Bushido war am 31. Verhandlungstag im Prozess gegen Arafat Abou-Chaker das erste Mal nicht dabei. (Archivbild)
Bushido war am 31. Verhandlungstag im Prozess gegen Arafat Abou-Chaker das erste Mal nicht dabei. (Archivbild)Bild: Getty Images Europe / Pool
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Ehemalige Büro-Angestellte: "Bushido und Arafat hatten generell ein freundschaftliches Verhältnis"

21.04.2021, 17:0521.06.2021, 16:10

Es war ein völlig neues Bild. Am 31. Verhandlungstag blieb der Platz neben Rechtsanwalt Tzschoppe leer. Bushido war gar nicht erst gekommen. Am vorangegangenen Prozesstag wurde er – bis auf Weiteres – aus dem Zeugenstand entlassen. Stattdessen standen nun drei weitere Namen auf der Zeugenliste. Ashraf Rammo, die Sekretärin Caro W. und Anna-Maria Ferchichi, Bushidos Ehefrau.

Rammo, manchmal auch "Remmo" geschrieben, gehört einer arabischstämmigen Großfamilie an, von der einige Familienmitglieder der sogenannten Clan-Kriminalität zugeordnet werden. Bei ihm soll Bushido Schutz und Hilfe gesucht haben, nachdem er sich von seinem Geschäftspartner Arafat Abou-Chaker trennte. Ashraf Rammo ist der jüngere Bruder des als Familienoberhaupt geltenden Issa Rammo. Er soll außerdem eine Zeit lang als Manager für den Rapper Massiv tätig gewesen sein.

Darum geht es im Prozess
Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen auflösen wollte. Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert, heißt es in der Anklageschrift. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, eingesperrt und verletzt worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 Jahren sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt.

Doch bevor es mit der Zeugenbefragung losging, hatte Staatsanwältin Leister eine Stellungnahme vorbereitet. Nach kurzem Hin und Her mit Richter und Anwälten entschied man sich, diese Stellungnahme tatsächlich auch zu verlesen. Dafür musste sie aber erst mal für alle Beteiligten kopiert werden – das konnte keiner ahnen. Also wurden 30 Minuten Kopier-Pause veranschlagt. Die Mühlen der Justiz mahlen eben gedrosselt. Doch irgendwie sind diese Vorgänge symptomatisch für einen Prozess, der sich nun schon über neun Monate hinzieht, aber bisher kaum nennenswerte Erkenntnisse offenbarte, außer ein paar gefüllten Biografie-Lücken in Bushidos Karriere.

Ashraf Rammo will Aussage verweigern

Nun trug Staatsanwältin Leister also ihre Stellungnahme vor. Es ging darum, dass Ashraf Rammo von seinem Auskunftsverweigerungsrecht gebrauch machen wollte. Sprich: Er möchte vor Gericht nichts sagen, weil er fürchtet, sich mit seiner Aussage selbst zu belasten. Hintergrund ist folgender: 2018 fielen Schüsse auf ein Café von Arafat Abou-Chaker, das "PapaAri". Ashraf Rammo soll einer der Verdächtigen gewesen sein. In diesem Zusammenhang gab es im selben Jahr Hausdurchsuchungen, unter anderem in Rammos Privatwohnung.

Staatsanwältin Leister betonte jedoch, dass dieser Vorfall nichts mit der vor Gericht verhandelten Angelegenheit zu tun habe. Ob Rammo also nun doch aussagen muss, wird sich zeigen. Zumindest war er für den Verhandlungstag gar nicht erst erschienen.

Zeugin: "Bushido und Arafat hatten freundschaftliches Verhältnis"

Also nahm zunächst Caro W. auf dem Zeugenstuhl Platz. Sie war lange Zeit als Sekretärin für Bushido und Arafat tätig, kümmerte sich um Abrechnungen und Bürokram, bevor ihr Bushido kündigte. Seitdem arbeitet sie nur noch für Arafat.

