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Unbeschwert durch die Periode – aber geht das auch nachhaltig?
Bild: imageBROKER / Manuel Ringlstetter
Im Test

Cups, Soft-Tampons, Period Panties im Test: Wie nachhaltig sind Periodenprodukte wirklich?

Publiziert: 27.06.2022, 11:59
Saskia Balser

Seit der Cast-Verkündung des Youtube-Formats "7 vs. Wild", bei dem erstmals auch Frauen dabei sein werden, trendet das Thema #Tampons auf Twitter: Durch die zweite Staffel der Show kam es – wieder einmal – zum Streit, ob Periodenprodukte als Grundrecht verstanden werden sollen. Die Diskussion zeigt: Wir haben noch einen weiten Weg vor uns.

Denn die monatliche Blutung gehört zum Alltag der Frauen dazu. Das ist nicht nur unangenehm, sondern bringt auch einige umweltschädliche Folgen mit sich: Müll. Denn jeder Tampon, jede Binde ist einzeln in Plastik verpackt. Geht das auch anders?

Aber klar! Von Soft-Tampons über Periodenslips bis hin zu Menstruationstassen werden inzwischen auch umweltfreundlichere Periodenprodukte angeboten. Auf der Suche nach den besten Produkten hat sich unsere Autorin einmal quer durch das Sortiment probiert.

Welches Produkt nachhaltig ist, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hat und dabei auch noch alltagstauglich ist, erfahrt ihr im großen watson-Test.

Soft-Tampons von Nevernot

Los geht's mit Soft-Tampons. Diese kleinen schwammartigen Tampons, die ohne Rückholbändchen auskommen, soll man beim Sex nicht entfernen müssen, weil sie nicht stören – ein echter Pluspunkt!

Der Soft-Tampon von Nevernot hat eine spezielle Wolkenform und ein kleines Loch an einer Seite – so soll er sich auch ohne Bändchen leicht entfernen lassen. Wie der Name schon sagt, ist der Tampon extrem weich, er besteht aus einem flexiblen Schaumstoff, der dafür sorgt, dass man den Tampon so gut wie gar nicht bemerkt – vorausgesetzt, man hat ihn richtig eingeführt.

Nachhaltigkeits-Check

Nevernot wurde im Januar 2019 von zwei Frauen gegründet, die sich gegen die Tabuisierung von Menstruation und für die Senkung der Tamponsteuer einsetzen wollten. Ihre Produkte sind explizit für alle Menschen gedacht, die menstruieren. Abgesehen von dem inklusiven Ansatz ist dem Unternehmen aber auch Nachhaltigkeit wichtig: Eigenen Angaben zufolge sind alle ihre Produkte vegan und cruelty-free entstanden – also ohne Tierversuche.

Zudem sehen sie extrem stylisch aus und sind durch ihre grellen Farben unverkennbar. Doch so schön die Verpackungen der Soft-Tampons auch sind – auch sie sind einzeln in Plastik verpackt. Warum das so ist, lasse ich mir vom Unternehmen selbst erklären:

"Da es sich bei unseren Soft-Tampons um ein Hygiene-Produkt handelt, müssen wir diese leider einzeln in Plastik verpacken. Nur so können wir 100-prozentige Sicherheit gewährleisten. Wir arbeiten aber aktuell an einer Lösung, die deutlich nachhaltiger ist und die es so noch nicht gibt."

Die Soft-Tampons selbst bestehen aus zertifiziertem Schaumstoff und sollen schadstofffrei sein. Produziert werden die Tampons in Deutschland unter fairen Bedingungen. Auf die Frage, ob die Soft-Tampons nachhaltiger sind als herkömmliche Tampons, antwortet das Unternehmen mit "Jein". Im Detail bedeutet das:

"Nevernot Soft-Tampons können bereits in einigen Bereichen punkten, in anderen müssen wir uns noch verbessern. Genau wie bei den meisten Tampon- und Soft-Tampon Brands, bestehen unsere Umverpackungen aus biologisch abbaubaren oder recycelten Materialien und wurden mit biologisch abbaubarer Farbe bedruckt."
Im (Größen-) Vergleich: Nevernot Soft-Tampon und Bio-Tampon der Marke Einhorn.
bild: saskia balser

Die Verpackung eines Soft-Tampons ist allerdings deutlich größer als die von regulären Tampons bei einer ähnlichen Tragezeit der Produkte von 4 bis 8 Stunden. Benutzt man also ausschließlich Soft-Tampons, fällt mehr Plastikmüll an.

