Digital
Vintage toned portrait of two fashionable young women taking a selfie photograph with a smartphone, sticking tongue out.

Instagram: Ein Ort, an dem alle positiv verrückt sind. Bild: Getty Images

Photoshop-Wolken und Insta-Boyfriends: Absurde Trends aus 10 Jahren Instagram

Zehn Jahre Instagram, zehn Jahre aufgehübschte Bilder, die das Selbstbewusstsein Heranwachsender ans Äußerste treiben. Aber auch zehn Jahre voll alberner Werbefotos, pathetischer Motivationssprüche oder cleverer Satire, wichtiger politischer Botschaften und gesellschaftsrelevanter Themen.

Im vergangenen Jahrzehnt teilten mehrere Millionen Nutzerinnen und Nutzer über 40 Milliarden Fotos und vergaben allein pro Tag 3,5 Milliarden Likes. Unter dem stetig wachsenden Output befinden sich auch einige Comedy-Gold-Nuggets. Dafür müssen wir nur ein wenig schürfen. Keine Sorge, ist bereits erledigt. Passend zum Jubiläum servieren wir dir zehn Insta-Trends, die sich die Community vielleicht hätte sparen können. Zugegeben, manche sind wohl unvermeidbar.

Der Instagram-Boyfriend

Beziehungen sind schön, bergen aber auch Verantwortung. Etwa müssen Kompromisse vereinbart werden, wenn es um die Tagesplanung geht. Welchen Film schauen wir? Wo gehen wir essen, wo spazieren? Wer spült, wer kocht? Schnell diskutieren wir über Banalitäten. Streits lassen sich vermeiden, indem wir auf unseren Partner oder unsere Partnerin zugehen, unsere eigenen Bedürfnisse nach hinten stellen. Doch Selbstlosigkeit hat ihren Preis.

So kann es passieren, dass wir unsere Freizeit damit zubringen, Fotos von unseren Partnern zu schießen – für Insta, versteht sich. Und wie jeder weiß, braucht es ein paar Anläufe fürs perfekte Bild. Also knipsen wir, zeigen das Ergebnis und wiederholen das Ganze, weil der Winkel nicht optimal war oder die Lichtverhältnisse nicht stimmten. Danke Instagram, du zwangst viele Menschen in die Berufsfotografie.

Neu trifft alt: Die Schreibmaschine

Retro ist schick, zumindest sagen das viele Menschen, die weit nach der Zeit geboren wurden, der sie hinterhertrauern. Und so setzen sich Millennials an ihre Schreibmaschinen und verfassen Romane über verschenkte Möglichkeiten und große Ziele. Wie genau sie letztendlich aussehen, unklar. Hauptsache Hemingway oder Kafka.

Selfies im Hotel ...

Insta bedeutet auch: zeigen, wie gut es einem gerade geht. Und wo geht es einem besser als im Urlaub? Neben den Aufnahmen sonnengebräunter Körper, die sich im Wasser tummeln, darf auch das Hotel nicht fehlen. Immerhin residiert man wie ein Monarch. Also wird der Bademantel übergeworfen, der perfekte Winkel vor dem Spiegel im Badezimmer gesucht und geknipst.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Take me on a holiday? ✈️

Ein Beitrag geteilt von Amy Holland (@amy.xoxo2) am

... im Fitnessstudio ...

Eine ähnliche Regel gilt auch für die Einheit im Fitnessstudio. Wer soll einem schließlich glauben, dass man beim Training war, wenn es keine Beweise gibt?

.. auf öffentlichen Toiletten?

