Jan Böhmermann hat wieder einmal für aufgebrachte Stimmen gesorgt.
Jan Böhmermann hat wieder einmal für aufgebrachte Stimmen gesorgt.Bild: ZDF
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Eklat um das "ZDF Magazin Royale": Böhmermann schreibt Christian Lindner zur Fahndung aus

26.11.2022, 12:3105.01.2023, 11:23

Das Vorspiel zum "ZDF Magazin Royale" begann am Donnerstagabend um 18.01 Uhr. Der Twitter-Account der Satire-Show postete den "Hashtag der Woche": #rafdp. Am Freitagmittag um 12.10 Uhr legte Jan Böhmermann dann auf seinem eigenen Twitter-Account nach. Er postete ein Fahndungsplakat, das stilistisch an jene Aushänge erinnerte, mit denen in den 1970er Jahren nach den Mitgliedern der linksextremen Terrororganisation "Rote Armee Fraktion" (RAF) gefahndet wurde.

Darauf zu sehen waren Finanzminister Christian Lindner und seine Ehefrau, die "Welt"-Reporterin Franca Lehfeldt. Weitere "Welt"-Journalist:innen wie Chefredakteur Ulf Poschardt oder Herausgeber Stefan Aust wurden zur Fahndung ausgeschrieben, aber auch FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, Springer-Chef Matthias Döpfner oder der Komiker Dieter Nuhr. "Linksradikale Gewalttäter" und "Lindner/Lehfeldt-Bande" stand darüber.

Der Zusammenhang zwischen diesen Personen war relativ schnell hergestellt. Fast alle hatten sich in den vergangenen Tagen und Wochen negativ über die Protestaktionen der "Letzten Generation" geäußert und den sich auf Straßen, an Gemälden oder zuletzt am Rollfeld des Berliner Flughafens festklebenden Aktivist:innen eine Radikalisierung vorgeworfen oder sie mit Terrorist:innen verglichen.

Jan Böhmermann solidarisiert sich mit der "Letzten Generation"

Und tatsächlich nutzte Böhmermann dann auch die neueste Ausgabe seiner Late-Night-Show, um sich mit der "Letzten Generation" zu solidarisieren und die FDP und die "Welt" auf satirische Art und Weise in die Nähe terroristischer Organisationen zu rücken.

"Wir leben in radikalen Zeiten. Junge Menschen werfen Tomatensuppen auf van Goghs, nur weil sie keine Lust haben, auf einem brennenden Planeten zu leben", sagte der ZDF-Satiriker und zeigte anschließend einen Ausschnitt aus dem Spielfilm "Der Baader Meinhof Komplex", in dem eine Terroristin auf das Auto von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer schießt.

"Das war die 'Rote Armee Fraktion', die RAF. Die Klima-RAF ist nur noch eine Suppe, einen Pritt-Stift davon entfernt, den Arbeitgeberpräsidenten zu erschießen, meine Damen und Herren", warnte der ZDF-Satiriker mit gespielter Aufgeregtheit weiter: "Es droht eine neue RAF. Das könnte man zumindest meinen, wenn man den Mainstream-Medien glaubt. Aber wir vom 'ZDF Magazin Royale' sind nicht Mainstream, wir haben recherchiert."

Jan Böhmermann: "Die FDP ist die neue RAF"

Die wahren Staatsfeinde würden sich hinter einer bürgerlichen Fassade verstecken und höchste Regierungsämter besetzen, erzählte der Showmaster. "Welchen Ort sucht sich Genosse Lindner aus, um zu heiraten? Ausgerechnet die Punker-Insel Sylt! Eine Insel voller Anarchisten und Arschlöcher. Man hätte es kommen sehen können: Die FDP ist die neue RAF", erklärte Böhmermann und erntete Gelächter.

Dann widmete sich der Entertainer der "Welt". Das klein geschriebene "e" im Schriftzug der Zeitung erinnere an Bekennerschreiben der RAF, die "Welt" sei "der publizistische Arm der neuen RAF. "Die RAF fand den Staat scheiße, die Welt findet den Staat scheiße", erklärte Böhmermann und warnte, dass Deutschland "nicht länger zusehen darf, wie diese Verrückten den Umsturz planen."

Ebenso hanebüchen wie amüsant waren die 30 Minuten "ZDF Magazin Royale" am Freitagabend, der Hintergedanke der Sendung wurde schnell deutlich. Böhmermann zeigte auf, wie die "Letzte Generation" zuletzt unter anderem von Teilen der FDP und den Springer-Medien in die Nähe radikaler Organisationen gerückt wurde und versuchte, diese nun mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.

Empörte Reaktionen bei Twitter: Ist Böhmermann zu weit gegangen?

Über diesem Ansatz steht aber einmal mehr die Frage, ob Böhmermann nicht zu weit gegangen ist. Den Finanzminister und Journalist:innen auf ein Fahndungsplakat zu drucken, ist definitiv grenzwertig und rief schon vor der Ausstrahlung der Sendung empörte Reaktionen hervor.

"Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Hetze zu Gewalttaten gegen die hier zu Terroristen erklärten Andersdenkenden führt. Das Blut klebt damit an seinen zwangsgebühren-finanzierten Händen", schrieb der auf dem Plakat abgebildete Ulf Poschardt auf Twitter."Das geht zu weit. Satire darf alles. Aber nicht alles ist Satire. Das hier ist Heimtücke", twitterte der "RTL"-Journalist Nikolaus Blome.

Ob man das Vorgehen von Jan Böhmermann nun gutheißt oder verurteilt, die neueste Ausgabe des "ZDF Magazin Royale" vom Freitagabend wird in den nächsten Tagen mit Sicherheit für Diskussionen und Gesprächsstoff sorgen. Und genau darum geht es Jan Böhmermann und seinem Satireformat letztlich.

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