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Freundschaft zwischen Mann und Frau sei generell nicht möglich, meinen manche. Das ist Mist, findet unsere Autorin. (Symbolbild) Bild: iStockphoto / Deagreez

Mein Ex ist heute mein bester Kumpel: Warum das alles andere als komisch ist

"Bett halbvoll/halbleer" – die Dating-Kolumne von watson

Wenn eine Beziehung in die Brüche geht, ist es normal, ein bisschen wütend auf seinen Ex-Partner zu sein. Oder die Person einfach eine Weile nicht sehen zu wollen, um die Trennung erst mal zu verdauen.

Problematisch finde ich es, wenn manche Menschen einen regelrechten Hass auf ihre Ex-Partner kultivieren. Jetzt gibt es manchmal natürlich gute Gründe, auf den ehemaligen Beziehungspartner nicht gut zu sprechen zu sein – von Betrügereien über Manipulationen bis wirklich schwerwiegenden Verletzungen.

Aber wenn eine Partnerschaft ihr, sagen wir mal, natürliches Ende gefunden hat und man den anderen nur deswegen nicht mehr mag, weil das eigene Ego angekratzt ist, sollte man sich vielleicht überlegen, ob eine romantische Paarbeziehung generell das richtige Format für einen ist.

Mit einem Ex bin ich sehr gut befreundet

Bei manchen Ex-Partnern habe ich mich bewusst dazu entschlossen, keinen Kontakt mehr zu haben. Bei anderen ist er auch einfach im Sand verlaufen. Mit einem Ex schreibe ich noch hin und wieder oder treffe ich auch mal auf einen Kaffee – ganz entspannt also. Und mit einem anderen bin ich sehr eng befreundet und habe nahezu täglich Kontakt zu ihm. Das verstehen viele nicht.

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Bild: emmy lupin studio

Unsere Autorin...

... ist Single, Anfang 30 und lebt in Berlin. Bei ersten Dates wird sie regelmäßig gefragt, ob sie darüber schreiben wird. Sie antwortet dann meist: "Das hängt davon ab, ob du schon etwas ganz Großartiges im Leben gemacht hast – oder gleich etwas richtig Bescheuertes tust."

Wir haben uns damals kennengelernt, als wir 20 Jahre alt waren, sind recht schnell ein Paar geworden, zusammengezogen – und fünf Jahre lang ging das mehr oder minder gut, dann eher nicht mehr so gut, und schließlich haben wir uns getrennt.

Die Trennung war der Horror. Wir haben beide gelitten, ich musste mir eine neue Wohnung suchen, bin von Zwischenmiete zu Zwischenmiete geeiert und es hat etwa zwei Jahre gedauert, bis ich wieder eine richtige Bleibe und festen Boden unter den Füßen hatte. Aber selbst in der Zeit hat mein Ex mich unterstützt, mir meine Sachen von A nach B gefahren und mich getröstet, wenn ich nicht mehr weiterwusste.

Ich kann es nachvollziehen, dass in einer Beziehung die Liebe verschwindet und man deswegen einfach nicht mehr zusammen sein möchte. So war es bei uns wohl. Was aber nicht verschwindet, ist das Gefühl, eine Familie zu sein. Dafür haben wir in den mittlerweile fast 15 Jahren, in denen wir uns kennen, zu viel zusammen durchgemacht.

"Wir haben vieles zusammen gemacht, was das Leben junger Menschen prägt. Und das schweißt zusammen."

Unsere Partnerschaft am Anfang war eine gute Zeit, um ein Fundament für unsere Freundschaft aufzubauen. Wir haben gemeinsam erlebt, wie es ist, in einer fremden Stadt anzukommen und neue Wurzeln zu schlagen, wir haben gemeinsam studiert, gemeinsam wilde Partys gefeiert und Kunstprojekte gemacht und getrunken – und gemeinsam die erste große Enttäuschung erlebt, wenn eine ernsthafte Beziehung in die Brüche geht. Wir haben vieles zusammen gemacht, was das Leben junger Menschen prägt. Und das schweißt zusammen.

Von meiner Freundschaft zu meinem Ex fühlen sich viele eingeschüchtert

Jahre nach der Trennung hat mein Ex mit einem gemeinsamen anderen Freund in einer WG gewohnt. Mein Mitbewohner sagte eines Tages zu mir: "Wenn ich dich daten würde, hätte ich ganz schön Respekt vor deiner Freundschaft mit deinem Ex." Er meint, das könnte für neue Partner einschüchternd wirken. Und das ist es vielleicht auch: Freundschaftlich kommt kaum jemand an meinen Ex heran.

Das ist aber nicht zu vergleichen mit der Intimität, die man mit einem romantischen Partner spürt, mit dem Kribbeln, dem Kuscheln, dem Sex. Das alles gibt es mit meinem Ex ja nicht, sonst wäre die Beziehung nicht in die Brüche gegangen. Und das ist auch okay so, denn freundschaftlich funktionieren wir besser zusammen.

Ein weiterer großer Vorteil, wenn man mit seinem Ex befreundet ist: Ich kann ihn immer ansprechen, wenn ich Liebeskummer habe. Er weiß ja am besten, wie ich in einer Beziehung bin und kann mich deswegen perfekt beraten. Plus er kann mir die männliche Perspektive vermitteln. Manchmal hat er deswegen bessere Ratschläge für mich als meine Freundinnen.

"Wir sind schon viel länger befreundet, als wir zusammen waren, ich hatte mehrere andere Beziehungen seitdem, er überlegt nun, seine langjährige Freundin zu heiraten. Ich habe mich schon als Trauzeugin angeboten."

Wenn also jemand nicht damit klarkommen sollte, dass ich mit meinem Ex befreundet bin, wäre das ein Problem für mich. Andersherum werte ich es als gutes Zeichen, wenn meine Partner mit ihren Ex-Freundinnen gut klarkommen oder befreundet sind. Ich denke, das ist ein Zeichen von Reife und dass man seine zwischenmenschlichen Beziehungen gut sortiert hat. Man muss ja nicht mit jedem gleich super eng befreundet sein, aber ich werde misstrauisch, wenn ein Typ nur schlecht über all seine Ex-Freundinnen redet und sich konsequent zum Opfer stilisiert.

Und klar habe ich auch schon mal so dumme Sprüche gehört wie: Männer und Frauen können nicht miteinander befreundet sein. Oder: Ihr wollt ja noch heimlich was voneinander. Das ist Mist. Wir sind schon viel länger befreundet, als wir zusammen waren, ich hatte mehrere andere Beziehungen seitdem, er überlegt nun, seine langjährige Freundin zu heiraten. Ich habe mich schon als Trauzeugin angeboten.

Man muss den Ex nicht aus dem Leben streichen

Am Ende ist es schlichtweg egal, ob man schon mal miteinander Sex hatte oder sogar eine gemeinsame Wohnung und zusammen einen Hund gekauft oder vielleicht sogar Kinder gezeugt hat: Beziehungen verändern sich, und das ist in Ordnung. Manchmal haut die romantische Paarbeziehung eben nicht hin. Das heißt nicht, dass man den Menschen aus seinem Leben streichen muss.

Bei uns jedenfalls hat es geklappt, die Partnerschaft in eine Freundschaft umzuwandeln – und ich bin fest davon überzeugt, dass mir diese Beziehung noch lange erhalten bleibt.

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