Bushido ist hier im Abou-Chaker-Prozess vor dem Berliner Landgericht zu sehen.
Bushido ist hier im Abou-Chaker-Prozess vor dem Berliner Landgericht zu sehen.Bild: imago images/ Olaf Wagner
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Bushido-Prozess: Richter verkündet überraschend Ersatzplan

11.05.2022, 16:5912.05.2022, 11:22

Mittlerweile ging der Prozess gegen Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder in die 70. Runde. Beim vorherigen Verhandlungstag wurde mitgeteilt, dass nun Zeugen erwartet werden, die eigentlich am Montag vor Gericht hätten erscheinen sollen. Geladen war ein Mitarbeiter und eine Ex-Mitarbeiterin von der Hausverwaltung Bergmannsglück, eine Wohnanlage in Rüdersdorf. Bushido und Arafat kauften 2010 insgesamt 98 Wohnungen.

Fragen, die im Zusammenhang mit der geschäftlichen Beziehung von Bushido und Arafat im Raum standen, sollten nun geklärt werden. Eigentlich hätte auch der Rapper anwesend sein sollen, weil es ursprünglich am Mittwoch um die Tonaufnahme gehen sollte, über die der "Stern" berichtete. Diese zeichnet nämlich ein völlig anderes Bild zu den Ereignissen am 18. Januar 2018. Doch Anwalt Steffen Tzschoppe teilte mit, dass "Herr Ferchichi am Mittwoch nicht in Deutschland ist".

Darum geht es im Prozess
Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen auflösen wollte. Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert, heißt es in der Anklageschrift. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, eingesperrt und verletzt worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 Jahren sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt.

Statt Zeugenaussage steht Bushidos Doku auf dem Plan

Wie bereits an dem einen oder anderen Verhandlungstag verkündete der Vorsitzende Richter Martin Mrosk zu Beginn, dass jetzt niemand aussagen werde. Schon beim 69. Prozesstag fehlten die geladenen Zeugen. Schließlich meinte der Richter: "Wir haben ersatzweise eine Dokumentation, um überhaupt ein Programm bieten zu können."

Schon Ende Januar wurde der Gerichtssaal zum Kino und die Prozessbeteiligten bekamen Folgen der sechsteiligen Dokuserie "Unzensiert – Bushido's Wahrheit" zu sehen. Am 26. November 2021 erschien die Doku bei Amazon Prime. Diese zeigt private Einblicke aus Bushidos Leben.

Von Juni 2018 bis zum August 2020 wurde Familie Ferchichi von den Kameras begleitet. Dabei ging es neben Bushidos Musikkarriere vor allem um die Beziehung zu seinem einstigen Geschäftspartner Arafat Abou-Chaker. Produziert wurde die Reihe von den Content Factory, einem Unternehmen von Axel Springer.

Im Mittelpunkt standen die Polizeischutzmaßnahmen, das Zerwürfnis mit Capital Bra und mögliche Auswanderungspläne. Der heute 43-Jährige betonte darin, dass seine Familie bedroht sei. Im November 2018 hätten die Schutzmaßnahmen begonnen.

Drei Tage vor seiner Zeugenaussage im Januar 2019 erklärte Bushido, dass seine Kinder davon ausgehen würden, dass die Polizei allen Menschen helfe. Später habe seine Tochter Aaliyah jedoch mehr über die Umstände erfahren. Anis Ferchichi, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, zitierte seine älteste Tochter schließlich so: "Die passen auf uns auf, weil wir entführt werden sollten." Und weiter: "Papa, Arafat ist ein böser Mann."

Anna-Maria fügte in der Doku hinzu: "Die bekommen mehr mit, als man glaubt." Immer wieder sind auch die vier gemeinsamen Kinder zu sehen, die Drillinge waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf der Welt. Zwischendurch muss der Rapper bei den Interviews weinen. Unter Tränen meinte er: "Ich hoffe, du wirst nie erfahren, was Onkel Arafat noch so geplant hatte."

Die Entscheidung, gegen seinen einstigen Geschäftspartner auszusagen, sei ihm nicht leichtgefallen. "Er ist an allem 100 Prozent schuld, er wird erstmals schwer belastet", so Bushido in der Doku. Allein an 25 Verhandlungstagen sagte der Künstler als Zeuge und Nebenkläger aus und gab tiefe Einblicke in die gemeinsame Zeit mit Arafat. Schon bei den Dreharbeiten zur Doku stellte er mit Blick auf seine Aussage fest: "Es wird viele Auswirkungen auf mein Leben haben. Zustände, die man sich im normalen Leben nicht vorstellen kann."

Bushido ist hier neben seinem Anwalt Steffen Tzschoppe bei einem Prozesstag zu sehen.
Bushido ist hier neben seinem Anwalt Steffen Tzschoppe bei einem Prozesstag zu sehen.Bild: dpa Pool / ---

Die Kamera hielt auch fest, als Bushido erfuhr, dass Arafat Ende Januar 2019 aus der Untersuchungshaft entlassen wurde. Vor Gericht sagte der Rapper aus, dass Arafat nicht seinetwegen im Gefängnis gesessen habe, sondern wegen der Aussage seiner Cousine. Sie habe zunächst erklärt, dass Arafat Bushidos Kinder entführen wolle, später revidierte sie ihre Aussage.

Auch seine Frau Anna-Maria machte nicht zuletzt vor Gericht umfassende Aussagen über den Bruch zwischen Bushido und Arafat sowie das damalige Verhältnis zwischen ihnen. In der Doku betonte sie im Hinblick auf Bushidos Aussage: "Was er macht, ist zwingend notwendig, um zu überleben." Sie freue sich auf den Tag, wenn sie ihre Koffer packen könne. Dass Familie Ferchichi auswandern wolle, ist immer wieder ein Thema.

Seit über drei Jahren steht die Familie mittlerweile unter Polizeischutz. "Den Lebensmittelpunkt in einem anderen Land zu haben, das ist unser Traum. Doch der ist noch sehr weit weg", so Anna-Maria. Beim 29. Prozesstag, der im März 2021 stattfand, meinte Bushido vor Gericht dazu: "Wir haben ganz viel darüber gesprochen, wie es weitergeht." Das Geld für eine Auswanderung hätte er, jedoch stellte der Rapper zu diesem Zeitpunkt fest: "Es gibt keinen Plan, außer, hier wieder zu erscheinen."

Diese Story postete Bushido am Tag des Prozesses.
Diese Story postete Bushido am Tag des Prozesses.Bild: Instagram/ Bushido

Am Mittwoch war Bushido in jedem Fall nicht vor Gericht. Dafür schaute sich sein Anwalt Steffen Tzschoppe die Szenen aus Bushidos Leben an. Auf Instagram postete der Künstler am Tag der Verhandlung ein Foto, welches ihn und Anna-Maria im Flugzeug zeigte. Die Mutter von acht Kindern teilte ebenfalls Aufnahmen von ihrer Reise. In ihrer Story sagte die 40-Jährige: "Ich freue mich auf Zeit mit dir, einfach nur Anis und ich, das ist so schön." Am 30. Mai geht es mit dem Prozess weiter.

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