Bushido musste wieder aussagen, dieses Mal war sein Anwalt jedoch nicht anwesend.
Bushido musste wieder aussagen, dieses Mal war sein Anwalt jedoch nicht anwesend.Bild: dpa Pool / ---
Vor Ort

Bushido sagt ohne Anwalt aus – und das zu einem heiklen Thema

16.08.2022, 11:56
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Der 77. Prozesstag und Bushido wird seit langem mal wieder im Zeugenstand erwartet. Es könnte seine wichtigste Aussage in diesem sich ziehenden Verfahren gegen Arafat Abou-Chaker werden. Er soll zu einer geleakten Tonaufnahme befragt werden. Eine Tonaufnahme, die Bushidos Aussagen widerlegen soll. Ein Gespräch zwischen ihm und Arafat, das heimlich aufgezeichnet wurde, könnte ihm zum Verhängnis werden – sollte sie denn echt sein.

Genau das gilt es zu überprüfen. Doch zunächst wird die gesamte, fast zwei Stunden lange Aufnahme vor Gericht vorgespielt – und das dauert.

Darum geht es in dem Prozess
Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen auflösen wollte. Arafat Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionenzahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert, heißt es in der Anklageschrift. Der Rapper sei am 18. Januar 2018 bedroht, beschimpft, eingesperrt und verletzt worden. Arafats Brüder Nasser, Yasser und Rommel sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt.

Bushidos Anwalt fehlt – Rapper will trotzdem aussagen

Als mit etwas Verspätung die Hauptverhandlung beginnt, sitzt Bushido im Gerichtssaal ohne seinen Anwalt Steffen Tzschoppe. Dieser sei wegen "technischer Probleme" verhindert, wie Richter Martin Mrosk zu Anfang verkündet. Was genau das bedeuten soll, wird jedoch nicht weiter erläutert.

Bushido zeigt sich trotzdem zuversichtlich und gut gelaunt, will aussagen. Er habe "seine Hausaufgaben gemacht" und deutet auf einige Blätter, auf denen er sich zum Tonband Notizen gemacht hat.

Doch zuerst will er wissen, ob ihm dadurch Nachteile entstehen könnten, zum Beispiel, dass seine Aussage im Nachhinein nicht zählen könnte, wenn er denn ohne seinen Rechtsbeistand aussagt. Als der Richter verneint, beteuert Bushido noch einmal, dass er sich zu den Aufnahmen äußern möchte.

Außerdem habe Bushido einige andere Dokumente mitgebracht, die für das Gericht interessant sein könnten, erklärt er. "Ich merke schon: ein Mann, ein Wort", scherzt der Richter.

Bevor das passiert, muss die Datei vor Gericht komplett abgespielt werden – in Anwesenheit eines Dolmetschers, der die arabischen Passagen übersetzen kann.

Brisante Audiodatei ist kaum verständlich

Die Qualität der Aufnahme lässt jedoch zu wünschen übrig, teilweise kann man allein durchs Zuhören ganze Passagen nicht verstehen. Dem Gericht liegt das Gespräch auch transkribiert als Text vor, der Presse auch. Was ein Verteidiger der Abou-Chakers bemängelt. Denn mal wieder wurde Beweismaterial in die Öffentlichkeit getragen.

Der Richter lässt sich dabei wieder zu einem Scherz verleiten: Die Einführung elektronischer Akten würde solche Vorfälle verhindern. Doch er bezweifle, dass er das zu seiner Amtszeit noch erleben werde und spielt die Datei weiter ab.

Vor allem Bushido kann man in der Aufnahme klar und deutlich heraushören, jedenfalls deutlich besser als Arafat oder die anderen Gesprächspartner. Zunächst beginnt ein vergleichsweise ruhiges Gespräch. Das jedoch nicht sehr lange ruhig bleibt.

Vorwürfe von Arafat, dass er sich wegen Bushido "mit Leuten gestritten" habe, Beteuerungen von Bushidos Seite, dass er das alles gerne "im Guten klären" möchte und wirre Gespräche, bei denen man den Sprechenden, ohne einen Text zu haben, nicht zuordnen kann.

"Wir haben seit Jahren nur noch Scheiße zusammen erlebt."

Allerdings wird Arafat in den Aufnahmen deutlich lauter als Bushido. Immer wieder werden beide von Anwesenden ermahnt, sich zu beruhigen. Man hört auch dumpfe Schlaggeräusche, die nicht zuzuordnen sind.

Dolmetscher weist Arafat zurecht

Selbst der Dolmetscher hat zwischendrin Probleme, das Gesagte trotz Transkript zu übersetzen. Hin und wieder verdreht Arafat die Augen, mischt sich sogar einmal in die Übersetzung ein. Doch da ermahnt ihn nicht nur der Richter, sondern auch der Dolmetscher selbst zur Ruhe.

Auch in der Aufnahme ist zu hören, wie Arafat Bushido immer wieder unterbricht. So hört man eine männliche Stimme sagen: "Arafat, lass ihn reden, was ist los mit dir?"