Eigene Erfahrungen & Preis

Das Einführen und Entfernen des Tampons fühlt sich etwas ungewohnt an, aber während des Tragens spüre ich tatsächlich: nichts. Somit ist der Soft-Tampon für Sport, Sauna, Sex und jeden anderen Spaß wirklich praktisch.

Eine Packung der Nevernot Soft-Tampons mit 12 Stück kostet derzeit knapp über 12 Euro – das bedeutet ein Tampon kostet mehr als 1 Euro. Man kann allerdings auch ein Abo abschließen, dann werden die Tampons monatlich an die Haustür geliefert und der Preis reduziert sich um 20 Prozent.

Fazit

Die Soft-Tampons sind für manche Lebenslagen vielleicht besser geeignet als andere Periodenprodukte, besonders nachhaltig sind sie aufgrund ihrer Verpackung allerdings nicht. Da bisher noch keine nachhaltige Alternative zum Kunststoff verwendet wird, bekommen die Soft-Tampons 2 Punkte Abzug.

Periodenslip von Ooia

Auf meinem Instagram-Feed werden mir ständig Periodenpanties angezeigt – in allen möglichen Farben und Designs. Was hinter dem Hype steckt, will ich jetzt selbst herausfinden und kaufe mir eine rote Unterhose der Marke Ooia. Genauso wie Nevernot ist auch dieses Unternehmen von zwei Frauen gegründet worden und verschreibt sich dem "Female Empowerment".

Die Idee hinter dem Periodenslip ist simpel: Er "hat im Schritt ein integriertes Membransystem, welches die Flüssigkeit von dir wegzieht, sie aufsaugt und am Auslaufen hindert." So ähnlich wie bei einer Windel also.

Nachhaltigkeit-Check

Zu Beginn diesen Jahres hat das Nachhaltigkeits-Magazin "Peppermynta" einen sehr ausführlichen Periodenunterwäsche-Test durchgeführt und dabei verschiedenen Unternehmen – darunter auch Ooia – auf den Zahn gefühlt.

In dem Artikel wird darauf hingeweisen, dass manche Hersteller in ihren Panties Biozide wie Silberchlorid oder Zinkpyrithion verwenden, die Bakterien und Keime abtöten sollen, bei denen aber nicht eindeutig belegt ist, ob sie schädlich für die Vaginalflora sind. Auf die Umwelt haben die Biozide sogar einen nachweislich schädigenden Effekt. Wie die Diplomchemikerin Kerstin Etzenbach-Effers von der Verbraucherzentrale NRW bei Peppermynta erklärt, kann Silberchlorid, wenn es beim Auswaschen der Unterhose ins Abwasser gelangt, beispielsweise eine langfristige Gewässergefährdung verursachen.

Ooia benutzt eben jenes Silberchlorid. Früher wurde sogar Zinkpyrithion verwendet, das aber seit März 2022 in Kosmetika verboten ist, weil es in Verdacht steht, die Fortpflanzungsfähigkeit zu schädigen, die Haut reizt und giftig für Wasserorganismen ist.

Zudem benutzt Ooia konventionelle statt biologischer Baumwolle für seine Höschen. Da man die Unterhosen außerdem nur bei 40 Grad waschen soll, weil sonst das Material verschleiße, könne den Untersuchungen der Peppermynta-Redaktion zufolge keine hygienische Waschung der Unterwäsche erfolgen.

Eigene Erfahrungen & Preis

Auf der Ooia-Website lese ich, dass die Kundinnen begeistert vom Tragecomfort der Perioden-Panties sind. Das kann ich leider nicht bestätigen – ich fühle mich, als würde ich eine Windel tragen. Auf ein Date gehen würde ich damit niemals, für einen gemütlichen Tag zu Hause ist die Perioden-Pantie aber eine gute Alternative.