Von W. erhoffte sich das Gericht und die Staatsanwaltschaft nun wichtige Informationen zum mutmaßlichen Tathergang. Zur Erinnerung: Arafat Abou-Chaker wird vorgeworfen, im Januar 2018 mit seinen Brüdern Buschido im gemeinsamen Büro eingesperrt, bedroht und angegriffen zu haben, nachdem dieser die gemeinsamen Geschäftsbeziehungen beenden wollte. Bisher gab es dazu nur die Aussage von Bushido selbst. Abou-Chaker bestreitet die Vorwürfe.

Doch schnell wird deutlich: Allzu viel kann W. zur Klärung der Vorwürfe nicht beitragen. Sie war zu der Zeit nicht im Büro und habe auch anschließend nichts von dem Vorfall mitbekommen. "Alles war wie immer", so die Angestellte. Bushido und Arafat hätten generell ein freundschaftliches Verhältnis gehabt. "Um den Termin herum war alles normal, keiner verhielt sich anders", so die Zeugin. Dass die Tür während des Gespräches abgeschlossen sein soll, beurteilte sie als nicht ungewöhnlich. W. erklärte, es sei "normal" gewesen, dass die Bürotür abgeschlossen wurde. "Weil viele Leute einfach so vorbeikamen."

Die ominösen 180.000 Euro

Stattdessen probierte die Staatsanwaltschaft mit Detailfragen zum Geschäftsverhältnis weiterzukommen. Viele dieser Fragen laufen ins Leere und haben mit den Tatvorwürfen augenscheinlich wenig zu tun. Sowieso staunt man als Beobachter über die Detailversessenheit der Beteiligten in diesem Prozess. Auch an diesem Tag wird mal wieder klar: Es geht um mehr als nur versuchte schwere räuberische Erpressung, wie es in der Anklageschrift steht. Es geht auch um einen medienwirksamen Schlag gegen einen angeblichen Clan-Boss – und um die damit verbundene Außenwirkung.

Daher interessierten sich Richter und Staatsanwältin auch besonders für ein weiteres Detail: die ominösen 180.000 Euro. Bushido hatte zuvor ausgesagt, Rommel Abou-Chaker habe mit einer Vollmacht ohne sein Wissen 180.000 Euro vom Firmenkonto abgehoben und es Arafat überreicht. Angeblich um Schulden für Instandsetzungsarbeiten auf Bushidos Grundstücksteil in Kleinmachnow zu begleichen. Doch Bushido war sich sicher, diese Geschichte sei "ein ganz großer Fake". Er wisse nichts von privaten Schulden.

Die Aussage von W. lässt nun allerdings anderes vermuten. Sie habe mitgehört, wie Bushido, Arafat Abou-Chaker und Rommel Abou-Chaker über das Geld auf dem Firmenkonto gesprochen und einvernehmlich entschieden hätten, die Summe für offene Kosten der Immobilie in Kleinmachnow zu verwenden. Bushido habe dem zugestimmt.

Eine andere Aussage Bushidos konnte W. jedoch immerhin bestätigen. Es sei richtig, dass Arafat mit 30 Prozent an Bushidos Umsätzen beteiligt war. Dafür soll es eine Vereinbarung gegeben haben. Der ehemalige Gangster-Rapper hatte im Verlauf seiner Aussage erklärt, zu dieser Vereinbarung gezwungen geworden zu sein.

Am Ende bat der Richter die Anwälte der Abou-Chakers um Handzeichen, wer noch Fragen an die Zeugin habe. Zur richterlichen Überraschung blieben alle Hände unten, mit dem schnellen Einwand, man behalte sich die Fragen zum nächsten Termin am Montag vor. Das wiederum dürfte keine Überraschung ausgelöst haben. Ein Ende des Prozesses ist längst nicht in Sicht.

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