Bushido hat in dem Prozess gegen Arafat Abou-Chaker bereits mehr als 20 mal als Zeuge ausgesagt.
Bushido hat in dem Prozess gegen Arafat Abou-Chaker bereits mehr als 20 mal als Zeuge ausgesagt.
Bild: imago images/Olaf Wagner
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Bushido vor Gericht: "Ich wusste, jetzt gibt es keinen Rückzug mehr"

23.03.2021, 11:5521.06.2021, 16:07

Nach einer dreiwöchigen Pause ging der Prozess gegen Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder vor dem Landgericht Berlin in die nächste Runde. Mittlerweile fand der 28. Prozesstag statt. Im Verfahren sagt Bushido als Zeuge und Nebenkläger seit August umfassend gegen seinen einstigen Geschäftspartner aus. In der vergangenen Verhandlung Anfang März bezeichnete der Rapper Arafat als "schlafenden Vulkan", der jederzeit ausbrechen könne. Der 44-Jährige würde bis heute denken, dass er ihm gehöre, so Anis Ferchichi, wie er bürgerlich heißt, im Zeugenstand weiter.

Der Richter hatte allerdings ein paar Fragen zu seinen Aussagen bei der Polizei. Warum er denn erst so spät über den angeblichen Vorfall im Januar gesprochen habe, wollte er wissen. Bushido begründete das damit, dass für ihn erst eine Grenze überschritten worden sei, als er von der angeblich geplanten Entführung seiner Frau erfahren habe. Zuvor habe er sich nicht sofort offenbaren können. Am Montag wurde er nun weiter zu den Angaben befragt, die er in seinen Aussagen gegenüber der Polizei und der Staatsanwaltschaft getätigt hatte.

Darum geht es im Prozess
Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen auflösen wollte. Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert, heißt es in der Anklageschrift. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, eingesperrt und verletzt worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 Jahren sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt.

Brisante Frage zu einem der wichtigsten Zeugen

Bevor Bushido mit seiner Zeugenaussage fortsetzen konnte, stellte der Vorsitzende Richter eine brisante Frage und zwar, wie es sein könne, dass einer der wichtigsten Zeugen, Veysel K., vor Kurzem abgeschoben wurde. Der Zeuge war am besagten Januartag 2018 ebenfalls anwesend. Zwar sei er nicht mehr dabei gewesen, als sich die mutmaßlichen Straftaten ereignet haben sollen, jedoch hätte er weitere wichtige Beobachtungen zum Fall schildern können. Die Staatsanwältin erklärte daraufhin, dass sie mit der Abschiebung nicht befasst sei. Dies müsse nun geklärt werden.

Bushido wirkte zu Prozessbeginn teilnahmslos und spielte mit den Kordeln seines Hoodies, als sein Anwalt etwas zu den Managementverträgen vortrug, von denen es mehrere Versionen gebe. Auch dem Richter entging das nicht, er meinte: "Herr Ferchichi, mit Ihnen geht es weiter. Wie geht es Ihnen? Sie haben sich mit Ihrer Strippe an den Kopf gefasst." Seine Antwort folgte prompt: "Es geht, Kopfschmerzen." Weitergemacht hat er trotzdem.

"Meine Eltern haben auch nie mitbekommen, wenn ich gekifft habe."
Bushido zum Thema Drogenkonsum

Die Verteidigung wollte schließlich wissen, was Bushido über den Drogenkonsum von dem Angeklagten Yasser wüsste. Daraufhin meinte der 42-Jährige: "Ich habe in den Teenagerjahren auch konsumiert. Doch Marihuana sei ihm bei Yasser nicht aufgefallen. Vielmehr sei es um pulverförmige Substanzen durch die Nase gegangen. Auf Tour hätte es Situationen gegeben, wo er einen auffälligen Blick gehabt haben soll. "Ich habe seit Jahren nicht konsumiert, Drogen sind mir aber nicht fremd", betonte Bushido. Über das Konsumverhalten könne er keine Antwort geben. "Ich wollte beim aktiven Konsum nicht dabei sein", meinte er. Und weiter: "Meine Eltern haben auch nie mitbekommen, wenn ich gekifft habe."

"Von Natur aus angenehmer Mensch"

Wenn Arafat nicht dabei gewesen sei, hätte der Konsum stärker sein können, so der Rapper. "Yasser hatte große Probleme wegen seines Drogenkonsums mit Arafat", gab der "Ronin"-Interpret an. Genau wie Veysel sei Yasser von Natur aus ein angenehmer Mensch. Auch seine Frau habe gerne Zeit mit ihm verbracht. Auf Knopfdruck konnte er allerdings laut Bushido ein unangenehmer Mensch werden. Seit 2018 sei dann der Kontakt weniger geworden. "Yasser war nie die Priorität in der Trennungsphase", meinte Bushido.

