

Der "Bundesverband Deutscher Bestatter e.V." bietet in einem Ausbildungszentrum in Münnerstadt eine Lehre für den Bestatter-Beruf an. "In Münnerstadt werden seit 2010 sogar Meistertitel vergeben und Thanatopraktiker ausgebildet – Fachleute für Totenmasken, Einbalsamierung und Rekonstruktionen zerstörter Leichname", heißt es in einer "Spiegel"-Recherche. Gelernt werde mit echten Leichen. Hinterbliebene der Toten sollen darüber nicht informiert worden sein. Ein Schweinfurter Bestatter soll Leichen in Ausbildungszentrum gebracht haben.

"Gegen den Mann wird nun wegen Störung der Totenruhe ermittelt", wird weiter in dem "Spiegel"-Artikel ausgeführt. Dieser Bestatter wurde jedoch freigesprochen, denn die Angehörigen sollen den Bestatter laut Gericht beauftragt haben und ihm die Totenfürsorge mitübertragen. Daher sei der Transport ins Ausbildungszentrum nicht strafbar.

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"Im Grunde können Bestattungsunternehmen machen, was sie wollen. Da ist das Ausbildungszentrum nur ein Beispiel für. Und damit keiner traut nachzufragen, versteckt sich die Bestattungsbranche gerne hinter Begriffen wie Pietät, Würde und Vertrauen", schließt Böhmermann die Sendung ab.

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