Bundestrainer Hansi Flick gibt den Spielern auf dem Feld Anweisungen.
Bundestrainer Hansi Flick gibt den Spielern auf dem Feld Anweisungen. Bild: www.imago-images.de / imago images

"Jeder noch ein bisschen steigern": Diese Fragen muss Bundestrainer Hansi Flick bis zur WM beantworten

30.03.2022, 07:5630.03.2022, 11:26

Im neunten Länderspiel war es der erste Härtetest für Bundestrainer Hansi Flick. Und mit dem 1:1 gegen die Niederlande hat das DFB-Team diesen Test bestanden. Das Team zeigt auch gegen Top-Nationen ein anderes Gesicht als noch unter Joachim Löw im vergangenen Jahr. Nun gilt es vor allem darum, dass sich die Mannschaft in den Nations-League-Spielen im Juni für die Winter-WM in Katar einspielt.

"Wir schauen ganz genau hin: Wer hat die Qualität, für dieses Team wichtig sein zu können", sagte Bundestrainer Hansi Flick bereits vor dem Spiel gegen Israel am vergangenen Samstag. Und die Qualität im Team, das hat das Spiel gegen die Niederlande gezeigt, ist definitiv vorhanden.

Sogar so sehr, dass die Ausfälle von Spielern wie Stamm-Innenverteidiger Niklas Süle, dem gesetzten Mittelfeld-Duo Joshua Kimmich und Leon Goretzka, so wie der Offensivstars Marco Reus, Serge Gnabry und Karim Adeyemi gar nicht ins Gewicht fielen. Doch das stellt Bundestrainer Hansi Flick auch vor einige schwere Entscheidungen.

Mit diesen Spielern wird das DFB-Team wohl nicht im ersten WM-Gruppenspiel antreten.
Mit diesen Spielern wird das DFB-Team wohl nicht im ersten WM-Gruppenspiel antreten.Bild: www.imago-images.de / imago images

Schlotterbeck beeindruckt in ersten beiden DFB-Spielen

Flick muss sich nun die Frage stellen, ob er die versprochene Stammplatzgarantie für das Verteidiger-Duo Süle und Rüdiger wirklich einhalten kann. Denn der Freiburger Niko Schlotterbeck betrieb mit starken Leistungen in seinen ersten beiden Länderspielen mächtig Eigenwerbung. Zumal er mit seiner guten Spieleröffnung mit dem linken Fuß der deutschen Mannschaft eine neue Komponente verleiht. Und findet Mats Hummels seinen Platz in der Mannschaft?

Nico Schlotterbeck (Nummer 23) zeigte auch gegen die Niederlande eine starke Defensivleistung.
Nico Schlotterbeck (Nummer 23) zeigte auch gegen die Niederlande eine starke Defensivleistung. Bild: imago images / imago images

Auch auf der linken Seite gilt Publikumsliebling Robin Gosens nun wohl nicht mehr als unantastbar. Denn auch David Raum machte mit guten Offensivleistungen und einer soliden Defensivarbeit auf sich aufmerksam. Der Vorteil gegenüber Gosens: seine brandgefährlichen Standardsituationen.

Auf die legt Bundestrainer Flick mit Standardtrainer Mads Buttgereit besonderen Wert. Gegen Israel fielen beide Tore nach ruhenden Bällen. Am Dienstagabend gegen die Niederlande waren vorher trainierte Varianten zu erkennen, auch wenn die Umsetzung nicht ganz sauber war.

Das größte Fragezeichen gibt es hingegen auf der rechten Defensivseite. Bei Thilo Kehrer war im Spiel in Amsterdam zu erkennen, dass er Flicks Allzweckwaffe auf allen Abwehrpositionen ist, aber nirgendwo herausragend. Am Dienstagabend ließ er als rechter Außenverteidiger die nötige Offensivqualität vermissen und verursachte einen Strafstoß, der kurioserweise wieder zurückgenommen wurde.

Zuvor stellte Flick dort Gladbachs Jonas Hofmann auf, der aktuell mit einem Muskelfaserriss fehlt und eigentlich auch gelernter Mittelfeldspieler ist.

Goretzka muss sich um seinen Stammplatz sorgen

Doch auch im Mittelfeld herrscht für den Bundestrainer ein Überangebot. Flick muss nun entscheiden, ob er auf das Duo Kimmich und Goretzka setzt, die beide nicht dabei waren, oder ob İlkay Gündoğan oder vielleicht sogar der 19-jährige Jamal Musiala in die Startelf rücken.

Zwar forderte Gündoğan in einem Interview bereits seinen Stammplatz im DFB-Team, doch Musiala beeindruckte in beiden Testspielen mit tollen Pässen und Dribbel- und Zweikampfstärke auf der ungewohnten Position im defensiven Mittelfeld. Zumal Goretzka in der Vergangenheit immer wieder mit Verletzungssorgen zu kämpfen hat.

Doch im zentralen Mittelfeld wollen aber auch die Dortmunder Emre Can oder Mahmoud Dahoud oder Wolfsburgs Maximilian Arnold spielen, die Flick zu den beiden Testspielen nicht nominierte.

"Wenn sich jeder noch ein bisschen steigert, können wir zufrieden sein", sagte Flick nach dem Niederlande-Spiel in der ARD.

Überangebot in der Offensive

Timo Werner, Leroy Sané, Kai Havertz, Thomas Müller und Lukas Nmecha standen Hansi Flick für die Angriffspositionen zur Verfügung. Hinzu kommt noch weitere Qualität, wenn die aktuell verletzten Serge Gnabry, Karim Adeyemi und Marco Reus wieder zum Team stoßen.

Doch Flick hat maximal vier Positionen auf dem Feld mit den Offensivstars zu besetzen. Außerdem wurde am Dienstagabend auch deutlich, dass es am Zusammenspiel noch Potenzial nach oben gibt. Nicht immer passten die Laufwege und das Timing der Zuspiele.

Dabei wird es wohl vor allem auf die Formstärke der jeweiligen Akteure zu WM-Beginn ankommen. Ein Großteil der Hinrunde wird in den Ligen bis Turnierbeginn am 18. November schon absolviert sein und einen Angreifer außer Form und mit Torflaute kann der Bundestrainer beim Ziel WM-Titel nicht gebrauchen.

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