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Warum gucken Frauen "Germany's Next Topmodel?"

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Video: watson/Lia Haubner

Das große Umstyling bei "Germany’s Next Topmodel" in einem Wort: Tränen. Die Kandidatinnen fühlen sich verletzlich und ich schaue ihnen dabei zu. Meistens auch noch begeistert.

Doch ist die Sendung wirklich ein Format, von man sich als Feministin unterhalten lassen kann? Es ist kompliziert.

Natürlich werden seit vierzehn Staffel Frauen nach einem unrealistischen Schönheitsideal bewertet und – zwischen Shootings, Challenges und emotionalen Höhen und Tiefen – ständig gefragt, ob sie dabei denn jetzt eigentlich Spaß hätten.

Die Quoten zeigen aber auch, dass „Germany’s Next Topmodel“ nun mal ein Teil der abendlichen TV-Unterhaltung von Frauen unterschiedlichster Altersgruppen sind. Weggucken bringt uns also auch nicht weiter. Einfache Antworten wie “Frauen unter sich sind nun mal einfach zickig“ sind übrigens ebenfalls wenig zielführend.

Bei näherem Hinsehen ist das Format auch gar nicht so weit vom eigenen Alltag entfernt, wie es scheint. Denn „GNTM“ zeigt vielleicht nicht die Realität als Model, aber dafür die Realität als Frau: Man wird den ganzen Tag bewertet, soll sich bei grenzwertigen Sprüchen mal nicht so haben („Du bist wie eine mäßige Mahlzeit, ganz lecker, aber ziemlich fad!“), „Personality“ haben, aber bitte auch gefallen.

Kommt einem als Frau bekannt vor? Eben. Das Ganze gipfelt in der Show dann schon mal in Aussagen wie der von Kandidatin Klaudia mit K, die in der letzten Staffel weinend erklärte: „Ich will nicht anders sein. Ich will einfach nur schön sein.“

Sich kopfschüttelnd abwenden wäre an dieser Stelle simpel, würde aber auch bedeuten, eine gesellschaftlichen Realität zu ignorieren, mit der Frauen täglich konfrontiert sind:

Denn wer Frauen dafür verurteilt, dass sie sich für Make-up und ihr Aussehen interessieren, hat gar nichts verstanden.

Und hier kommen wir noch einer ganz anderen Sache näher: „Germany’s Next Topmodel“ zeigt auch eine Industrie, in der Frauen die Hauptrollen spielen.

Missy Magazine-Autorin Debora Antmann formuliert das so: “Die Frauen werden nicht als das Beiwerk eines Dudes inszeniert, sondern wenn, dann ist es andersrum.“

Auch das große Umstyling findet für die Kandidatinnen und ihre Karriere – ob nun als Topmodel oder Influencerin – statt. „Germany’s Next Topmodel“ ist Reality-TV mit Inhalten, die man zu Recht problematisch nennen kann. Die Sendung zeigt aber auch Optionen im Leben von Frauen, die sich nicht auf Männer verlassen – und ist damit alles andere etwas, das belächelt werden sollte.

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