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Dennis Aogo erzählt von seiner turbulenten Woche. bild: screenshot zdf

Aogo erzählt bei Lanz: "Lehmann hat mich mehrfach um Verzeihung gebeten"

dirk krampitz

Es war ein bisschen wie eine politisch äußerst inkorrekte und rassistische Daily Soap: Erst beleidigt der ehemalige Nationaltorhüter Jens Lehmann den ehemaligen Fußball-Nationalspieler Dennis Aago in einer fehlgeschickten SMS rassistisch, dann lässt Aogo seinen Job als Experte beim Sender Sky ruhen, weil er selbst ein problematisches Wort auf Sendung benutzt hat und am Ende setzt auch noch der Grüne Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, dem ganzen die Krone auf, in dem er ein übles rassistisches Zitat postet. Aogo ist er bei Markus Lanz zu Gast, um über die vergangene Woche zu sprechen zusammen mit folgenden Gästen:

Dennis Aogo bekennt, dass es keine einfache Situation für ihn war. "Ich bin als Sportler eigentlich gut darauf trainiert, mit Stress umzugehen, aber das ist eine andere Nummer." Die vergangene Woche sei ein "Wechselbad der Gefühle" gewesen." Mit der Veröffentlichung von Lehmanns fehlgeschickter SMS hat er "ein bisschen was losgetreten" und viel Zustimmung erfahren. Und keine 24 Stunden später habe sich das Blatt gewendet und seine Familie sei "aufs Dunkelste beleidigt" und bedroht worden.

Aogo erzählt, dass er Lehmanns SMS noch während der Live-Sendung bei Sky bekommen hat. "Meine erste Reaktion war ein Schock, ich wusste nicht, ob es ein Scherz war oder nicht." Nach der Sendung hat er versucht Lehmann, den er zwar kennt aber nicht besonders gut, anzurufen. Als er ihn nicht erreicht hat, entschied er, die SMS öffentlich zu posten. "Ich wollte auch, dass es zu einer Diskussion kommt."

Markus Lanz nennt Lehmanns Nachricht, in der er fragte, ob Aogo "Quotenschwarzer" bei Sky sei "dümmlich", er wollte das "gar nicht weiter kommentieren". Aogo glaubt: "Ich gehe im Nachhinein davon aus, dass es ein Scherz war. Ich nehme ihm ab, dass er kein Rassist ist." Allerdings fange mit Sprüchen wie diesen vieles an.

"Was für die einen ein Scherz ist, kann auf der anderen Seite viele verletzen."

Dennis Aogo

Lehmann meldete sich dann schnell bei Aogo: "Es war ihm ganz wichtig, dass er kein Rassist ist. Er hat mich mehrfach um Verzeihung gebeten. Jeder macht Fehler. Somit das Thema zwischen ihm und mir erledigt."

Doch dafür ging es auf anderer Ebene weiter: Keine 24 Stunden später zirkulierte auf Twitter ein Ausschnitt der Sendung, in der Aogo davon spricht, dass die Mannschaft von Manchester City "bis zum Vergasen" trainiert habe. Eine mehr als unglückliche Formulierung. "Ich wollte sagen 'bis zum Umfallen'", stellt Aogo klar. Doch natürlich weckt seine Wortwahl Assoziationen an den Holocaust. Während der Sendung sei ihm das nicht aufgefallen, aber ein Freund habe ihm danach in einer SMS darauf hingewiesen. "Das Wort, was ich benutzt habe, war vielleicht vor 10 Jahren, als ich angefangen habe zu spielen, ganz normaler Gebrauch, aber jetzt nicht mehr, darum habe ich mich auch entschuldigt", sagt Aogo. Doch so leicht war das nicht aus der Welt zu schaffen. Markus Lanz: "Plötzlich hat Deutschland eine hitzige Diskussion darum, was darf man noch sagen. Vom vermeintlichen Opfer zum vermeintlichen Täter in 48 Stunden."

Und damit war es ja immer noch nicht genug. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer fühlte sich animiert von diesem Vorgang und postete bei Facebook ein Zitat eines Fake-Accounts, der Aogo auf rassistische Weise in die Nähe sexueller Belästigung rückt. Oder wie Lanz es formuliert: "das N-Wort benutzt und in einen sexualisierten Zusammenhang stellt". Aogo stellt klar, dass das Zitat "völlig aus der Luft gegriffen" war und "keine Grundlage" hat. "Es ist nichts dran." Trotzdem wurde es tausendfach geteilt und niemand habe ihn kontaktiert, um seine Stellungnahme dazu einzuholen.

