RTL-Moderatorin Bella Lesnik tritt beim Schwimmen an.
RTL-Moderatorin Bella Lesnik tritt beim Schwimmen an.bild: screenshot rtl

"Sommerspiele": Der unfaire Vorteil der RTL-Moderatorin im Schwimmwettkampf

17.07.2021, 15:33
dirk krampitz

RTL-Anchorman Peter Kloeppel hat gerade noch die letzten Flutbilder gezeigt, dann wünscht er "und nun gute Unterhaltung".

Während Deutschland von der Flutkatastrophe in Atem gehalten wird und Stimmen in Japan die Absage der Olympischen Sommerspiele wegen der steigenden Corona-Zahlen fordern, veranstaltet der Kölner Sender seine "RTL Sommerspiele": 32 Promis aus 15 Nationen liefern sich an zwei aufeinander folgenden Abenden in 14 klassischen Olympia-Disziplinen Wettkämpfe.

"Dauerwerbesendung" ist vor und während der Sendung eingeblendet. Immerhin halten sich so die Werbepausen in den von RTL Nachtjournal unterbrochenen fünf Stunden Sendezeit in Grenzen. Und alles, was RTL mit dem typischen Anrufergewinnspiel verdient, wird für die Opfer der Hochwasserkatastrophe gespendet. Moderiert wird es von Daniel Hartwich, dessen sportliche Aktivitäten sich auf "Fußball gucken und E-Bike schieben" beschränken. Ihm zur Seite steht Laura Papendick, die betont, dass alle Kandidaten, die sich ja sehr nahe kommen, getestet wurden. "Ich weiß nicht, wie oft wir das Stäbchen in der Nase hatten, Daniel!"“

Die nationale Zuordnung der Kandidaten ist relativ willkürlich. Da reicht eine Familienwurzel oder ein Wohnort. Pochers Ex Allessandra Meyer-Wölden tritt beim Weitsprung der Frauen für die USA an, die Sängerin LaFee für Griechenland und Jasmin "Blümchen" Wagner für Kroatien. Dabei sind die Teilnehmer-Zahlen ungerecht verteilt: Allein 9 Promis treten für Deutschland an. Artistin Lili Paul-Roncalli und Sport1-Moderatorin Sarah Valentina Winkhaus haben beide italienische Wurzeln. Darum treten sie für Italien an. Peinlich: Die Kommentatoren Wolff-Christoph Fuss und Elmar Paulke finden offenbar ihre Aufzeichnungen nicht. Als alle Kandidaten nochmal namentlich vorgestellt werden, sind die beiden nur "die Damen aus Italien". Das wirkt so lieblos wie das ganze Konzept. Man versteht nicht, wer bei welchem Wettbewerb mitmacht und warum er oder sie bei anderen pausiert. Es wirkt wie: Wer gerade Zeit und Lust hat, darf mitspielen.

Dass das keinen irgendwie aussagekräftigen Medaillenspiegel ergeben kann, ist klar. Störte beim Konzept aber offenbar nicht.

Thorsten Legat tritt gegen Evil Jared im Ringen an.
Thorsten Legat tritt gegen Evil Jared im Ringen an.bild: screenshot rtl

Als erstes geht es los mit dem Ringen der Männer. Comedian Özcan Corsar bezeichnet sich als "Geh-heim-Favorit". Und genau das wird er auch. Weil er sich beim Training einen Muskelfaserriss zugezogen hat. Für ihn ist der Volleyball-Olympiasieger Julius Brink kurzfristig eingesprungen. Tänzer Valentin Lusin (Russland) schlägt Brink (Deutschland).

Ex-Fußballer Thorsten Legat (76 Kilo) muss gegen Musiker Evil Jared (100 Kilo) antreten.

"Wenn Du gewinnen willst, musst Du auch Verletzungen eingehen, da muss es auch knallen."
Thorsten Legat

Tut es aber nicht. Zumindest nicht zu seinen Gunsten. Jared macht kurzen und relativ schmerzlosen Prozess mit Legat, wohl auch wegen des Gewichtsvorsteils, den er sich mit Pizza und Burgern in den letzten zwei Monaten in den USA angefressen hat, gesteht er. Am Ende bekommt Thorsten Legat beBronze ohne Kampf, weil sich Julius Brink was gezerrt hat und nicht antreten will. Und Evil Jared zerlegt Valentin Lusin im Kampf um Platz eins.

Rettungsschwimmer Joey Heindle?