Im Anschluss daran wollte die Staatsanwältin wissen, wie es zu den Angaben bei der Polizei gekommen sei. Der Rapper sagte, es habe einige Gespräche der Individualgefährdung gegeben. Man habe ihm erklärt, dass Arafat zum Gefährderumfeld gehöre. Auch bei dem Song "Für euch alle" von ihm, Capital Bra und Samra habe man Rückschlüsse auf das Umfeld der Künstler schließen können. "Capital Bra hatte auch Probleme mit seinem Umfeld", dies hätte aber nichts mit Arafat zu tun gehabt, sagte Bushido.

Seine Frau mit Vollmachten ausgestattet

Im weiteren Verlauf ging es um Bushidos Interview, das er im September 2018 mit seiner Frau Anna-Maria dem "Stern" gegeben hatte. Dort sagte er unter anderem: "Das Erste, was wir nach der Trennung von Arafat gemacht haben, war, uns testamentarisch abzusichern. Falls mir etwas passieren sollte, ist für meine Frau und meine Kinder gesorgt." Bushido erklärte nun dazu weiter: "Ich habe meine Frau mit allen möglichen Vollmachten ausgestattet. Sie sollte in der Position der Rechteinhaberin sein." Er habe das zudem getan, weil Arafat auf seine wirtschaftlichen Interessen keinen Einfluss mehr hätte haben können. Auch über eine Aufhebung des Ehevertrags sprach er.

Nach dem Bruch mit Arafat wollte der Rapper allerdings zunächst nicht zur Polizei gehen: "Ich wollte das den Behörden nicht erzählen." Und weiter: "Meine Frau hat nicht damit gerechnet, dass ich zur Polizei gehe. Sie hat den Glauben aufgegeben, dass ich zur Besinnung komme."

"Keine Sorgen gemacht" wegen Kontakt mit Ashraf

Schließlich habe ihn Ashraf von Juni 2018 bis Januar 2019 unterstützt. Aufgrund dessen habe Bushido auch keine Bedenken gehabt, als der Song "Mephisto" rauskam. Dort rechnete er mit seinem einstigen Geschäftspartner ab. Über Arafats mögliche Reaktion meinte er: "Ich glaube, er wäre damit nicht einverstanden. Er könnte angepisst darüber sein. Durch den Kontakt mit Ashraf habe ich mir keine Sorgen gemacht." Als es konkret um Fragen darüber ging, was seine Frau von Familienmitgliedern der Abou-Chakers erfahren habe, witzelte Bushido: "Ich habe die Hoffnung noch nicht verloren, meine Frau hier aussagen zu lassen." Doch bis dahin wird es wohl noch einige Zeit dauern.

Personenschutz für Frau und Kinder

Zum Schluss schilderte der Rapper das Ausmaß der Maßnahmen, die nach den Aussagen bei der Polizei gefolgt seien, nämlich, dass seine Frau und die Kinder unter Personenschutz gestellt wurden. "Ich wusste, jetzt gibt es keinen Rückzug mehr, ich muss Angaben machen." Er sei sich sicher gewesen, dass seine Aussagen sich nicht auf den 18. Januar beschränken. "Wenn ich Angaben mache, will ich auf jede Frage antworten", so Bushido. Zu diesem Zeitraum habe er auch mit der Staatsanwältin Kontakt gehabt. Die Befragung durch sie zu den damals getätigten Aussagen wurden jedoch zum Schluss unterbrochen, weil sie eben keine Zeugin in dem Verfahren sei. Der Richter meinte: "Wir bewegen uns hier auf der Rasierklinge." Am Mittwoch ist dann die Verteidigung mit dem Fragenstellen dran.

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Bushido verrät: Arafat soll weiteren Rapper bedroht haben

Mittlerweile fand bereits der 21. Prozesstag gegen Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder vor dem Berliner Landgericht statt. Bushido sagte nun zum 15. Mal aus. Der Rapper, der auch als Nebenkläger auftritt, meinte bei der vergangenen Anhörung, dass er sich wenig um Geschäftliches gekümmert habe und Steuererklärungen blind unterschrieben haben soll. "Unser Musikgeschäft war so lukrativ, da liefen Vermietung und Verpachtung nebenbei", gab er an.

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