Dortmunds Mahmoud Dahoud behält gegen drei Schalker die Übersicht. Erling Haaland (r.) schaut zu.
Dortmunds Mahmoud Dahoud behält gegen drei Schalker die Übersicht. Erling Haaland (r.) schaut zu.
Bild: imago images/Poolfoto/ralf ibing

Dieser Dortmund-Profi ist der heimliche Gewinner des Revierderbysiegs gegen S04

19.05.2020, 20:4720.05.2020, 09:43

Wie so vielen Bundesliga-Profis sah man Dortmunds Mittelfeldspieler Mahmoud Dahoud am Wochenende des Bundesliga-Restarts die 66-tägige Corona-Pause vor allem auf dem Kopf an.

Während viele Spieler ihre Haare wachsen ließen und mit ein paar Zentimeter längeren Schöpfen als sonst aufliefen, gehörte Dahoud zum Lager derjenigen Profis, die kurzen Prozess mit ihren Frisuren machten.

Vor der Corona-Pause:

Geschmiert: Mo Dahoud.
Geschmiert: Mo Dahoud.
Bild: imago images/Werner Otto

Der in Syrien geborene deutsche U21-Europameister von 2017 lief im Revierderby gegen Schalke 04 mit Millimeterschnitt auf. Dahinter steckt wahrscheinlich nicht mehr als die Tatsache, dass Friseursalons während der Corona-Krise lange geschlossen bleiben mussten. In der Not mähten sich viele in dieser Zeit den Schädel in Eigenregie ab.

Nach der Corona-Pause:

Rasiert: Mo Dahoud.
Rasiert: Mo Dahoud.
Bild: imago images/Poolfoto/ralf ibing

Doch man kann in diesen Haarschnitt auch hineininterpretieren, dass der 24-jährige Dahoud einen Cut im wahren Wortsinne gemacht hat: Neustart der Bundesliga, Neustart des Haarewachsens – und ein Neustart in Sachen Startelf-Ambitionen?

BVB: Mo Dahoud rückte gegen Schalke 04 in die Startelf und überzeugte

Am Samstag durfte Mahmoud Dahoud, den alle nur Mo nennen, nämlich endlich mal wieder von Beginn an ran. Erst zum vierten Mal in dieser Saison beorderte ihn BVB-Trainer Lucien Favre im Derby gegen Schalke in die erste Elf.

Durch den Ausfall der beiden Dortmunder Mittelfeld-Platzhirsche Emre Can und Axel Witsel, die beide mit muskulären Problemen ausfielen, rutschte Dahoud auf eine der beiden zentralen Positionen in der BVB-Aufstellung. Und gemeinsam mit Sechser Thomas Delaney an seiner Seite machte er seine Sache auf der Achter-Position richtig gut.

Bisher fiel Dahoud in Dortmund meist nur durch extreme Leistungsschwankungen auf. Seine Entwicklung mochte seit seinem Wechsel für zwölf Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach nach Dortmund im Jahr 2017 nicht so recht weitergehen. Wenn es um Spieler geht, die Borussia Dortmund möglicherweise im nächsten Transferfenster verlassen könnten, wird Dahouds Name auch stets als einer der ersten genannt. Über die Rolle des Ergänzungsspielers kam er bei den Schwarz-Gelben bisher nicht hinaus.

Mo Dahoud im Trikot von Borussia Mönchengladbach mit einer Mischung aus Lang- und Kurzhaarschnitt.
Mo Dahoud im Trikot von Borussia Mönchengladbach mit einer Mischung aus Lang- und Kurzhaarschnitt.
Bild: imago sportfotodienst / Moritz Müller

Doch Dahoud ließ gegen die königsblauen Revierrivalen endlich mal wieder aufblitzen, was für ein feiner Kicker er ist und warum Dortmund ihn vor rund drei Jahren vom Niederrhein ins Ruhrgebiet lotste.

