Markus Lanz
Markus Lanz diskutiert mit seinen Gästen über die WM-Vergabe an Katar.Bild: ZDF / Markus Hertrich / Markus Hertrich
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Sportjournalist Breyer bei "Lanz": "Katar hat den Fußball gekauft, aber der Fußball hat sich auch kaufen lassen"

09.11.2022, 07:14
Bleranda shabani

#BoycottQatar, ein Appell, der insbesondere in der letzten Zeit in den sozialen Medien – und auch in Fußballstadien – zu sehen ist. Wie hat Katar es geschafft, die WM ins Land zu holen und trotz aller Kritik zu behalten? Ein Land, welches für Menschenrechtsverletzungen und Intoleranz bekannt ist und somit den vermeintlichen Werten der Fifa widerspricht. Wer hat das zugelassen? Diese Fragen bespricht Markus Lanz heute mit seinen Gästen.

Markus Lanz' Gäste am Dienstagabend

  • Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Politikerin
  • Jochen Breyer, ZDF-Sportjournalist
  • Sylvia Schenk, Sportexpertin von "Transparency Int. Deutschland"
  • Mark Schieritz, Wirtschaftskorrespondent der "Zeit"

Offizieller Botschafter der WM: "Gay is haram"

Der ZDF-Sportexperte Jochen Breyer reiste für die Doku "Geheimsache Katar" (in der ZDF-Mediathek) in das Emirat. Er erzählt, wie er Katar wahrgenommen hat und berichtet von Gier und Käuflichkeit im Zusammenhang mit der Fußball-WM. Für die journalistische Arbeit sei die Dokumentation sehr schwierig gewesen.

Neben der ständigen Begleitung eines Pressesprechers, habe man wiederholt klären müssen, was gefilmt werden darf und was nicht. Zur Unterstützung habe das ZDF-Team einen Pressesprecher aus Katar bekommen. "In Wahrheit kontrolliert er das Journalisten-Team", berichtet Breyer, "für einen Journalisten hinter die Fassade zu schauen, ist sehr schwer." Das Klischee der "zweifelhaften Ansicht auf Homosexualität und Frauenrechte" sei mit der Reportage bestätigt worden, stellt Breyer fest.

Journalist und Sportmoderator Jochen Breyer auf Reportagereise in Katar.
Journalist Jochen Breyer reiste nach Katar.Bild: ZDF / Mateusz Smolka.

Es wird ein kurzer Clip aus der Reportage gezeigt, in dem der offizielle Botschafter der WM, Khalid Salman, sich zu Homosexuellen äußert: "Gay is haram. It’s a damage in the mind (Schwul sein ist eine Sünde. Es ist ein geistiger Schaden)".

Aussagen aus Katar schockieren

Aussagen, die keinen schockieren dürften. Alle wussten, wie die Lage in Katar ist. Nichtsdestotrotz folgte die Entscheidung, die WM an sie zu vergeben. "Man hätte die Diskussion 2010 führen müssen, als man die WM erteilt hat", sagt die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Der Sportjournalist Breyer kritisiert die Doppelmoral der Fifa:

"Die Fifa schmückt sich mit Vielfalt, Toleranz und Fairplay und vergibt die WM an ein Land, wo diese Werte nichts zählen, und duckt sich dann noch weg."
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Marie-Agnes Strack-Zimmermann findet, die Diskussion über Katar hätte früher geführt werden müssen.Bild: IMAGO/teutopress / imago images

Menschenrechtsverletzungen in Katar

Wie geht es den Menschen vor Ort? Es gibt auch Kataris, die schwul oder lesbisch sind. Plötzlich wird die erzkonservative Gesellschaft thematisiert und vor allem kritisiert, weil jetzt queere Menschen aus dem Westen anreisen werden. Dabei leben queere Menschen dort alltäglich in Unterdrückung und Angst.

Die Menschenrechtsaktivistin Sylvia Schenk wird nach Katar reisen, um vor Ort die Menschenrechtsverletzungen zu beobachten und zu dokumentieren. Sie wolle die Möglichkeit, dass die ganze Welt nach Katar schaut, nutzen, um etwas zu verändern: "Die WM könnte eine Chance sein, dass zumindest das Strafrecht für Schwule und Lesben abgeschafft wird."

