Diese Aufnahme von Bushido wurde vor rund einem Jahr bei Prozessauftakt aufgenommen.
Diese Aufnahme von Bushido wurde vor rund einem Jahr bei Prozessauftakt aufgenommen.Bild: ZB / Paul Zinken
Vor Ort

Bushido-Prozess: Samra nicht vor Gericht erschienen – nun drohen ihm Konsequenzen

01.10.2021, 14:4701.10.2021, 16:13

Der Prozesstag am Montag dauerte keine drei Minuten. Der für den Tag geladene Zeuge war nicht da. Hussein Akkouche, besser bekannt als Samra, ließ mitteilen, aus gesundheitlichen Gründen verhindert zu sein. Ein ärztliches Attest konnte der Rapper nicht vorlegen. Der Verhandlungstag war damit beendet.

Vier Tage später, am Freitag, hat sich an der Situation nichts geändert. Noch immer hat Samra kein Attest nachgereicht. In seiner Insta-Story ist zeitgleich zu sehen, wie er bei Nacht im Auto sitzt und rappt. Das macht auch Oberstaatsanwältin Leister stutzig, die die "interessanten Instagram-Posts" offenbar verfolgt hat. Wirklich krank scheint der Zeuge nicht zu sein.

bild: screenshot instagram/samra

Samra fehlte unentschuldigt. In der Schule hatte das vielleicht einen Eintrag ins Klassenbuch gegeben. Vor Gericht bedeutet das ein Verwarnungsgeld (vermutlich im mittleren dreistelligen Bereich) und polizeiliche Vorführung beim nächsten Termin. So hat es Oberstaatsanwältin Leister zumindest beantragt.

Darum geht es im Prozess
Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen auflösen wollte. Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert, heißt es in der Anklageschrift. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, eingesperrt und verletzt worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 Jahren sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt.

Anfang März 2018 sollen Samra und weitere Rapper bei einem Treffen zwischen Bushido und Arafat Abou-Chaker anwesend gewesen sein. Damals ging es um die Auflösung des Managervertrags zwischen Bushido und Arafat. Samra stand da noch bei Bushido unter Vertrag. Als eine Auflösung des Managervertrags und somit auch die Auflösung von Samras Vertrag im Raum stand, soll sich Samra gegenüber Bushido loyal gezeigt und Arafat erklärt haben, er wolle bei Bushido bleiben. So hat es Bushido bei seiner Zeugenaussage im Januar geschildert.

Polizist im Zeugenstand statt Samra: Kein Ende beim Bushido-Prozess in sicht

Doch Samra ist nicht da, um die Geschichte aus seiner Sicht zu erzählen. So nahm statt ihm ein Polizeibeamter auf dem Zeugenstuhl Platz. Er schilderte die Ereignisse in Bushidos Haus im Dezember 2014. Ein anderer Nebenschauplatz, der vor Gericht ebenfalls schon ausgiebig besprochen wurde. Damals habe Anna-Maria Ferchichi, Bushidos Ehefrau, eine Anzeige gegen ihren Mann wegen häuslicher Gewalt gestellt. Bushido hatte sie in einem Streit geohrfeigt. Das hatte der Rapper vor Gericht selbst zugegeben. Unter Polizeischutz sei Anna-Maria schließlich ausgezogen.

Der Polizeibeamte, der die Situation miterlebte, schildert die Ereignisse nochmal. Wie auch schon zwei seiner Kollegen. Wie auch schon Bushido. Wie auch schon Anna-Maria. Es ist – bis auf wenige Details – die immer gleiche Story. Und sie scheint mit der eigentlichen Anklageschrift gegen Arafat Abou-Chaker und seine Brüder kaum etwas zu tun zu haben. Die Anwälte haben keine weiteren Fragen an den Zeugen. Und so geht auch dieser Prozesstag ohne nennenswerte Erkenntnis zu Ende.

Nach 51 Prozesstagen und über einem Jahr fragt man sich als Beobachter, wie lange dieser Prozess noch dauern soll. Welche Nebenschauplätze noch aufgemacht werden und inwiefern diese zum Urteil beitragen können. Und man fragt sich auch, was noch kommen soll. Welche Erkenntnis der Prozess noch bereit hält. Oder ob nicht schon längst alles gesagt wurde. Einer, der diese Fragen beantworten könnte, kommt bestimmt: Samra. Er muss. Am 25. Oktober.

Alle weiteren Artikel zum Bushido-Prozess findest du hier.

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
"Wer wird Millionär?": Mentalist will Jauch überlisten – und blamiert sich

"Für mich wären Sie ein Problem", bekannte Günther Jauch, als Kandidatin Johanna Jaspersen im Schneidersitz vor ihm auf dem Stuhl Platz nahm. Grund für die fehlende Kompatibilität war aber nicht die Sitzhaltung, sondern die Tatsache, dass Jaspersen es gern kühl mag: Im Schlafzimmer bevorzugt 16 Grad, sonst 18 Grad. "Umgewöhnen kann man da nicht?", fragte er und die schlagfertige Referendarin konterte sofort mit dem Hinweis, dass sie ihrem Partner das auch immer anbieten würde.

Zur Story