Das hätten viele Fans und Experten nicht erwartet, da mit den eigentlichen Mittelfeld-Ankern Can und Witsel nicht nur viel Erfahrung in der BVB-Zentrale fehlte, sondern auch viel Physis. Dahoud steht eigentlich weder für das Eine noch für das Andere.

Mo Dahoud (r.) und Raphael Guerreiro bearbeiten Schalkes Kapitän Daniel Caligiuri.
Mo Dahoud (r.) und Raphael Guerreiro bearbeiten Schalkes Kapitän Daniel Caligiuri.
Bild: imago images/Poolfoto/ralf ibing

Er machte seine Sache dennoch gut, er dirigierte seine Mitspieler, hatte 79 Ballaktionen und eine 87-prozentige Passquote. Außerdem war er mit über elf Kilometer der lauffreudigste Dortmunder auf dem Platz. Kurzum: Dahoud hat gegen S04 ordentlich Eigenwerbung betrieben.

So hätte er, als ihn Favre in der 87. Minute auswechselte, den Applaus des Dortmunder Publikums im Normalfall sicher gehabt. Doch wo keine Zuschauer sind, da gibt es auch keinen Beifall.

Sportpsychologe: Für manche Spieler kann es ein Vorteil sein, wenn keine Zuschauer da sind

Andererseits: Vielleicht war es genau das, was Dahoud so aufblühen ließ. Vielleicht ist es die Kulisse des Dortmunder Stadions, immerhin eines der größten Europas, die den Mittelfeldspieler manchmal nicht so performen lässt, wie er könnte. Sportpsychologe Andreas Meyer bestätigte im März gegenüber watson, dass es zwar viele Sportler gebe, die vom Feuer der Fans angesteckt würden und davon zehrten. Aber: "Ist ein Sportler beispielsweise sehr misserfolgsängstlich, so kann es für ihn sogar ein Vorteil sein, nicht vor Publikum zu spielen und dem Druck der Zuschauer ausgeliefert zu sein."

Im Falle Dahouds wirkt diese Annahme gar nicht so abwegig. Denn nicht jeder Dortmund-Fan scheint ihm wohlgesonnen. Im BVB-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt gipfelte das auf unschöne Weise. In der 64. Minute wechselte Trainer Lucien Favre den starken Emre Can aus, brachte dafür Dahoud ins Spiel. Vereinzelt gab es daraufhin Pfiffe von Dortmunder Anhängern. Sie mochten der Tatsache geschuldet sein, dass die Fans weiter Can sehen wollten. Doch wenn Teile des Stadions bei einer Auswechslung ein Pfeifkonzert anstimmen, setzt sich das natürlich im Kopf des Spielers fest.

Dahoud (l.) kommt, Can (M.) geht, Publikum pfeift.
Dahoud (l.) kommt, Can (M.) geht, Publikum pfeift.
Bild: imago images / Jan Huebner/Bywaletz

Das Fanblog "Schwatzgelb" sah sich damals sogar gezwungen, danach eine Stellungnahme zu veröffentlichen: "Mo Dahoud hat keine großen Erfolge bei Schwarzgelb vorzuweisen, wie andere Spieler unseres Kaders übrigens auch." Und weiter: "[Er] hat sich allerdings auch rein gar nichts zuschulden kommen lassen, was die Anfeindungen einzelner auch nur ansatzweise rechtfertigen könnte."

Ob es nun die Psychologie der neuen Frisur oder die des leeren Stadions war, sei dahin gestellt. Fakt ist: Mo Dahoud hat sich mit seiner Leistung im Derby gegen Schalke wieder in den Fokus gespielt und bewiesen, dass er mehr als ein Ergänzungsspieler ist. Wenn er auf dem Platz weiter so rasiert wie er das mit seinen Haaren gemacht hat, ist er auf dem besten Wege, sich beim BVB dauerhaft durchzubeißen.

(as)

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