Mittlerweile hat sich Arafat Abou-Chaker an die mediale Aufmerksamkeit um seine Person gewöhnt.
Mittlerweile hat sich Arafat Abou-Chaker an die mediale Aufmerksamkeit um seine Person gewöhnt.Bild: www.imago-images.de / imago images

"Wir haben seit Jahren nur noch Scheiße zusammen erlebt. Es ist nicht mehr so, dass wir Spaß haben. Dann gibt es noch Stress mit meiner Frau. Ich möchte deshalb diese Sache zu Ende bringen, zu einem guten Ende", sagt Bushido in dem Gespräch. Er habe keine Nerven mehr, für "diese ganze negative Kacke".

Er selbst schweigt während der gesamten Zeit. Hin und wieder zerrt er an seinem Mundschutz herum, den er als einziger im Gerichtssaal trägt. Zieht sich die Maske über die Augen, lehnt sich zurück oder legt seinen Kopf in die Hände. Zu Arafat selbst blickt er nur selten. Dreht teilweise tatsächlich Däumchen.

Immer wieder wird geschrien. So bezeichnet Arafat Bushido als den "größten, falschesten Hund", den er kennt. Mehrfach klingeln Handys, Gespräche werden aus der Ferne geführt. Wie auch der "Stern" bereits berichtet hat, geht ein Anwesender mit dem Aufnahmegerät irgendwann aus dem Raum, es sind dann nur noch Schritte zu hören. Nach einigen Minuten kommt er wieder. Zwischendrin wird der Ton versöhnlicher: "Schluss jetzt, hört auf und küsst einander", sagt einer der Männer im Raum.

Doch eine bahnbrechende Erkenntnis gewinnt man als Zuhörender erstmal nicht.

WhatsApp-Verläufe sollen Fehler beweisen

Um 15.30 Uhr ist es dann so weit: Bushido soll sich zu den Aufnahmen äußern. Die "Hausaufgabe" von der er sprach, war die, sich das Tonband im Vorfeld anzuhören und seiner Meinung nach Ungereimtheiten festzustellen. Erst danach will das Gericht einen Experten damit beauftragen, die Echtheit zu prüfen.

Bevor Bushido auf die Aufnahme zu sprechen kommt, gibt er dem Gericht noch die Kopie eines E-Mail-Verlaufs vom 12. Januar 2018, den er mit einer "Zeit"-Redakteurin wegen eines Interviews hatte. Hier war es zu Ungereimtheiten gekommen, weil daran gezweifelt wurde, wann Bushido mit der Frau Kontakt hatte. Über eben dieses Interview hatte sich Arafat damals aufgeregt und eben davon sei nichts in dem Gespräch zu hören.

Außerdem hat der Rapper Kopien seines WhatsApp-Verlaufs mit Arafat mitgebracht, die beweisen sollen, dass der Anfang des Gesprächs in der Tonbandaufnahme nicht vom 18. Januar 2018 stammen kann.

In dem WhatsApp-Verlauf vom 20. Dezember 2017 ist zu lesen, dass sich die beiden einen Tag später "zum Abrechnen" treffen wollen. Was sie scheinbar auch getan haben. Und genau da liegt die Ungereimtheit laut Bushido: Das Gespräch auf der Aufnahme beginnt mit der sogenannten "Abrechnung" und eben dieses hätten sie am 21. Dezember 2017 geführt – und nicht am 18. Januar.

Zudem war Anfangs die Sekretärin von Arafat anwesend, Caro W. Man hört, dass sie Bushido einen Kaffee anbietet, er ablehnt und scheinbar auf die Toilette geht. Was dazu passt: Auch sie hatte bereits ausgesagt und behauptet, dass sie am 18. Januar früher gegangen sei und Bushido nicht gesehen hätte.

Arafat lacht über Bushido-Aussage

Als ihn der Richter fragt, ob er denn auch technische Ungereimtheiten auf dem Tonband entdeckt habe, kann der Rapper eine ganz bestimmte Stelle benennen: In der 37. Minute werde er "abrupt unterbrochen". Außerdem sei hinterher nicht "dasselbe Rauschen zu hören", als Arafat anschließend spricht. Das sei für Bushido ein Grund zur Annahme, dass hier etwas manipuliert wurde.

"Haben Sie noch weitere Stellen gefunden?", fragt ihn der Richter. Bushido verneint, während Arafat laut auflacht und den Kopf schüttelt.

Viel mehr kann Bushido an diesem Prozesstag jedoch nicht beitragen. Der Richter unterbricht seine Aussage und möchte ihn am Mittwoch weiter vernehmen, in Anwesenheit seines Anwalts. "Es ist mir wohler, wenn er neben Ihnen sitzt", sagt Mrosk. "Wenn ich sie einmal als Zeuge habe, gebe ich sie so schnell nicht wieder her", scherzt er weiter.

Alle Artikel zum Prozess gegen Arafat Abou-Chaker findest du hier.

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