Young unhappy couple having problems in their relationship

Nach dem Sex Krisen lösen ist schon unangenehm – schlimmer ist's, wenn es nicht mal die eigenen sind. (Symbolbild) Bild: iStockphoto / nd3000

Wenn ich nach dem Sex Beziehungsprobleme lösen muss – allerdings nicht meine eigenen

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Jamal wirkt auf den ersten Blick sehr sympathisch. Er hat etwas strubbelige, schwarze Haare, Dreitagebart, einen silbernen Ring im linken Ohrläppchen. Beim Reden berührt er auffällig oft meine Schulter, blickt mich neugierig aus großen, braunen Augen an.

Einen Aperol Spritz später knutschen wir.

Eineinhalb Aperol Spritz später nehmen wir ein Taxi zu mir nach Hause.

Eineinhalb Stunden später frage ich mich beim Verabschieden, ob ich mir das noch mal geben will. Und das liegt nicht unbedingt am Sex selbst (obwohl der jetzt auch nicht bombastisch war). Sondern mehr an dem, was danach kam.

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Bild: emmy lupin studio

Unsere Autorin...

... ist Single, Anfang 30 und lebt in Berlin. Bei ersten Dates wird sie regelmäßig gefragt, ob sie darüber schreiben wird. Sie antwortet dann meist: "Das hängt davon ab, ob du schon etwas ganz Großartiges im Leben gemacht hast – oder gleich etwas richtig Bescheuertes tust."

Nach dem Sex ist vor dem Sex

Ich muss zugeben, ich finde die Momente nach dem Sex ja meist noch schöner als den Weg dahin oder den Sex selbst. Ja, das ist alles immer bisschen aufregend und schön, und es macht natürlich auch Spaß, mit jemandem zu schlafen. Aber die Minuten danach, diese post-koitale Trunkenheit, wenn man verschwitzt und weich und gelöst beieinander liegt und weiß, jetzt hat man einander vorerst nichts zu verbergen – das ist doch traumhaft.

Außer, jemand zerstört diesen Moment, indem er über seine Ex-Freundin spricht. Wie Jamal.

Jamal hat sich erst vergangene Woche von seiner Freundin getrennt, mit der er zwei Jahre zusammen gewesen ist. Richtig verliebt war er in sie wohl nicht. Es klingt eher so, als sei es von Vornherein eine pragmatische Entscheidung gewesen, eine Beziehung einzugehen. "Wenn ich Single bin, dann kann ich mich so schlecht auf die Uni konzentrieren", erzählt Jamal, während wir nackt nebeneinander im gelblichen Licht meiner Nachttischlampe liegen. "Immer auf Tinder herumhängen, drei, vier Dates pro Woche – das frisst einfach Zeit."

"Wenn ich Single bin, dann kann ich mich so schlecht auf die Uni konzentrieren."

Ich nicke verständnisvoll. Ja, das klingt wirklich nach einem stressigen Leben.

Nun, im Winter, macht sich Jamal besonders Sorgen, dass er sein Studium wieder schleifen lässt, wenn er als Single wieder aktiv werden muss. Vielleicht sollte er sich doch mal wieder bei seiner Ex-Freundin melden. Sie mag ihn auf jeden Fall noch richtig gern und will mit ihm zusammen sein, davon ist Jamal fest überzeugt.

"Was denkst du denn?", fragt er mich und schaut mich ehrlich hilflos an. "Findest du, ich sollte mit meiner Ex-Freundin wieder zusammenkommen?"

Ich versuche, ernst zu schauen und zu ignorieren, dass ich gerade einen Mann, den ich seit maximal vier Stunden kenne, barbusig zu seiner partnerschaftlichen Sinnkrise berate. "Also, das hängt natürlich davon ab", sage ich ganz professionell. "Vermisst du deine Ex-Freundin denn?"

"Nein, eigentlich nicht."

"Warum glaubst du dann, dass es besser wäre, mit ihr zusammen zu sein? Liegt das eigentliche Problem dann nicht vielleicht ganz woanders?"

"Egal wo in meinem Leben, ich brauche Frauen um mich herum. Als Partnerinnen, aber auch als Freundinnen."

"Ich weiß es nicht", sagt Jamal nachdenklich. "Ich kann einfach nicht ohne Frauen sein. Egal wo in meinem Leben, ich brauche Frauen um mich herum. Als Partnerinnen, aber auch als Freundinnen." Das glaube ich Jamal sofort.

"Na, und hast du denn keine guten Freundinnen hier in Berlin, mit denen du mal einen schönen Abend verbringen kannst?", frage ich ihn und ziehe mir eine Decke über den Körper. Langsam wird mir kalt. Jamal offenbar nicht.

Nein, antwortet er, seine engen Freundinnen seien alle nicht in Deutschland. Ich befürchte, Jamal ist einfach einsam – und noch an keinem Punkt, um sich das einzugestehen. Gleichzeitig bin ich an keinem Punkt, um ihm das weiszumachen. Ich kann einem Mann schon mal gerne nach dem Sex zuhören, wenn er seine Krise mit mir besprechen will. Ich habe auch schon Männer getröstet, die nach dem Sex geweint haben (nicht wegen mir übrigens. Meistens zumindest). Fixen kann ich sie alle allerdings nicht. Ich schweige nun also.

Ich glaube, das war das erste und letzte Treffen mit Jamal

Während Jamal sich nun langsam anzieht, erzählt er mir von einer Frau, die er draußen beim Sport kennengelernt hat. Er hätte sie gestern erst angesprochen und sei dann ein Stück mit ihr Fahrrad gefahren. Gleich nach dem Treffen hätte er ihr bei Instagram geschrieben, aber sie antwortet nicht. Ob das etwas bedeute?

"Keine Sorge, lass ihr ein bisschen Zeit, sie meldet sich bestimmt noch", sage ich. Nur ich womöglich nicht mehr.

Nachdem Jamal gegangen ist, überlege ich, ob ich das hier wohl zu einem Geschäftsmodell ausarbeiten könnte: post-koitale Beziehungsberatung. Ich schlafe mit fremden Männern, und wenn sie sich alle Erwartungshaltung, Härte, Verspannung vom Leib gevögelt haben und bereit sind, über ihre Emotionen zu sprechen, überlegen wir gemeinsam, wie wir ihr Liebesleben verbessern können. Ich nenne das ganze dann "Bummsfix – Lebens-Coaching zwischen den Laken" oder so. Ob es dafür wohl auch einen Gründerzuschuss gibt?

Update: Ich glaube, Jamal ist wieder mit seiner Freundin zusammen. Zumindest zeigt das sein Instagram-Account. Gut beraten hat er sich von mir anscheinend also nicht gefühlt. Hoffentlich werden die beiden glücklich zusammen. Zumindest spart er sich jetzt die nahezu täglichen Tinder-Dates.

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