Prinzipiell versteht Aogo, was Boris Palmer damit erreichen wollte: "Inhaltlich bin ich bei Herrn Palmer", stellt er klar. "Es kann nicht im Interesse der Gesellschaft sein, dass bei jedem falschen Wort gefordert wird, dass jemand zurücktreten muss." Und auch CDU-Politikerin Diana Kinnert findet: "Ich glaube, dass Boris Palmer ihn verteidigen und eine Entrüstungsindustrie bloßstellen wollte."

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Ferdinand von Schirach betrachtet den Fall Aogo aus juristisch-abwägender Position. bild: screenshot zdf

Das ist der Punkt, wo Anwalt und Autor Ferdinand von Schirach ins Spiel kommt. Er findet, dass es darauf ankommt, wer etwas sagt und in welcher Situation. Zu Lehmanns "Quotenschwarzer"-SMS sagt er: "Es ist eine saublöde Nachricht, sowas macht man nicht", aber sie sei als private Nachricht gedacht und nicht als öffentliche Äußerung. Außerdem herrsche im Fußball eine "andere Sprache als im 'Literarischen Quartett'", das sollte man berücksichtigen:

"Es ist saublöd, er hat sich entschuldigt, damit muss es eigentlich auch gut sein."

Zu Aogos verbalem Fehlgriff stellt er erstmal klar, historisch gehe der Begriff auf die Giftgasangriffe im 1. Weltkrieg zurück und nicht auf die Ermordungen in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten. Und auch da müsse man berücksichtigen, wer ihn wie benutzt. Bei Dennis Aogo sei es ein ganz anderer Fall als etwa bei der rechtsextremen NPD, die mal mit dem Slogan "Jetzt Gas geben" Wahlwerbung gemacht hat. Insgesamt plädiert er: "Da muss ein bisschen Maß einkehren." Dass Aogo seinen TV-Job erstmal ruhen lässt, findet er gut. Das sei eine Art "Strafbank". "Damit muss es aber auch gut sein.“

Was die Reaktion von Boris Palmer angeht, ist von Schirach sehr irritiert. "Es gibt Wörter, die man einfach nicht benutzt." Gerade Palmer solle es wissen, aber es sei eben auch sein Kennzeichen zu provozieren.

"In diesem Fall ist es mal komplett schief gegangen. Über den Penis eines Mannes in der Öffentlichkeit zu diskutieren, ist so unhöflich wie über die Brüste einer Frau zu sprechen und ein Oberbürgermeister muss das wissen."

Ferdinand von Schirach

Um ein Parteiausschlussverfahren der Grünen müsse er sich allerdings keine Sorgen machen: "Natürlich wird Boris Palmer jedes Parteiausschlussverfahren gewinnen."

Lanz hat sich zeitlich etwas vertalkt. Und so hetzt er noch durch die weiteren Themen: Da geht es kurz um von Schirachs Buch, mit dem er schon zum zweiten Mal eingeladen ist. Der Anwalt-Autor fordert faire und transparente Algorithmen, wenn es um Entscheidungen geht, bei denen der Mensch belastet wird: Also etwa bei Kreditentscheidungen und im Extremfall bei Angriffen von Drohnen. "Die letzte Entscheidung muss immer der Mensch treffen und dafür auch haftbar sein."

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Eva Hummers arbeitet in einem Impfzentrum. bild: screenshot zdf

Prof. Eva Hummers ist Mitglied der Ständigen Impfkommission und arbeitet in einem Impfzentrum: Dort begegnet sie auch vielen älteren Menschen, die sich weigern, den für die Generation über 60 empfohlenen Impftstoff von Astrazeneca zu nehmen. Nach Berichten über Nebenwirkungen, obwohl sie vor allem bei jüngeren Menschen auftreten, bestehen sie auf ein anderes Vakzin. Eine politische Entscheidung, etwa für Menschen über 60 nur noch Impfungen mit Astrazeneca zuzulassen, würde ihnen im Impfzentrum das Arbeiten leichter machen. "Wir sind eine Einheit des Katastrophenschutz und keine Wunschklinik", zitiert sie ihren dortigen Vorgesetzen.

Am Ende bleibt keine Gelegenheit für CDU-Politikerin Diana Kinnert, um über ihr Buch zu sprechen, aber Lanz tröstet sie mit der Aussicht auf eine Wiedereinladung demnächst.

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