34 Euro hat meine Unterhose gekostet. Damit liegt sie preistechnisch etwa in der Mitte der von Ooia angebotenen Unterhosen, die sich zwischen 27 und 49 Euro bewegen. Das klingt zunächst viel, da man die Unterhose aber über zwei Jahre lang tragen kann, täuscht das Empfinden und sammelt zusätzlich Punkte in Sachen Nachhaltigkeit.

Fazit

Die Periodenunterwäsche von Ooia ist bei meinem Selbst-Versuch inklusive Nachhaltigkeit-Check aber trotzdem gnadenlos durchgefallen. Deshalb gibt es nur 2 von 5 watson-Katzen. Next please!

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Menstruationstasse von Einhorn

Die bunten Verpackungen mit den coolen Sprüchen fallen in jedem Drogerie-Regal auf. Es handelt sich hierbei aber keinesfalls bloß um cooles Marketing. Im Gegenteil. Einhorn ist nämlich ein sogenanntes "Purpose Unternehmen":

"Einhorn setzt sich aktiv für wirtschaftlichen Wandel, Transparenz und soziale Gerechtigkeit ein. Daher wurde das Unternehmen im Jahr 2019 in eine Purpose Company gewandelt und befindet sich seitdem in Verantwortungseigentum. Seit diesem Zeitpunkt ist Einhorn unverkäuflich, das Auszahlen von Gewinnen oder Boni unmöglich und alle Mitarbeiter bestimmen gemeinsam über die Zukunft des Unternehmens."

Das Unternehmen verkauft nachhaltige Periodenprodukte und Kondome, leistet zum Beispiel auf seinem Instagram-Channel Aufklärungsarbeit in Bezug auf Sex und Periodenfreiheit und ist dabei nicht mal auf seinen eigenen Vorteil bedacht – sehr cool!

Nachhaltigkeit-Check

Die Menstruationstasse besteht zu 100 Prozent aus medizinischem Silikon und ist lange verwendbar – klarer Pluspunkt auf der Nachhaltigkeit-Skala. Insgesamt hat sich das Berliner Unternehmen Nachhaltigkeit mit fetten Lettern auf die Fahne geschrieben:

"Wir wollen ermöglichen, dass du so nachhaltig menstruieren kannst, dass der UN-Klimarat sich höchstpersönlich bei dir bedankt."
Das Unternehmen Einhorn auf seiner Website

In einem Fairstainability-Report auf der Website des Unternehmens lässt sich genau nachlesen, woran das Unternehmen noch feilt, was in Sachen Nachhaltigkeit und Fairness bereits erreicht werden konnte und was in der Zukunft noch kommen soll. Nicht nur die bei den Produkten verwendeten Materialien, sondern auch die Verpackungen von Einhorns Kondomen, Tampons, Menstruationstassen und Co. sind umweltfreundlich.

Die Verpackung des Period-Cups besteht dabei zu 100 Prozent aus Altpapierfasern und ist mit recyclingfähigen Farben bedruckt. Das kleine Sichtfenster, durch das man die Tasse sehen kann, besteht aus einem biobasierten und kompostierbaren Kunststoff aus Cellulose.

Eigene Erfahrungen & Preis

Ich muss zugeben, dass ich zu Beginn Schwierigkeiten habe, die Tasse ein- und auszusetzen. Mit der Zeit bekomme ich es aber immer besser hin – auch dank der zahlreichen Anleitungen im Internet.

Die Menstruationstasse von Einhorn kostet 17 Euro – von anderen Unternehmen gibt es sowohl günstigere als teurere Alternativen. Der Preis ist, gemessen daran, wie viele Tampons und Binden man sich spart, gerechtfertigt. Man kann sie mehrere Jahre verwenden, immer wieder auskochen und im mitgelieferten Aufbewahrungssäckchen verstauen, bis es wieder so weit ist.

Fazit

Die Menstruationstasse von Einhorn überzeugt mich total! Nur, weil es durchaus schwierig ist, sich an das neuartige Gefühl zu gewöhnen, gibt es einen halben Punkt Abzug.

Wie geht es weiter?

Die Menstruationstasse von Einhorn ist der klare Sieger dieses Tests. Wer sich allerdings nicht an das Einsetzen und Herausnehmen der Cup gewöhnen kann, dem würde ich zum Kauf der in Papier verpackten Bio-Tampons von The Female Company raten.

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