Beim 50 Meter Freistil-Schwimmen der Männer tritt unter anderem Joey Heindle an. "Ich habe Corona ausgenutzt und eine Rettungsschwimmerausbildung gemacht", erzählt er. Ex-Schwimmweltmeister Thomas Rupprath hingegen befindet: "Joey hat totale Koordierungsprobleme." Er sieht ihm im Kampf "um die letzten Plätze". Also besser nicht in Seenot geraten, wenn Joey gerade Dienst bei der DLRG schiebt. Heindle landet in der Tat auf dem letzten Platz. Die Top-Drei: 1. Tänzer Valentin Lusin (Russland), 2. Gewichtheber Matthias Steiner (Deutschland), 3. Comedian Alain Frei (Schweiz).

Die größte Herausforderung

Eine Choreographie in der rhythmischen Sportgymnastik mit Ball, Band oder Reifen legt man nicht so einfach auf die Matte. Die 26-fache Deutsche Meisterin Magdalena Brzeska hat die Kandidatinnen trainiert. Tänzerin Renata Lusin landet mit ihrer Nummer mit dem Band auf Platz eins. Sie verrät übrigens das Geheimnis der russischen Turnerinnen: der Trainer hält ein brennendes Feuerzeug unters Bein, damit sie es richtig hoch halten.

Wenn man jetzt denkt, dass es für eine Tänzerin ja auch ziemlich einfach ist, muss nur auf ihre "Let‘s Dance"-Kollegin Christina Luft (Kirgistan) gucken: Sie müht sich mit dem Ring ab, der ihr wegrollt, den sie nicht richtig fängt. Luft: "Das Aufwärmen war schon so hart, dass ich mich gefragt habe, wie soll ich das Training überleben." Für sie steht fest: "Man denkt, wer tanzt, kann auch Sportgymnastik – aber Pustekuchen." Auf Platz zwei landet die Artistin Lili Paul-Roncalli mit ihrer Reifennummer, Moderatorin Nina Moghaddam (Iran) schafft es trotz sehr uneleganten Dribblings mit ihrer Ball-Nummer auf Platz drei.

Der Gähn-Faktor

Eigentlich ist Tischtennis ein schneller Sport. Bei RTL wird er zur Geduldsprobe. Drei Paarungen treten jeweils zwei Sätze bis elf Punkte gegeneinander ran. Gewichtheber Matthias Steiner schlägt Handballer Pascal Hens, Model Markus Schenkenberg GZSZ-Star Timur Ülker, Musiker Gil Ofarim Schauspieler Tijan Njie. Einzige Überraschung: Fußballer Kevin Großkreutz schlägt Torwart Tim Wiese, der im Training teilweise lässig ohne wirklich hinzugucken gut gespielt hatte. Morgen stehen dann die Begegnungen: Steiner gegen Schenkenberg und Ofariim gegen Großkreutz auf dem Plan.

Unfairster Wettbewerb

Beim "50 Meter Brustschwimmen der Frauen" bekennt Renata Lusin: "Schwimmen ist für mich noch ein ganz unentdeckter Bereich. In Russland unterrichtet man das gar nicht." Sie landet dann auch hinten. Es gewinnt RTL-Moderatorin Bella Lesnik, die in ihrer Jugend Leistungsschwimmerin war. Auch wenn sie zuvor tiefgestapelt hat, dass sie keinen Sport treibe, "nichtmal ins Gym" gehe und keine Kondition habe. "Ich glaube, dass man vielleicht noch sieht, dass ich es kann. Ich war seit 20 Jahren nicht mehr im Becken. Ich plansche nur noch mit meiner Tochter."

Evelyn Burdeckis Dopingversuch

Beim Weitsprung der Frauen versucht Evelyn Burdecki es mit einer legalen Form des Dopings. Noch kurz vor dem Anlauf kaut sie auf der Tartanbahn in aller Ruhe einen Schokoriegel in der Live-Sendung. Nützt allerdings nichts. Sie wird mit 2,44 Metern Letzte. Es gewinnt Renata Lusin (Russland) mit 3,84 Metern.

Fünf Stunden langwierige und oft langweilige Sportwettbewerbe ohne wirklich roten Faden bei der Umsetzung oder Besetzung – "RTL Sommerspiele" sind wohl das dünnste TV-Showkonzept der letzten Zeit. Fehlende Dramaturgie versucht mit einer Unzahl an Sternchen zu kaschieren. Aber so entsteht keine Spannung und der Medaillenspiegel, bei dem am Ende des ersten Abends Russland vor allem dank des Ehepaars Lusin vorn liegt, ist ziemlich überflüssig.

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