"Haben Sie wirklich die Hoffnung, dass das passiert?", fragt Breyer skeptisch nach. Schnell könne sich da nichts ändern, antwortet sie. Aber man würde ein Signal senden. Nach der WM werde sich niemand mehr für die Menschenrechtsverletzungen in Katar interessieren, wirft Lanz ein.

Die Deutsche Doppelmoral

Moderator Markus Lanz ist genervt von der Doppelmoral, die in Deutschland gepflegt wird. Man würde jetzt quasi verschleiern, wie die Deutschen selber jahrzehntelang mit Homosexualität umgegangen sind und auch heute noch verklemmt seien.

Innenministerin Nancy Faeser ist nach Katar gereist, um dort Sicherheitsvorkehrungen für schwule und lesbische Fans aus Deutschland zu sichern. "Ist das nicht etwas übergriffig?", fragt der Moderator die FDP-Politikerin Strack-Zimmermann, die neben ihm sitzt. "Dass die Innenministerin sicher gehen will, finde ich nicht schlimm", antwortet sie ihm.

Lanz dreht die Diskussion wieder in Richtung Doppelmoral: "Wenn wir es ernst meinen mit Menschenrechten, dann können wir doch nicht um LNG-Terminals betteln und gleichzeitig auch diese Leute einsetzen, damit sie uns einen Kontakt zu den bösen Taliban in Kabul machen, um unsere eigenen Landsleute da rauszuholen. Und dann geißeln wir sie, weil sie eine Fußball-WM machen, die nicht so nach den Regeln läuft, die uns gefallen", kritisiert Lanz die widersprüchliche Vorgehensweise der Deutschen.

Breyer: "Greift zu kurz, mit dem Finger auf Katar zu zeigen"

Katar hat nie behauptet, ein anderes Land zu sein. Katar hat auch nie behauptet, die LGBTQI Community zu akzeptieren. "Es greift zu kurz, mit dem Finger auf Katar zu zeigen. Man sollte den Finger auf die zeigen, die die WM dorthin vergeben haben", fordert Breyer. Man dürfe auch nicht die vergessen, die sich in Europa mit dieser Vergabe ein Vermögen verdient haben. Auf diese WM-Vergabe seien Werte geklebt worden, die nicht drinnen sind, fügt er hinzu.

"Wer sind die Leute, die das ermöglicht haben?", möchte Lanz wissen. Vorerst muss Katar klären, wen sie brauchen, um die WM nach Katar zu bringen, sie zu behalten und sie in den Winter zu verschieben. Alle Clubs in Europa mussten ihre Spielpläne für die Verschiebung verändern.

Luxus-Events und Rolex Uhren

Die Recherche der Reportage hat ergeben, dass es im Jahr 2013 ein exklusives Event – auf Kosten Katars, versteht sich – gegeben hat, zu dem die Vorstände der wichtigsten europäischen Vereine eingeladen waren. Karl-Heinz Rummenigge sei von dieser Veranstaltung mit zwei unverzollten Rolex Uhren zurückgekehrt.

"Ein Informant hat uns berichtet: Das war das Event, wo der europäische Fußball gefügig gemacht wurde. Wo er eingekauft wurde." Rummenigge würde bis heute behaupten, dass die Uhren Geschenke eines Freundes waren. Lanz nimmt Rummenigge überraschend in Schutz und entgegnet: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Rummenigge, der so erfolgreich in diesem Business ist, so eine Entscheidung für zwei Rolex trifft."

"Es geht auch nicht um die Rolex", so Breyer. Vielmehr sei die Uhr ein Symbol dafür, welche Geldflüsse aus Katar kommen. Dort würde man von "Landschaftspflege" sprechen und nicht von Korruption. "Katar hat den Fußball gekauft, aber der Fußball hat sich auch kaufen lassen", schließt der Sportjournalist und Reporter der Dokumentation "Geheimsache Katar" die Thematik ab.

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