Keine Ahnung, was man dazu sagen kann. Irgendwie entwickelte es sich zeitweise zum Trend, Bilder auf öffentlichen Toiletten zu schießen. Vielleicht wollen die Menschen zeigen, dass sie nicht gehen, weil sie müssen, sondern weil sie es können. Oder es gingen ihnen einfach die Ideen aus.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

#bathroomselfie

Ein Beitrag geteilt von nmk (@walk_of_dame) am

Überall Lichterketten

"Vincent, pack die Lichterkette aus, wir machen ein Foto für Insta!" So schauen wohl die Unterhaltungen einiger Instagram-Nutzer nach einer berauschenden heißen Schokolade aus. Ist die Tasse leer, wird eine Lichterkette um ein Buch – meistens ist es Harry Potter, da irgendwie nostalgisch – drapiert, das Werk darauf auf Decken gebettet und fertig ist der perfekte Schnappschuss für einen verregneten Sonntagabend.

Hand in Hand

Hach, ist das schön: Rücken zur Kamera, Hand zum Fotografen ausgestreckt und fertig ist die Insta-Klischeepose. Die Menschenkette hat das Duckface abgelöst. Toll, vor allem weil das Bild auf jeglichen Seiten auftauchte. Wer muss schon kreativ sein, wenn es Trends gibt.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Hand hold 🤝with girl

Ein Beitrag geteilt von Insta Repeat (@insta_repeat) am

Der Werbewahn

Instagram ist für Unternehmen eine riesige Werbefläche – und dafür müssen sie sich keine Konzepte ausdenken. Sie kontaktieren lediglich Influencer, schicken ihr Produkt und eine kleine Entschädigung zu und der Rest erledigt sich von selbst. "Die machen das schon", werden sich windige PR-Berater denken. Und wie sie das machen.

Manche vergessen die Produkte ins Bild zu nehmen, obwohl sie eigentlich passen wie eine Nintendo Switch im Bett ...

Bild

Bild: Kisu/Screenshot

… andere positionieren sie an den unpassendsten Plätzen, etwa eine Haarkur im Freien ohne Wasser (ganz im Stile der Hand-in-Hand-Bilder) …

Bild

Bild: marenwolf/screenshot

... und wiederum ganz andere stellen sich mit einer Flasche Waschmittel vor eine Graffitiwand.

Bild

Bild: clea-lacy/Screenshot

Neu trifft alt 2: Die Kamera

Manchen reicht es nicht zwecks Retro-Feeling Schreibmaschinen mit tiefgründigen Sätzen über die inneren Konflikte junger Menschen zu mästen. Kurzerhand besorgen sie sich eine Analog-Kamera fürs 90er-Jahre Bild. Einfach vors Gesicht halten und sich von einem Kumpel mit dem Smartphone ablichten lassen. Retro ist schick, die Kameras heut sind aber besser.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

#filmsnotdead

Ein Beitrag geteilt von Insta Repeat (@insta_repeat) am

Juhu!

Zu guter Letzt: Der Freudensprung. Ein Moment, eine Klausur oder einfach nur ein Mensch mit einer Kamera bringen uns Menschen dazu, vor lauter Überschwänglichkeit gen Himmel zu schweben. Auf Instagram ist dieses Phänomen häufig zu beobachten. Und blendet man aus, dass das perfekte Bild vom Freudensprung wahrscheinlich mehrere Anläufe brauchte, könnte man den Menschen das Glücksgefühl glatt abkaufen.

"Du musst nochmal springen, Lisa. Das Bild ist nichts."
"Ich kann aber nicht mehr, meine Beine tun weh…"
"Nur noch einmal, versprochen."

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!

Programm erstellt Fake-Profilbilder – erkennst du den Unterschied?

Computerprogramme verstehen es immer besser, uns zu täuschen. Ein neues Forschungspapier des Grafikkarten-Herstellers Nvidia zeigt, wie weit das gehen kann. Die Forscher haben ein Programm entwickelt, das Portraitbilder von Menschen erstellt, die es gar nicht gibt.

Dazu nutzen sie sogenannte "Generative Adversarial Networks". Bei diesem Prinzip treten zwei Computerprogramme gegeneinander an: Das eine versucht, möglichst realistische Bilder zu erzeugen. Das andere wiederum möchte genau diese …

Artikel lesen
Link zum Artikel