Digital
Instagram

Photoshop-Wolken & Insta-Boyfriends: Absurde Trends aus 10 Jahren Instagram

Vintage toned portrait of two fashionable young women taking a selfie photograph with a smartphone, sticking tongue out.
Instagram: Ein Ort, an dem alle positiv verrĂŒckt sind.Bild: Getty Images
Digital

Photoshop-Wolken und Insta-Boyfriends: Absurde Trends aus 10 Jahren Instagram

06.10.2020, 16:29
Mehr «Digital»

Zehn Jahre Instagram, zehn Jahre aufgehĂŒbschte Bilder, die das Selbstbewusstsein Heranwachsender ans Äußerste treiben. Aber auch zehn Jahre voll alberner Werbefotos, pathetischer MotivationssprĂŒche oder cleverer Satire, wichtiger politischer Botschaften und gesellschaftsrelevanter Themen.

Im vergangenen Jahrzehnt teilten mehrere Millionen Nutzerinnen und Nutzer ĂŒber 40 Milliarden Fotos und vergaben allein pro Tag 3,5 Milliarden Likes. Unter dem stetig wachsenden Output befinden sich auch einige Comedy-Gold-Nuggets. DafĂŒr mĂŒssen wir nur ein wenig schĂŒrfen. Keine Sorge, ist bereits erledigt. Passend zum JubilĂ€um servieren wir dir zehn Insta-Trends, die sich die Community vielleicht hĂ€tte sparen können. Zugegeben, manche sind wohl unvermeidbar.

Der Instagram-Boyfriend

Beziehungen sind schön, bergen aber auch Verantwortung. Etwa mĂŒssen Kompromisse vereinbart werden, wenn es um die Tagesplanung geht. Welchen Film schauen wir? Wo gehen wir essen, wo spazieren? Wer spĂŒlt, wer kocht? Schnell diskutieren wir ĂŒber BanalitĂ€ten. Streits lassen sich vermeiden, indem wir auf unseren Partner oder unsere Partnerin zugehen, unsere eigenen BedĂŒrfnisse nach hinten stellen. Doch Selbstlosigkeit hat ihren Preis.

So kann es passieren, dass wir unsere Freizeit damit zubringen, Fotos von unseren Partnern zu schießen – fĂŒr Insta, versteht sich. Und wie jeder weiß, braucht es ein paar AnlĂ€ufe fĂŒrs perfekte Bild. Also knipsen wir, zeigen das Ergebnis und wiederholen das Ganze, weil der Winkel nicht optimal war oder die LichtverhĂ€ltnisse nicht stimmten. Danke Instagram, du zwangst viele Menschen in die Berufsfotografie.

Neu trifft alt: Die Schreibmaschine

Retro ist schick, zumindest sagen das viele Menschen, die weit nach der Zeit geboren wurden, der sie hinterhertrauern. Und so setzen sich Millennials an ihre Schreibmaschinen und verfassen Romane ĂŒber verschenkte Möglichkeiten und große Ziele. Wie genau sie letztendlich aussehen, unklar. Hauptsache Hemingway oder Kafka.

Selfies im Hotel ...

Insta bedeutet auch: zeigen, wie gut es einem gerade geht. Und wo geht es einem besser als im Urlaub? Neben den Aufnahmen sonnengebrĂ€unter Körper, die sich im Wasser tummeln, darf auch das Hotel nicht fehlen. Immerhin residiert man wie ein Monarch. Also wird der Bademantel ĂŒbergeworfen, der perfekte Winkel vor dem Spiegel im Badezimmer gesucht und geknipst.

... im Fitnessstudio ...

Eine Ă€hnliche Regel gilt auch fĂŒr die Einheit im Fitnessstudio. Wer soll einem schließlich glauben, dass man beim Training war, wenn es keine Beweise gibt?

.. auf öffentlichen Toiletten?

Keine Ahnung, was man dazu sagen kann. Irgendwie entwickelte es sich zeitweise zum Trend, Bilder auf öffentlichen Toiletten zu schießen. Vielleicht wollen die Menschen zeigen, dass sie nicht gehen, weil sie mĂŒssen, sondern weil sie es können. Oder es gingen ihnen einfach die Ideen aus.

Überall Lichterketten

"Vincent, pack die Lichterkette aus, wir machen ein Foto fĂŒr Insta!" So schauen wohl die Unterhaltungen einiger Instagram-Nutzer nach einer berauschenden heißen Schokolade aus. Ist die Tasse leer, wird eine Lichterkette um ein Buch – meistens ist es Harry Potter, da irgendwie nostalgisch – drapiert, das Werk darauf auf Decken gebettet und fertig ist der perfekte Schnappschuss fĂŒr einen verregneten Sonntagabend.

Hand in Hand

Hach, ist das schön: RĂŒcken zur Kamera, Hand zum Fotografen ausgestreckt und fertig ist die Insta-Klischeepose. Die Menschenkette hat das Duckface abgelöst. Toll, vor allem weil das Bild auf jeglichen Seiten auftauchte. Wer muss schon kreativ sein, wenn es Trends gibt.

Der Werbewahn

Instagram ist fĂŒr Unternehmen eine riesige WerbeflĂ€che – und dafĂŒr mĂŒssen sie sich keine Konzepte ausdenken. Sie kontaktieren lediglich Influencer, schicken ihr Produkt und eine kleine EntschĂ€digung zu und der Rest erledigt sich von selbst. "Die machen das schon", werden sich windige PR-Berater denken. Und wie sie das machen.

Manche vergessen die Produkte ins Bild zu nehmen, obwohl sie eigentlich passen wie eine Nintendo Switch im Bett ...

Bild
Bild: Kisu/Screenshot


 andere positionieren sie an den unpassendsten PlÀtzen, etwa eine Haarkur im Freien ohne Wasser (ganz im Stile der Hand-in-Hand-Bilder) 


Bild
Bild: marenwolf/screenshot

... und wiederum ganz andere stellen sich mit einer Flasche Waschmittel vor eine Graffitiwand.

Bild
Bild: clea-lacy/Screenshot

Neu trifft alt 2: Die Kamera

Manchen reicht es nicht zwecks Retro-Feeling Schreibmaschinen mit tiefgrĂŒndigen SĂ€tzen ĂŒber die inneren Konflikte junger Menschen zu mĂ€sten. Kurzerhand besorgen sie sich eine Analog-Kamera fĂŒrs 90er-Jahre Bild. Einfach vors Gesicht halten und sich von einem Kumpel mit dem Smartphone ablichten lassen. Retro ist schick, die Kameras heut sind aber besser.

Juhu!

Zu guter Letzt: Der Freudensprung. Ein Moment, eine Klausur oder einfach nur ein Mensch mit einer Kamera bringen uns Menschen dazu, vor lauter ÜberschwĂ€nglichkeit gen Himmel zu schweben. Auf Instagram ist dieses PhĂ€nomen hĂ€ufig zu beobachten. Und blendet man aus, dass das perfekte Bild vom Freudensprung wahrscheinlich mehrere AnlĂ€ufe brauchte, könnte man den Menschen das GlĂŒcksgefĂŒhl glatt abkaufen.

"Du musst nochmal springen, Lisa. Das Bild ist nichts."
"Ich kann aber nicht mehr, meine Beine tun weh
"
"Nur noch einmal, versprochen."